INTERVIEW der woche
Gefragt ist der moderne Fachverband
ABZ: Strukturreform im Handwerk, da ist das Saarland weiter als andere Bundesländer. Es gibt zum Beispiel keine Kreishandwerkerschaften mehr. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Hans-Alois Kirf: Die Organisationsstruktur des Saarländischen Handwerks ist vor dem Hintergrund der Kleinheit des Landes seit 1974 sehr schlank und effizient. Es gibt keine Kreishandwerkerschaften. Es gibt nur Landesinnungen – außer im Bäckerhandwerk. Und die Landesinnungen haben sich zu einem Großteil in Arbeitgeberverbänden mit gemeinsamer Geschäftsführung zusammengeschlossen.
Die Erfahrungen mit dieser schlanken, effizienten Organisationsstruktur sind sehr gut und durchaus auch für andere Bundesländer vorbildhaft.
ABZ: Wie funktioniert im Saarland das Miteinander und die Zusammenarbeit von Kammer, Fachverbänden und den Innungen?
Hans-Alois Kirf: Die Zusammenarbeit Kammer/Fachverbände/Innungen funktioniert im Saarland bei allen Problemen, die immer mal wieder auftauchen können, insgesamt recht gut. Wir diskutieren zur Zeit im Rahmen der Strukturreform, ob wir die bestehende und bewährte Aufgabenteilung zwischen den verschiedenen Organisationen noch weiter verbessern können.
ABZ: In welchen Bereichen müsste die Handwerkskammer noch aktiver werden, um sich noch besser zu profilieren?
Hans-Alois Kirf: Ich glaube, dass wir im Saarland als HWK gut aufgestellt sind. Bei im Bundesdurchschnitt im unteren Bereich angesiedelter Beitragshöhe bieten wir unseren Betrieben durchaus ein TOP-Angebot an Dienstleistungen. Was ein zentrales Thema für das Handwerk der Zukunft sein wird, ist die Nachwuchswerbung vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung. Hier sind wir dabei, gemeinsam mit den Verbänden die Imagewerbung für das Handwerk ganz wesentlich zu intensivieren.
ABZ: Innungen anderer Gewerke haben schon kräftig fusioniert. Was würden Sie dem Bäckerhandwerk raten?
Hans-Alois Kirf: Vor dem Hintergrund der Abschmelzung der backenden Betriebe würde ich auch den Bäckerinnungen, bei denen die Zahl der Mitglieder ebenfalls deutlich gesunken ist, raten, sich zu einer Landesinnung zusammenzuschließen.
ABZ: Geht bei aller Fusionitis nicht auch die Regionalität und die Identifikation mit der Organisation verloren?
Hans-Alois Kirf: Es gibt viele Beispiele im saarländischen Handwerk für Landesinnungen, die einen hohen Organisationsgrad haben, was darauf zurückzuführen ist, dass es eine Identifikation mit der Organisation „Landesinnung“ gibt.
ABZ: Wie sollte sich ein moderner Fachverband aufstellen? Welche Aufgaben muss er in Zukunft übernehmen?
Hans-Alois Kirf: Die Aufgaben eines Fachverbandes ändern sich im Rahmen seines Umfeldes. Von daher kann ich nur raten, dass ein Fachverband flexibel, modern denkend und der Zeit angepasst handeln sollte. Wichtig ist sicherlich gerade im Bäckerhandwerk, das Nachwuchsproblem zu lösen. Hier wird nach meiner Ansicht im Saarländischen Bäckerinnungsverband schon seit Jahren sehr gute Arbeit geleistet.
ABZ: In wieweit halten Sie eine Kooperation der Nahrungsmittelhandwerke für sinnvoll und förderlich?
Hans-Alois Kirf: Sicherlich ist dies eine Aufgabe, die die einzelnen Nahrungsmittelhandwerke unter sich regeln müssen. Hier hängt es immer ein Stück weit auch von Personen ab, wie sie miteinander umgehen können. Für das saarländische Bäcker- und Konditorenhandwerk könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es eine Kooperation gibt, allein schon vor dem Hintergrund, dass verschiedene Aktionen bereits heute gemeinsam durchgeführt werden.
ABZ: Tipp vom Handwerkspolitiker und Kollegen: Was müssen Handwerksbäcker unbedingt tun, um sich auch künftig am Markt behaupten zu können?
Hans-Alois Kirf: Der Kunde möchte heute beim Betreten eines Bäckereifachgeschäftes ein Einkaufserlebnis haben. Dazu muss das Bäckereifachgeschäft entsprechend eingerichtet sein. Darüber hinaus ist die Fachkompetenz und die Freundlichkeit der Verkäuferin mindestens ebenso wichtig, wie die Qualität der Backwaren. Entsprechend gute Serviceleistungen des Handwerksbäckers gehören genauso dazu wie das angebotene Sortiment, das nicht von der Quantität, sondern der Qualität der Produkte bestimmt sein sollte. (wo)
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