Meinung

Erstes Jahr nach der Fusion ist problemlos verlaufen

Positives Fazit des Obermeisters der Großinnung Meißen


Vor einem Jahre schlossen sich die Bäckerinnungen Riesa-Großenhain/Döbeln und Meißen zur neuen Bäckerinnung Meißen zusammen. Damit kamen sie der Kreisreform im Freistaat Sachsen zuvor, die am 1. August 2008 in Kraft getreten ist. Zum Obermeister der Großinnung Meißen wählten die Mitglieder mehrheitlich Peter Liebe, der die Meißner Amtskette auch vor der Fusion getragen hatte. Die ABZ sprach mit ihm über seine Erfahrungen nach seinem ersten Jahr im neuen Ehrenamt.

ABZ: Im Bereich des LIV Saxonia tun sich viele Innungen noch schwer mit Zusammenschlüssen. Was haben die Bäcker der früheren Innungen Riesa-Großenhain/Döbeln und Meißen besser gemacht als die in anderen Teilen Sachsens?

Peter Liebe: Ob jemand etwas besser oder schlechter macht, darüber maße ich mir kein Urteil an. Fest steht, dass wir die Fusion nicht übers Knie gebrochen haben. Als Bäcker arbeiten wir schon seit vielen Jahren über Kreisgrenzen hinweg zusammen, so z. B. bei gemeinsamen Freisprechungen. Im Vorfeld des Zusammenschlusses gab es zwischen meinem Obermeisterkollegen Matthias Brade und mir zahlreiche Besprechungen, außerdem haben wir wechselseitig Innungsveranstaltungen besucht. Unser erklärtes Ziel war es, die jeweils andere Seite und ihre Befindlichkeiten kennen zu lernen und mögliche Reibungspunkte frühzeitig aufzuspüren.

Gab es nach dem Zusammenschluss unerfreuliche Überraschungen?

Liebe: Nein. Das zurückliegende Jahr ist wirklich problemlos verlaufen. Beide Seiten haben vor der Fusion mit offenen Karten gespielt und keine „Leichen im Keller“ versteckt. Von Vorteil war zudem, dass es sich um den Zusammenschluss zweier wirtschaftlich gesunder Innungen mit nahezu gleichen Beitragssätzen und Vermögenswerten gehandelt hat. So sind uns viele denkbare Probleme erspart geblieben. Bei sehr ungleichen Partnern kann es, wie Schwierigkeiten in anderen Innungen zeigen, durchaus problematisch sein, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Da hilft es auch nicht, wenn in einer Innung vor der Fusion Geld verjubelt wird, um es nicht in den gemeinsamen Haushalt einbringen zu müssen.

Landesobermeister Michael Wippler spricht in punkto Fusionen immer davon, dass diese nicht zum Verlust von Mitgliedern führen dürfen. Konnte diese Forderung in Ihrem Fall erfüllt werden?

Liebe: Wir hatten vor einem Jahr 71 Mitglieder, heute sind es 68. Die drei fehlenden Betriebe haben wir leider durch Insolvenz verloren. Aber Austritte waren und sind kein Thema.

Im Zusammenhang mit Innungsfusionen ist häufig die Rede von Problemen durch die wachsende Größe des Einzugsgebietes. Wie ist das in der Bäckerinnung Meißen?

Liebe: Wenn das von der Innung abgedeckte Territorium wächst, müssen die Wege zwangsläufig länger werden. Dass das so ist, weiß ich am besten. Schließlich überbringe ich bei runden Meistergeburtstagen und Betriebsjubiläen die Glückwünsche der Innung. Aber die Entfernung ist nicht das entscheidende Kriterium dafür, ob ein Meister an einer Innungsversammlung teilnimmt oder nicht. Wenn er die Innung als die seine empfindet und weiß, dass in der Versammlung interessante Themen angesprochen werden, kommt er. Sind die Veranstaltungen Zeitverschwendung, bleiben die Plätze leer. Durch den Auftritt von fachlich guten Referenten bei den Versammlungen haben wir erreicht, dass das Interesse der Mitglieder deutlich zunimmt. An Themen herrscht kein Mangel: BG, Verpackung, Salz – das bewegt die Meister und das muss sich auch in der Innung widerspiegeln. Wichtig ist auch, dass das Innungsleben vor Ort nach der Fusion weitergeht und dass sich die Meister nicht „abgekoppelt“ vorkommen. Innungsarbeit darf nicht auf zwei Versammlungen im Jahr reduziert werden.

Was würden Sie, rückblickend, anders machen?

Liebe: Die eigentliche Fusion ist optimal gelaufen. Aber der Zeitpunkt war viel zu spät. Wir hätten uns schon 1994, bei der ersten Gebietsreform im Freistaat Sachsen, zusammenschließen sollen. Dann wären wir heute ein gutes Stück weiter. (ad)


Artikel vom 22.04.2009
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