Wirtschafts- & Firmeninfos

Gewürzindustrie unter Kostendruck

Fachverband der Gewürzindustrie: Energiepreise machen zu schaffen


Bonn (kke). „Die deutsche Gewürzindustrie steht vor großen Herausforderungen“, sagte Björn Laue auf der Jahrestagung des Fachverbandes der Gewürzindustrie e.V., in Baden-Baden zog.

Wie der Vorsitzende des Fachverbandes sagte, machten Kostensteigerungen in nahezu allen Bereichen und stetig wachsende Anforderungen an das Qualitätsmanagement den Mitgliedsunternehmen zu schaffen. Zudem fordern die Rahmenbedingungen in einem gesättigten und preisagressiven Markt den Unternehmergeist.

Die rd. 70 mittelständischen Unternehmen der Branche importierten im Jahr 2005 insgesamt knapp 76.600 Tonnen an Rohgewürzen und damit 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie veredeln Gewürze und produzieren Gewürzmischungen, Gewürzpräparate und sonstige würzende Zutaten – im Jahr 2005 für ca. 800 Mio. Euro. Mengenmäßig liegen seit Jahren Pfeffer und Paprika deutlich vorn, gefolgt von Ingwer, Koriander und Zimt.

Allerdings ist in 2005 der Import ganzer Pfefferkörner um 25,5 Prozent auf unter 20.000 Tonnen zurückgegangen, gemahlenes Paprikapulver hingegen um 26,9 Prozent auf 13.817 Tonnen gestiegen.

Die Mitgliederversammlung erörterte spezielle Sachthemen wie Kennzeichnung und Analytik, außerdem Markt- und Ernährungsfragen. Die strengen Hygienevorschriften der Europäischen Union, die seit November 2005 geltende Pflicht zur umfassenden Allergenkennzeichnung und daraus erwachsende kundenspezifische Forderungen erfordern selektiven Einkauf und umfassende Wareneingangskontrollen und Laboruntersuchungen. Erhöhte Probendichte und Mehrfachbeprobung einzelner Chargen fordern zusätzlichen personellen und finanziellen Einsatz der Unternehmen.

Die Energiepreise sind in den letzten zwei Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen. Die Kosten der Lkw-Maut belaufen sich für ein mittelständisches Unternehmen jährlich leicht auf 50.000 bis 60.00 Euro. Die Frachtkosten für die in der Branche übliche Freihauslieferung haben sich um bis zu 15 Prozent erhöht. Sämtliche mit dem Rohstoff Erdöl verbundenen Waren – neben Treibstoff alle Arten von Kunststoffverpackungen – verteuern sich rapide in Abhängigkeit zum Ölpreis. Hinzu kommen Preissteigerungen sowohl bei Rohgewürzen als auch bei technologisch wirksamen Stoffen.

In der Branche mehren sich daher die Stimmen, die eine deutliche Anhebung der seit Mitte 2001 stabilen Listenpreise für unausweichlich halten.


Artikel vom 24.05.2006
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