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Ein Stich ins Wespennest

ZDH-Präsident Kentzler und sein Plan Krankheit/Urlaub


Stuttgart (hk). Der Vorstoß von Handwerkspräsident Otto Kentzler in Richtung auf eine Anrechnung von Krankheitstagen auf den Urlaub hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen, die von Zustimmung beim Einzelhandelsverband, über vorsichtiges positives Taktieren bei anderen Wirtschaftsverbänden bis hin zu Ablehnung bei Union und FDP und heftiger Gegenwehr bei Rot-Grün und Gewerkschaften reichten.

Am Anfang stand ein Interview im Nachrichtenmagazin Focus, über das am Wochenende eine Vorabmeldung verbreitet wurde. Darin hatte Kentzler die Forderung erhoben, Kranke sollte Urlaubstage opfern. Sei ein Arbeitnehmer lange kranke, müsse er „seine volle Arbeitskraft wieder der Firma zur Verfügung stellen, damit das wieder aufgeholt werden kann, damit dann auch Urlaub wieder bezahlbar wird.“

Das sei ein absolutes Muss. Eine Anrechnung auf ein Arbeitszeitkonto könne alternativ möglich sein. An eine Anrechnung im Verhältnis eins zu eins sei jedoch nicht gedacht.

In Interviews mit dem ZDF und der FAZ beharrte Kentzler dann zu Beginn der Woche auf seiner Forderung. Er sagte, er wolle weder Lohnfortzahlung noch den Mindesturlaub angreifen. Fehlzeiten könnten auch über Ausgleichskonten mit Überstunden verrechnet werden.

Manteltarif der Konditoren

Kentzler wies darauf hin, im bayerischen Manteltarifvertrag für Konditoren sei bereits vorgesehen, für je 5 Krankheitstage einen Urlaubstag zu streichen (maximaler Urlaubsverlust von 3 Tagen Urlaub pro Jahr).

Auch der Einzelhandel fordert Änderungen an den Urlaubsregelungen. Sonderurlaube sollten beispielsweise komplett gestrichen werden. Zusätzliche Urlaubstage für Hochzeit, Beerdigungen oder Umzüge seien ein Luxus, den sich die Wirtschaft nicht mehr leisten könne.

Präsident Braun vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag erklärte zunächst, angesichts hoher Arbeitskosten und vergleichsweise kurzer Jahresarbeitszeit führe an Mehrarbeit ohne Lohnausgleich kein Weg vorbei. Dann zum akuten Thema: „Urlaubs- und Sonderurlaubstage sind dabei eine Option neben längerer Wochen- und Lebensarbeitszeiten.“ Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, die die Unternehmen mit 30 Milliarden Euro im Jahr belaste, gehöre überprüft.

Reaktionen aus Politik und

Gewerkschaften

Union und FDP wehrten sich dagegen, Fehlzeiten wegen Krankheit und Urlaub miteinander zu verflechten. Von der FDP hieß es, Krankheit sei Krankheit und Urlaub bleibe Urlaub. Wenn die Arbeitgeber weniger Urlaub vereinbaren wollten, sollten sie das offen sagen und nicht in die Trickkiste greifen. Der SPD-Politiker Eichel meinte, irgendwo sei Schluss mit solchem Sozialabbau. Die Grünen wiesen darauf hin, dass Ferien dem Auftanken von Kräften und der gemeinsamen Zeit mit der Familie dienten. Wer krank sei, sei nicht im Urlaub.

Die Gewerkschaften vertraten die Ansicht, hinter solchen Vorstößen stecke die Absicht, die Arbeitszeiten zu verlängern. Der Urlaub sei nicht zum Auskurieren von Krankheiten gedacht.


Artikel vom 22.06.2005
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