Aktuell
Erwartungen verhalten optimistisch
Wirtschaftliche Lage verbessert, aber Mittelstand wartet ab / Unternehmen zeigen sich deutlich investitionsbereiter
Neuss (p). Die Angaben der mehr als 4.000 befragten Mittelständler zu ihrer aktuellen Geschäftslage sprechen dafür, dass sich die konjunkturelle Situation der kleinen und mittleren Betriebe in Deutschland aufhellt. Im Herbst 2005 bewerten 30,6 Prozent der mittelständischen Unternehmer ihre Geschäftslage mit sehr gut oder gut (Vorjahr: 25,9). Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage mit mangelhaft oder ungenügend einschätzen, von 14,3 auf 10,1 Prozent. Außer dem Handel haben sich alle Hauptwirtschaftsbereiche im Vergleich zum Vorjahr verbessert.
Parallel zur Geschäftslage haben sich auch die Umsätze im Mittelstand entwickelt: 27,9 Prozent der Unternehmen verzeichneten in den vergangenen sechs Monaten Umsatzsteigerungen (Vorjahr: 26,6 Prozent), während sich der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Umsätzen von 30,7 auf 26,2 Prozent verringerte.
Erwartungen verhalten
Trotz der guten Einschätzungen zur aktuellen Wirtschaftslage, sind die Erwartungen der kleinen und mittleren Unternehmen für die kommenden Monate lediglich verhalten optimistisch: 22,6 Prozent (Vorjahr: 20,9 %) erwarten steigende Umsätze, während 22,4 Prozent (Vorjahr: 24,1 %) Umsatzrückgänge befürchten.
Die befragten Unternehmen zeigen sich im Herbst 2005 deutlich investitionsbereiter als noch vor einem Jahr. 41,8 Prozent planen in den kommenden Monaten Investitionen durchzuführen (Vorjahr: 34,9 %). Mit einem Anteil von 45,3 Prozent sind die Mittelständler aus dem Verarbeitenden Gewerbe am investitionsfreudigsten (Vorjahr: 37,9 %). Ersatzinvestitionen genießen mit 57,2 Prozent (Vorjahr: 60,1 %) bei den mittelständischen Unternehmen Priorität, gefolgt von den Erweiterungsinvestitionen mit 49,1 Prozent (Vorjahr: 42,9 %).
„Kleine“ bewerten Lage anders
Über 80 Prozent der fast 3 Millionen mittelständischen Unternehmen in Deutschland zählen bis zu zehn Beschäftigte. Diese „kleinen Mittelständler“ kommen zu anderen Einschätzungen der aktuellen Wirtschaftslage als die größeren: Nur etwa ein Viertel (25,3 %) der Kleinbetriebe bewertet ihre derzeitige Geschäftslage mit sehr gut oder gut, während 35,5 Prozent der größeren mittelständischen Unternehmen zu dieser Einschätzung gelangen. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe unterscheiden sich die Bewertungen: Fast 40 Prozent der größeren Unternehmen signalisierten hier eine gute oder sehr gute Geschäftslage, aber nur 22,1 Prozent der kleinen Betriebe.
Auch bei der Personalpolitik unterscheiden sich kleine und große Mittelständler: Größere Unternehmen weisen eine höhere Fluktuation von Arbeitskräften auf. Von den Betrieben mit bis zu zehn Beschäftigten haben nur 15,7 Prozent ihre Mitarbeiterzahl in den vergangenen Monaten erhöht und lediglich 16 Prozent ihren Personalbestand verringert.
Bei den großen mittelständischen Unternehmen hingegen haben 28,4 Prozent zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und 21,9 Prozent Arbeitsplätze abgebaut.
Schlechtere Eigenkapitalquote
Mehr als die Hälfte der größeren Betriebe plant, in den kommenden Monaten zu investieren – von den kleineren Unternehmen sind es lediglich 31,9 Prozent.
Bei den investitionsgeneigten Kleinbetrieben wollen 54,4 Prozent Erweiterungsinvestitionen durchführen, bei den größeren Mittelständlern haben die Ersatzinvestitionen mit 61,5 Prozent Priorität. 28,7 Prozent der kleineren Unternehmen finanzieren die Investitionen mit Fremdkapital, während dieser Anteil bei den größeren Betrieben mit 37,4 Prozent deutlich höher ist.
Beim Vergleich der Finanzierungsstruktur kleinerer und größerer Betriebe zeigt sich, dass die Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern tendenziell besser mit Eigenkapital ausgestattet sind. 22,1 Prozent der größeren Mittelständler verfügen über eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent, bei den Kleinbetrieben beträgt der Anteil solide finanzierter Unternehmen 19,6 Prozent. Andererseits sind 36,7 Prozent der kleineren Mittelständler unterkapitalisiert, aber nur 31,4 der Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten.
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