Aktuell
Genreis nachgewiesen
Betroffene Produkte wurden aus den Regalen entfernt
Stuttgart (kh). Einmal die gute Nachricht zuerst: Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat keinen Anlass dafür, den Verzehr von gentechnisch verändertem Reis der Sorte KL 601 als gesundheitsgefährdend einzustufen. Das BfR beruft sich dabei nicht auf eine eigene Risikobewertung, die gibt es für die nicht zugelassene Reissorte nicht, sondern auf Aussagen der US-Lebensmittelbehörde FDA.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte in Reisprodukten des Discounters Aldi den Genreis LL 601 gefunden. Die in Süddeutschland gefundenen verdächtigen Produkte wurden allesamt in einer Reismühle in Gelsenkirchen verarbeitet. Neben Aldi hat inzwischen auch die Schwarz Gruppe (Lidl) in den Warenhäusern Kaufland, Kaufmarkt und Handelshof die Regale von betroffenen Chargen geräumt und Reispackungen mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 27. 04.07, 19.06.07 und 13.07.07 zum Rückruf ausgeschrieben.
Darüber hinaus hat auch Edeka eine ganze Reihe von Reisprodukten aus seinen Regalen entfernt. Ins Rollen kam die Sache durch Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Freiburg, das die verunreinigten Chargen aufgespürt hat.
Wie es zu den Verunreinigungen kommen konnte, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Von einem Vorsatz, wie er beispielsweise beim amerikanischen Soja vor Jahren unterstellt wurde, ist bislang nicht die Rede. Bei den Eigenkontrollen von Edeka und Aldi war keine Beanstandung der Chargen festgestellt worden. Ob es sich daher um eine minimale Verunreinigung handelt, oder aber mit unterschiedlichen Messverfahren gearbeitet worden ist, ist ebenfalls noch unklar. Zumindest Edeka zweifelt trotz negativer eigener Untersuchungen die Ergebnisse des Freiburger Labors nicht an. Als Konsequenz hat Edeka inzwischen alle US-Lieferanten aufgefordert, die Herkunft ihrer Ware offen zu legen. Dies bedeutet nicht, dass man die amerikanischen Lieferanten auslisten wolle, so Edeka in einer Pressemeldung, vielmehr will man einfach mehr Transparenz und damit Sicherheit in den Markt bringen. Die Auslistung von US-Reis ist zudem auch mengenmäßig nicht möglich, denn rund 85 Prozent aller Reisimporte, speziell der Langkornsorten, kommen aus den USA.
Der Verband der europäischen Reismühlen hat aufgrund der Funde von Genreis eigene Untersuchungen in Auftrag gegeben und 162 Proben analysieren lassen. Und siehe da: in 33 Proben fand sich Genreis der Sorte LL 601. Das entspricht jeder fünften Charge. Spätestens ab diesem Zeitpunkt muss auch die EU davon ausgehen, dass es sich nicht um einen Einzelfall, sondern vielmehr um eine systematische Verunreinigung handelt. Die Sorte LL 601 wurde vom deutschen Bayer Konzern entwickelt und als Vorläufersorte für eine neue Reissorte in den USA ausgesät.
Da sie nicht für die Lebensmittelherstellung bestimmt war, ist LL 601 weder zugelassen noch geprüft. Die Beimischung war auch in den USA schlicht verboten.
Damit ist der Skandal aber wohl noch nicht beendet. Die EU-Kommission bat die nationalen Überwachungsbehörden nach Hinweisen von Greenpeace und der Umweltschutzorganisation „Friends of the Earth“ auch den Verdachtsmomenten für eine gentechnische Verunreinigung von Reis aus China nachzugehen.
Die Beimischung von nicht zugelassenem Reis zeigt allen, wie schwer eine flächendeckende Kontrolle gerade bei der Gentechnik-Problematik ist. Bislang wird in diesem Segment nur stichprobenartig untersucht, weshalb die Schlupflöcher wohl sehr groß sind.
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