Aktuell

Getreidemarkt: Feste Preise erwartet

In der Tendenz wird mit leicht erhöhten Mehlpreisen gerechnet / Prognose schwierig


Stuttgart (kh). Die Bäcker müssen sich in jedem Fall auf steigende Mehlpreise einstellen, da sind sich der Mühlen- und der Bauernverband sicher. Die Mühlen versuchen im Moment, ihre notwendigen Partien auf dem Markt zu kaufen. Laut Bauernverband besteht aber eine Preisdifferenz zwischen dem, was die Landwirte haben wollen und dem, was die Mühlen zahlen wollen, von fünf bis acht Euro.

In der letzten Woche wurde Brotweizen 90 und 120 Euro/t gehandelt, der von der ZMP ermittelte Durchschnittspreis lag bei 104,50 Euro/t. Vergleicht man diese Preise mit denen des Vorjahres, so zeigt sich ein deutliches Plus. Im Juli/August/September 2005 lagen die Preise für Brotweizen durchschnittlich zwischen 90 und 92 Euro/t, was für die aktuelle Ernte einer Preissteigerung beim Roheinkauf von mehr als 10 Prozent entspricht. Wie viel die Mühlen davon weitergeben können, ist sicher vom Markt abhängig. Problematischer wird da die Situation für die Bäcker, sie werden nur mit großen Schwierigkeiten die gestiegenen Mehlkosten an den Endverbraucher weiterreichen können. Nicht gerade hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Berechnung des Bauernverbandes und der GMF, wie wenig der Mehlpreis prozentual in der Brot- und Brötchenbilanz ausmacht.

Beim Roggen liegt der momentane Durchschnittspreis pro Tonne bei rund 98,40 Euro. Es sind aber auch schon Kontrakte mit bis zu 106,50 Euro je Tonne geschlossen worden. Gerade beim Roggen wirkt sich sicher auch aus, dass dieser zu einem mengenmäßig weit aus größeren Teil für die Brotherstellung Verwendung findet, wie das beim Weizen der Fall ist. Da die Roggenmenge aufgrund der langen Trockenheit insgesamt leicht rückläufig sein wird, ist das Anziehen der Preise in diesem Bereich durchaus nachvollziehbar. Österreich hat bereits bei der EU die Öffnung der Interventionsläger gefordert. Bisher haben sich die Brüssler Agrarkommissare allerdings zu dieser Forderung nicht einmal geäußert. Würden die Tore der Interventionsläger geöffnet, käme der Roggenpreis ganz schnell ins Rutschen, was sicher nicht im Interesse der Landwirte sein kann. Es ist auf jeden Fall, trotz der auch vom Internationalen Getreiderat (IGC) deutlich nach unten korrigierten Welterntemenge, genügend Getreide auf dem Markt. Allein für Weizen hat der IGC seine Prognose binnen eines Monats um 9 Mio. t nach unten korrigiert. Damit würde die Verbrauchsprognose – anders als im Vorjahr – die Erntemenge übersteigen, was aber problemlos aus Interventions- und Lagerbeständen aufzufüllen ist.

Für die Bäcker scheint es so zu sein, dass Mehlpreise neben vielen anderen Kosten steigen werden.


Artikel vom 17.08.2006
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