Ausbildung
Gute Arbeit, guter Lohn?
Zwei Drittel aller Auszubildenden finden ihre Vergütung nicht angemessen.
Stuttgart (mfi). Geld macht nicht glücklich. Aber zufrieden. Und das sind die allermeisten Lehrlinge nicht. Laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn beurteilt nur ein Drittel der jungen Menschen die Vergütung als „gerade richtig oder sehr gut“. Dabei zeigt sich die Tendenz: Je mehr sie der Chef als Arbeitskraft einspannt, desto eher empfinden sie ihre Vergütung „als nicht angemessen“. Umgekehrt wirke sich eine gute Ausbildungsqualität positiv auf die Zufriedenheit mit dem Lohn aus, stellen die Berufsbildungsfachleute fest.
Was viele Jugendlichen frustriert: Netto bleibt ihnen nicht annähernd genug übrig, um den Mindestbedarf decken zu können, der nötig ist, wenn sie aus dem Elternhaus ausziehen – was immer öfter der Fall ist. Das Durchschnittsalter der Ausbildungsanfänger liegt nach Angaben des BIBB mittlerweile bei über 19 Jahren. Ein Alter, in dem Menschen weder auf Unterstützungssysteme wie die Berufsausbildungsbeihilfe noch auf eine Finanzspritze von den Eltern angewiesen sein möchten.
„Finanzielle Eigenständigkeit ist nur bei einer bedarfsdeckenden Ausbildungsvergütung gewährleistet“, schreiben die Experten und betonen: In Betrieben gebe es oft „größere Spielräume für Vergütungssteigerungen.“ Denn: Die Einsparungen bei den Personalkosten für Fachkräfte schlügen stärker zu Buche als die Löhne für Lehrlinge. Inwieweit trifft das für kleine Betriebe im Bäckerhandwerk zu?
„Kleine Betriebe haben tendenziell mehr Spielraum als große“, sagt BIBB-Expertin Ursula Beicht. In sehr großen Unternehmen sei das Verhältnis zwischen „Ausbildungsvergütungen und Ausbildungserträge“ nicht selten ausgeglichen. Bäcker, die reagieren könnten, es aber nicht tun, gehen nach ihrer Einschätzung ein zunehmendes Risiko ein: Wenn jemand keine jungen Fachkräfte mehr bekomme, komme ihn das womöglich teurer zu stehen, gibt sie zu bedenken.
Engpässe am Ausbildungsstellenmarkt haben sich in der Vergangenheit teils stark auf die Höhe der Vergütungen ausgewirkt, so etwa Anfang der 1990er Jahre. „Das waren bisher immer nur kurze Phasen“, sagt Beicht. Und sie kann sich gut vorstellen, dass es bald wieder so weit ist.
Detaillierte Informationen unter: www.bibb.de
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