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Fordernde Mitglieder beleben Verbandsarbeit

Gut aufgestellt für zukünftige Herausforderungen des Bäckerhandwerks: Der Verband Niedersachsen/Bremen bietet umfangreiches Leistungspaket


Hannover (wkr). Der Bäckerinnungsverband Niedersachsen/Bremen zog 2006 nach einigen Fehlentwicklungen die Reißleine und gab die Verantwortung für die Geschäftsführung in neue Hände: Mit Bettina Emmerich-Jüttner übernahm eine Frau das Zepter in Hannover. Kein einfaches Erbe, das sie antrat, angesichts anstehender Aufräumarbeiten und verunsicherter Mitglieder. Aber gemeinsam mit LIM Klaus Borchers und seit 2008 mit Karl-Heinz Wohlgemuth an Ihrer Seite, wurde der Verband wieder auf Kurs gebracht: Nach dreieinhalb Jahren Frauenpower kann die First Lady der Bäcker Niedersachsens eine positive Bilanz ziehen.

ABZ-Chefredakteur Werner Kräling sprach mit Bettina Emmerich-Jüttner über die Situation heute und ambitionierte Zukunftspläne.

ABZ: Gut drei Jahre stehen Sie nun an der Spitze des Verbandes – was waren harte Brocken, die Sie aus dem Weg räumen mussten?

Bettina Emmerich-Jüttner: Am 1. August 2006 habe ich die Geschäftsführung des Bäckerinnungs-Verbandes Niedersachsen/Bremen übernommen. Darüber hinaus übe ich die Geschäftsführung der Bäckerinnung Hannover, der größten Innung im Verbandsgebiet, sowie der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk, Bäckerfachschule Hannover, aus.

Zunächst war es sehr zeitaufwendig, diese drei anspruchsvollen Aufgaben unter einen Hut zu bringen, zumal es zunächst galt, das Vertrauen der Mitgliedsinnungen des Verbandes und deren geschäftsführende Stellen, die Kreishandwerkerschaften, zu stabilisieren und wieder auf eine neue Ebene der Wertschätzung, Kontinuität und Effektivität zu heben. Kein leichtes Unterfangen in einem Flächenland wie Niedersachsen, das zudem geprägt ist durch historisch gewachsene Strukturen.

Wie hat sich die Mitgliederzahl des Verbandes entwickelt?

Emmerich-Jüttner: Bis 2006/2007 haben wir analog der Entwicklung im gesamten Bundesgebiet einen rapiden Rückgang in den Mitgliedszahlen verzeichnen müssen. Dies belegen eindrucksvolle Zahlen: 1997 fast 2000 Mitgliedsbetriebe und heute ca. 820. Allerdings sind in diesem Zeitraum die einzelnen Unternehmen gewachsen, so dass wir alles in allem von ca. 4000 Verkaufsstellen insgesamt in unserem Verbandsgebiet ausgehen. Der Mitgliederschwund aufgrund Betriebsaufgabe und Nachfolgeproblemen etc. ist natürlich trotz intensiver Beratungstätigkeit unseres Verbandes höchst bedauerlich. Betrüblicher ist allerdings die Tatsache, dass komplette Innungen die Mitgliedschaft aufkündigen, ohne dass wir über die genauen Gründe miteinander kommunizieren können. Mit einem derzeitigen Organisationsgrad von etwas mehr als 60 Prozent können Vorstand und Geschäftsführung nicht zufrieden sein. Unser Ziel ist die Einführung und Umsetzung eines gezielten, stringenten und professionellen Verbands- und Mitgliedermarketings, wobei wir beabsichtigen, auch die einzelnen Innungen und Mitgliedsbetriebe punktgenau zu unterstützen.

Was sind heute die wichtigsten, was herausragende Leistungen des Verbandes?

Emmerich-Jüttner: Unserer wichtigsten Aufgabe, der Lobbyarbeit bei Länder-, Bundes- und EU-Gremien, wird der geringste Stellenwert in der Öffentlichkeit bzw. bei den Mitgliedern beigemessen. Dies geschieht einfach aus dem Grund der fehlenden Messbarkeit unserer Arbeit. Exemplarisch seien hier der Salzgehalt in Brot- und Backwaren oder die Gefahrklassen der BGN oder ganz aktuell in Niedersachsen das Gesetz über die Ladenöffnung an Sonn- und Feiertagen sowie das derzeit diskutierte Niedersächsische Gaststättengesetz genannt. Dass sich Lobbyarbeit in Heller und Pfennig auszahlen kann, hat über fast eineinhalb Jahrzehnte die Verpackungs-VO gezeigt, die unseren Mitgliedsbetrieben nicht nur eine Menge Bürokratie, sondern auch bis zu vierstellige Kosten ersparte. Mit dem derzeit gültigen Ladenöffnungszeitengesetz bietet Niedersachsen eines der flexibelsten bundesweit an. Unser Verband hat hieran ganz maßgeblich mitgewirkt.

Kennen alle Mitgliedsbetriebe das Leistungsangebot ihres Verbandes?

Emmerich-Jüttner: Das Leistungsangebot unseres Verbandes ist derartig umfassend und reichhaltig aufgestellt, dass es uns bisweilen schwer fällt, dies entsprechend zu kommunizieren. Unsere Mitglieder sind, wenn wir in Innungsversammlungen referieren, wirklich beeindruckt angesichts des Leistungsspektrums ihres Verbandes. Wir betrachten es als vorrangige Aufgabe, dieses Leistungsspektrum für die Zukunft besser zu strukturieren und wie bereits oben erwähnt, professioneller zu kommunizieren.

Was wird besonders genutzt, was weniger?

Emmerich-Jüttner: Erfreulicherweise werden die vom Verband initiierten Fachtagungen in den Bereichen Lebensmittelsicherheit und -hygiene, Betriebswirtschaft und Berufsbildung durchschnittlich von einem Teilnehmerkreis zwischen 100 und 150 Personen besucht. Die betriebswirtschaftliche Beratung in Einzelbetrieben, aber auch über die Erfa-Kreise, die für alle Betriebsgrößen angeboten werden, verzeichnet ein hohes Interesse. Der Themenkreis Betriebshygiene inkl. die Erstellung individueller Hygienekonzepte durch die Beratungsstelle des Verbandes könnte unseres Erachtens nach noch intensiver genutzt werden.

Gibt es Betriebe, die auf Sie zu kommen und neue Anregungen geben bzw. Wünsche äußern?

Emmerich Jüttner: Ja das gibt es. Gott sei Dank. Und da sind hervorragende Anregungen dabei, die wir postwendend aufnehmen. Wir sind für jede Anregung außerordentlich dankbar. Es gibt nichts Wertvolleres, um die Arbeit eines Verbandes zu bereichern, als den Anstoß eines Mitgliedbetriebes. Trotz über 800 Betriebe, die wir betreuen, spielen die persönlichen Kontakte eine ganz große Rolle. Wir setzen uns mit jedem auseinander, gerade kritische Einwürfe bringen uns weiter.

Ich wünschte mir, dass an der Basis die Kommunikation noch intensiver verläuft. Wir haben es uns für 2010 zum Ziel gesetzt, die Mitglieder direkt anzusprechen, z. B. per E-Mail, um über die Leistungen, Angebote und Aktivitäten von Verband und Schule zu informieren.

Sie kooperieren mit skandinavischen Bäckern, organisieren den internationalen Austausch von Azubis: Was versprechen Sie sich von diesen Netzwerken?

Emmerich-Jüttner: Das Thema Internationalisierung speziell im Handwerk wird über die Bundes- und Landesregierung seit kurzem sehr stark forciert. Nicht nur der Austausch der fachlichen Kompetenzen steht hierbei im Vordergrund. Insbesondere für Auszubildende sind die Erfahrungen interkultureller und sozialer Natur von unschätzbarem Wert in der persönlichen und beruflichen Entwicklung und tragen zur Stärkung des Selbstwertgefühls bei. Unsere gut zehnjährigen Lehrlingsaustausche mit dem INBP in Rouen bestätigen uns in unseren Anstrengungen. Finnland ist seit kurzem unser neuer Partner in dieser Hinsicht. Augenblicklich halten sich drei auszubildende Bäcker in Helsinki zu einem vierwöchigen, vom Kultusministerium geförderten Praktikum auf – mit bestem Erfolg.

Im Kanon der Fachschulen unter dem Dach der ADB – können Sie da mithalten?

Emmerich-Jüttner: Die Akademie in Hannover ist nach unseren neuesten Erhebungen zu 200 Prozent ausgelastet und platzt daher räumlich aus allen Nähten. Derzeit entwickeln wir ein Zukunftskonzept im Hinblick auf die Anforderungen der nächsten 25 Jahre, das sukzessive umgesetzt werden soll. Erster Schritt ist zum Beispiel die QM-Zertifizierung nach DIN ISO 9001 sowie AZWV, so dass ab Juli 2010 Qualitätsstandards in organisatorischer und didaktischer Hinsicht Maßstab sind. Wir sind der festen Überzeugung, mit unserer Akademie zukunftsorientierte Angebote und Inhalte in modernsten Lehrwerkstätten anbieten zu können.


Artikel vom 24.02.2010
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