Trends_Märkte

Es wird nach wie vor investiert

Ergebnisse des ABZ-Monitors zeigen aber: Umsatz und Umsatzerwartung reduziert


Stuttgart (wo). Nachdem das Bäckerhandwerk im vergangenen Jahr und Anfang diesen Jahres wieder deutlich zugelegt hat (durchschnittliche Umsatzsteigerungen bis zu 9 Prozent – allerdings auch dank realisierter Preiserhöhungen), scheint sich die Stimmung wieder etwas einzutrüben. Nur noch 63,2 Prozent der befragten Betriebe haben beim aktuellen ABZ-Monitor ein Umsatzplus gemeldet. Im März 2008 waren das laut dieser repräsentativen Onlineumfrage des Marktforschungsinstituts Marktplatz Hotel noch 74, 2 Prozent (siehe Grafik).

Reduzierte Umsatzerwartungen

Auch die Umsatzerwartungen haben sich gegenüber der letzten Umfrage reduziert. In allen Betriebsgrößenklassen – außer bei den Betrieben mit 16 bis 25 Filialen. Hier rechnen praktisch alle befragten Unternehmen mit mehr Umsatz. Der ansonsten leichte Dämpfer korreliert mit der allgemeinen Konjunkturstagnation und den weiter steigenden Verbraucherpreisen. Preistreiber sind nach wie vor die Rohstoff-, Sprit- und Energiekosten.

Eine bedauerliche Entwicklung, der sich auch das Bäckerhandwerk stellen muss, nicht nur weil die Kosten steigen, sondern auch weil die Verbraucher aus Angst um den Arbeitsplatz und das knappe Budget wieder preissensibler agieren könnten. Dass sich aber in der Branche eine gewisse Stabilität breit gemacht hat, zeigt der immer noch ausgeprägte Investitionswillen der befragten Betriebe. So stehen zum Beispiel bei immerhin 54,8 Prozent Investitionen bei der Ladengestaltung an.

Nicht nur die vergangenen Umsatzerhöhungen, auch die momentanen Umsatzrückgängen und reduzierten Umsatzerwartungen müssen etwas relativiert werden. Schließlich wurden die nötigen Preisanpassungen vorgenommen und weitere Preiserhöhungen können in absehbarer Zeit nur mit Risiko durchgesetzt werden.

Erfreulich ist aber, dass im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Viertel der Betriebe ein Umsatzplus von bis zu 5 Prozent gemacht hat. Immerhin 20 Prozent der befragten Unternehmen meldeten 6 bis 10 Prozent mehr Umsatz. Und fast 14 Prozent bewegen sich zwischen 11 und 15 Prozent Umsatzerhöhung. Vor allem Betriebe mit mehr als 16 Filialen haben wieder zugelegt. Wobei gerade bei größeren Unternehmen davon auszugehen ist, dass das Umsatzplus nicht immer auf bestehender Fläche erfolgte.

Filialisten pflegen ja auch zu filialisieren. So ist vielleicht auch zu erklären, dass gerade Betriebe mit 16 bis 25 Filialen mit einem weiteren Umsatzplus rechnen. Die etwas größeren Unternehmen müssen oder wollen ihr Wachstum vielleicht etwas bremsen. Es soll sich ja zwischenzeitlich herum gesprochen haben, dass es sinnvoll ist, auf gesundes Wachstum zu setzen. Unterm Strich gehen jedenfalls 51 Prozent der befragten Betriebe weiterhin von einem Umsatzwachstum aus.

Kleine Unternehmen skeptisch

Bezeichnend für die aktuelle Situation ist die reduzierte Erwartung bei Betrieben mit einem Geschäft: Gingen bei der letzten Umfrage noch 56 Prozent von einem Umsatzplus aus, so waren es jetzt nur noch 36,4 Prozent. Ähnlich verhält es sich bei Betrieben mit 2 bis 6 Filialen: Hier sank die Quote von 64,4 auf 48,6 Prozent (siehe Grafik).

Die Konjunkturentwicklung lässt grüßen.

Bei der Entwicklung des Produkt- und Dienstleistungsangebots hat sich erwartungsgemäß seit unserer letzten Umfrage nicht viel verändert. Der Umsatzanteil von Brot und Brötchen bewegt sich im Durchschnitt jeweils zwischen 25 und 30 Prozent. In allen Betriebsgrößenklassen wird versucht, mit Spezialbroten dieses Geschäftsfeld wieder zu forcieren – nachdem der Einzelhandel den vergangenen Jahren dem Bäckerhandwerk diese Kernkompetenz erfolgreich streitig gemacht und immer mehr Marktanteil hinzu gewonnen hat.

Brot und Brötchen forcieren

Vor allem die großen Unternehmen wissen, dass man hier Masse und Marge machen kann. Deshalb gehen mindestens 25 Prozent der befragten Betriebe von steigenden Umsatz im Brotbereich aus.

Und Betriebe mit über 2 Millionen Jahresumsatz setzen bei Brötchen zu 64 Prozent auf künftiges Umsatzplus. Bei Unternehmen mit unter 500.000 Euro Jahresumsatz hält sich die Erwartung auf dem Sektor Brot und Brötchen in Grenzen (14 Prozent).

Ganz anders sieht es bezüglich des Snackangebots aus: Der Umsatzanteil bei kleineren Betrieben durchschnittlich 7 Prozent und überschreitet bei großen Betrieben immer häufiger die 10-Prozentmarke (siehe Grafik). Die Tendenz ist leicht steigend und die Umsatzerwartungen sind in allen Betriebsgrößenklassen recht hoch. 57, 65 bzw. 82 Prozent der befragten Unternehmen (500.000, bis 2 Millionen und über 2 Millionen Euro Jahresumsatz) sehen in diesem Sektor Perspektiven.

Allerdings werden alle Erwartungen durch die stetig steigenden Kosten auf allen Ebenen etwas getrübt. Auffallend ist, dass sich der Materialkosten- und der Energiekostenanteil permanent erhöht. Wer aber meint, beim Rohstoffeinkauf auf Kosten der Qualität sparen zu können, ist falsch gewickelt. Da lohnt es sich schon eher, beim Energiesparen anzusetzen.

Ungebrochener Investitionswille

Das haben offenbar einige Kollegen beherzigt. So ist auch zu erklären, dass in den Bereichen Kältetechnik und Backöfen wieder verstärkt investiert werden soll. 35,5 bzw. 19,4 Prozent der Unternehmen gaben an, hier Geld in die Hand nehmen zu wollen. Es ist anzunehmen, nicht nur weil Ersatzinvestitionen getätigt werden müssen, sondern auch, weil sich Energie sparende Technik gerade beim Kühlen und Backen in absehbarer Zeit amortisiert – auch unter Maßgabe der Qualitätsproduktion. Ein Thema, auf das auch die Anbieter mit entsprechenden Angeboten reagieren, wie sich auf den Herbstmessen Sachsenback und südback zeigen wird.

Auffällig ist laut unserer Umfrage eine ausgeprägte Investitionsfreude in Sachen Ladeneinrichtungen: Waren es im März noch 43,9 Prozent, so sind es jetzt satte 54, 8 Prozent der Unternehmen, die angaben, in absehbarer Zeit in ihre Läden zu investieren. Aber nicht nur das Aufrüsten bei der Einrichtung, auch die verstärkten Aktivitäten rund um die Mitarbeiterschulung zeigen, dass die Betriebe die Zeichen der Zeit erkannt haben und zunehmend auf umfassende Qualität im Verkauf setzen. 72,6 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Zeit und Geld in Mitarbeiterschulung zu investieren (siehe Grafik).

Kaltgetränke als Bestandteil des Handelswarensortiments haben insgesamt keine große Umsatzbedeutung. Aber immer mehr Betriebe nützen die Chance, sich vor allem im Sommer mit Cola und Co. ein schönes Zubrot zu verdienen. Während die Handelswaren insgesamt zunehmend an Bedeutung verlieren (durchschnittlicher Umsatzanteil von knapp 7 Prozent), treten die Kaltgetränke etwas stärker in den Vordergrund. Sie haben innerhalb des Handelswarensortiments etwa 15 bis 20 Prozent Umsatzanteil. Tendenz steigend, weil im Gegensatz zu den übrigen Handelswaren die Margen meist stimmen. Wichtig dabei ist, dass sich der Aufwand in Grenzen hält (Stichwort Pfandmanagement) und die Präsentation der Getränke zum Impulskauf animiert.

Dafür sorgen vielfach entsprechende Marketingmaßnahmen. Wobei vor allem auf (Einbau-)Kühlschränke im Marketingdesign gesetzt wird (siehe Grafik auf Seite 6). Verkauft werden vor allem Wasser, Softdrinks wie Cola und Limonade, Fruchtsaftgetränke, Milch und Milchmixgetränke, aber auch Energy- und Wellnessdrinks (Grafik). Nach wie vor haben aber auch Zeitungen, Zeitschriften und das Kaffeedepot eine bescheidene Umsatzbedeutung.

Auch kleine Mitnahmeeffekte und Serviceleistungen tragen eben dazu bei, dass ein Unternehmen Perspektiven hat.


Artikel vom 10.07.2008
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