INTERVIEW der woche
Energiepflanzen kontra Bio-Lebensmittel
ABZ: Die Politik will die Landwirte zu Energiewirten machen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Peter Geldner: Ziel der politischen Bestrebungen ist es, dass die Abhängigkeit von ausländischer Energie mithilfe der Landwirtschaft minimiert werden soll. Im ersten Moment hält man dies für eine vernünftige Entscheidung.
Mit dem Energieeinsparungsgesetz und den damit verbundenen finanziellen Absicherungen will man die Landwirte zu Energiewirten umerziehen. Man glaubt, dass dies die ideale Lösung ist, wenn die heimische Energieerzeugung so ausgebaut wird.
Biogasanlagen und Ethanolanlagen schießen wie Pilze aus dem Boden und die Umstrukturierung der Landwirtschaft schreitet so rasant voran, dass die Lebensmittelproduzenten immer lauter Alarm schreien. Ihnen drohen schlichtweg die Rohstoffe auszugehen.
ABZ: Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen scheint doch was Natürliches zu sein – so nimmt es zumindest der Großteil der Bevölkerung wahr. Ist es nicht so?
Peter Geldner: So wie es sich im Moment abzeichnet, ist die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen sicherlich nicht positiv für die Umwelt. Unter konventionellen Bedingungen werden die von der Landwirtschaft ausgehenden umwelt- und gesundheitsschädigenden Wirkungen durch Monokulturen zunehmen. Es wird überhöht gedüngt und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Gleichzeitig zeichnet sich eine drastische Zunahme von gentechnisch veränderten Organismen ab.
Der Nestle-Chef bezeichnet dieses Vorgehen als ökologischen Wahnsinn. Dies macht er mit einem Beispiel vorstellbar: Für die Erzeugung von einem Liter Ethanol werden 4560 Liter Wasser benötigt. Trinkwasser ist weltweit ein immer knapper werdendes Lebensmittel.
So etwas kann nicht die Lösung für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder sein. Sicherlich wäre der Anbau nachwachsender Rohstoffe unter Bio-Bedingungen die bessere Lösung. Dies ist aber gegenwärtig kaum ein Thema.
ABZ: Lebensmittel und Futtermittelpflanzen teilen sich die vorhandenen Flächen mit Energiepflanzen. Wie wirkt sich dies auf den Markt aus?
Peter Geldner: Klar ist, dass die vorhandene Fläche kaum mehr vermehrbar ist. Dies bedeutet, dass die Landwirte das anpflanzen, was den besten Ertrag bringt. Die Erzeugung von Energiepflanzen wird staatlich subventioniert, ist somit äußerst lukrativ und wird daher von den Landwirten immer mehr genutzt.
Die konventionelle Landwirtschaft erzielt so bessere Deckungsbeiträge pro Hektar. Dies gönne ich ihr auch. In diesem Sog werden und müssen sich alle anderen landwirtschaftlichen Erzeugnisse preislich nach oben bewegen. Dies ist unabhängig davon, ob sie konventionell oder biologisch erzeugt wurden. So werden also Lebensmittel in Zukunft teurer werden. Ich hoffe auch wertiger.
ABZ: Wie wird sich dies bei Getreide auswirken? Was muss dann der Bäcker für sein Mehl zahlen?
Peter Geldner: Die Ethanolhersteller können angeblich einen Getreidepreis von bis zu 20 Euro per 100 kg in ihrer Kalkulation unterbringen. Ich halte diese Angabe, insbesondere wenn man auf den Weltmarkt für Ethanol blickt, für überzogen. Ein Getreidepreis für Energiegetreide von bis zu 12 Euro könnte durchaus realistisch sein.
Die Müllerei befindet sich bereits mit den Ethanolherstellern in einem Kampf um Roggen. Ein Roggenpreis von 8 bis 10 Euro per 100 Kilogramm, wie vor zwei Jahren üblich, gehört der Vergangenheit an. Die derzeitigen Tagespreise von 16 Euro und darüber sind allerdings im Wesentlichen von der knappen Ernte 2006 verursacht.
Legt man den Energiepreis von 12 Euro zugrunde, so glaube ich, dass man für Speisegetreide einen 20 bis 30 Prozent höheren Preis ansetzen kann. Speisegetreide bedeutet für den Landwirt einen höheren Aufwand bei geringerem Ertrag.
Sie bauen also nur an, wenn die Preise stimmen. Man müsste ihnen 25 Prozent mehr bieten, also 15 Euro per 100 Kilogramm. Dies wird natürlich auch an die Bäcker weiter gegeben werden müssen. Nur so können wir den Bedarf sichern.
Im Bio-Bereich vergleichen wir hausintern die Preisdifferenz zwischen konventionellem und biologischem Getreide. Wir sehen hier, dass das biologische Getreide immer in etwa um den Faktor 2 bis 2,5 teurer als das konventionelle Getreide ist. Also wird auch dieses teurer werden.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei einem Bio-Getreidepreis, der mindestens doppelt so hoch wie der von konventionellem Getreide ist, Landwirte auch aus wirtschaftlichen Gründen bereit sind, ihren Betrieb auf „Bio“ umzustellen. Nur so kann das steigende Interesse der Verbraucher an Bio bedient werden. (pf)
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