Markt & Meinung
Fortschritt oder zu kurz gedacht?

Mit der Novellierung des Gentechnikrechts zeigen sich Befürworter und Gegner der grünen Gentechnik gleichermaßen unzufrieden. Das macht stutzig. Aus Bäckersicht stellen sich da doch auch noch einige Fragen, die auf schlüssige Antworten warten. Schlussendlich sind es die Verkäuferinnen, die an der Ladentheke Antwort geben müssen, wenn Backwaren aus gentechnisch veränderten Zutaten bestehen. Der Entwurf sieht vor, dass eine Kennzeichnung auch unterhalb des EU-Schwellenwertes von 0,9 Prozent vorgenommen werden muss. Die Novelle sieht auch vor, dass sich benachbarte Bauern darauf einigen können, die Mindestabstände zwischen den Feldern zu unterschreiten. Wofür dann überhaupt vorgeschriebene Abstände? Schlicht ungeklärt bleibt auch die Frage nach der Haftungsregulierung im Falle gentechnischer Verunreinigung eines konventionell bestellten Nachbarfeldes – für beide Seiten gleichermaßen. Erst einmal anbauen und beobachten was passiert – so ähnlich klingt das bei Frau Schavan. Bleibt dann noch Handlungsspielraum? In 5 oder 10 Jahren könnte sich die gesamte Diskussion vielleicht schon erledigt haben, weil dann eh alle Pflanzen mit gentechnisch veränderte Organismen kontaminiert sind – bis hin zum Weizen. Dann ginge alles im Einerlei unter. Des Verbrauchers Wahlfreiheit wäre dahin und auch ein Unterscheidungsmerkmal, etwa für Bio- oder Handwerksbäcker, im Wettbewerb. Schließlich sind Natürlichkeit und Gesundheit starke Verbrauchertrends und laut Umfragen lehnen etwa 75 Prozent der Deutschen gentechnisch veränderte Lebensmittel strikt ab. Vielleicht hilft die Gentechnik, in Zukunft Rohstoffe zu bezahlbaren Preisen zu produzieren oder gar die Welternährung sicherzustellen, aber da könnten auch konventionelle Schritte in der Politik sinnvoll sein– risikofrei. Stellt sich die Frage, warum etwas produziert werden soll, was kaum jemand haben will, wo Haftungsrisiken mit einem Fond abgesichert werden sollen und so recht auch keiner weiß, was denn die Natur langfristig dazu sagen wird. Sie hat das letzte Wort, auch wenn wir sie manipulieren. W. Kräling
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