INTERVIEW der woche
Gentechnik, Brotgetreide und Bioenergie
Die ABZ sprach mit den Minister über brisante Themen wie Gentechnik, Bio und die Situation bei der Getreideerzeugung zwischen Teller und Tank.
ABZ: Wie wird es mit dem ökologischen Landbau nach 2010 weiter gehen?
Horst Seehofer: Der Markt für Bioprodukte boomt weltweit. Bereits im dritten Jahr in Folge verzeichnet der Biomarkt in Deutschland zweistellige Wachstumsraten. Auch für die kommenden Jahre gehen Marktexperten von einer weiterhin sehr dynamischen Marktentwicklung aus. So könnte einer Studie zufolge der Marktanteil von Bioprodukten bis zum Jahr 2020 auf 10 bis 30 Prozent ansteigen.
Meine Politik ist darauf ausgerichtet, die Wettbewerbsstellung der deutschen Unternehmen in dem zunehmend international ausgerichteten Biomarkt zu stärken. Die Unternehmen sollen gute und faire Chancen zur Teilnahme an den Wachstumspotenzialen haben.
ABZ: Stehen grüne Gentechnik und Bio nicht im Widerspruch zu einander? Was kommt hier auf den Verbraucher zu?
Horst Seehofer: Bio schließt in aller Regel auch nach EU-Öko-Verordnung die Anwendung der Grünen Gentechnik aus. Das hat sich nicht geändert im Vergleich zur vorherigen Verordnung. Darüber hinaus wird gegenwärtig eine Verordnung vorbereitet, die die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ praktikabler macht.
Nach meiner Überzeugung ist aber Platz für beide Formen der Landbewirtschaftung. Wichtig für mich ist die Frage der Koexistenz und damit der Wahlmöglichkeit. Jeder Landwirt soll nach eigenen Ideen und Überzeugungen anbauen und arbeiten können.
Jeder Verbraucher soll die Lebensmittel auswählen können, die seinen Vorstellungen entsprechen. Die Wahlmöglichkeit ist für mich ein essentieller Bestandteil von Freiheit und Selbstbestimmung. Dafür setze ich mich auch weiterhin ein. So werden mit einer Verordnung über die gute fachliche Praxis bei der Erzeugung gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland erstmals Vorgaben gemacht, welche konkreten Maßnahmen der Erzeuger von gentechnisch veränderten Pflanzen zum Schutz seiner konventionell oder ökologisch wirtschaftenden Nachbarn zu ergreifen hat.
ABZ: EU-Bio wird nach Aussage vieler Fachleute immer mehr verwässert. Wie sehen Sie das?
Horst Seehofer: Das sehe ich anders. Unter deutscher Präsidentschaft ist es gelungen, erhebliche Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag der Europäischen Kommission durchzusetzen. Inhaltlich haben wir das bisherige hohe Schutzniveau für die Verbraucher erhalten.
Die neuen flexiblen Kennzeichnungsregelungen schaffen ein hohes Maß an Transparenz und werden es den Verbrauchern ermöglichen, die differenzierten Qualitäten am Markt zu erkennen. Zudem bleibt das bewährte Kontrollsystem in seinen Grundzügen erhalten und den Mitgliedstaaten ist es ausdrücklich erlaubt, im Bereich der Außer-Haus-Verpflegung eigene Maßnahmen zu ergreifen. Wir beabsichtigen, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen
ABZ: Getreideerzeugung auch im Biobereich bekommt Konkurrenz durch die Erzeugung von Bioenergie. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Horst Seehofer: Ich möchte hier nicht polarisieren. Unsere Landwirtschaft ist in der Lage, sowohl den Bedarf an Nahrungsmitteln zu decken als auch einen Beitrag zur Versorgung mit erneuerbaren Energieträgern zu leisten. Wir brauchen beides. Die nachwachsenden Rohstoffe sind unverzichtbarer Bestandteil der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung.
Die Bundesregierung hat beschlossen, den Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch bis zum Jahr 2010 zu verdoppeln und bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern. Dieses ehrgeizige Ziel können wir nur durch den vermehrten Anbau von nachwachsenden Rohstoffen erreichen. Nachwachsende Rohstoffe sind Energieträger der Zukunft; ihre Anbaufläche lässt sich ausweiten, ohne dass die Nahrungsmittelproduktion darunter leidet.
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