Aktuell
Discountbäcker auf dem Vormarsch
Allein die neun größten Discountketten für Backwaren bringen es zum Jahresende auf 323 Standorte

Filiale von „Baking Friends“ in der Innenstadt von Rheine/Westfalen. Bei der Einrichtung ihrer Geschäfte wird die Branche inzwischen hochwertiger. Hierzu tragen auch spezielle Konzepte nahezu aller großen Ladenbauer bei.
Die großen Player
Die großen fünf der Branche sind Marktführer „Backwerk“ mit aktuell 84 Standorten, gefolgt von der Harry-Tochter „Backfactory“ mit 79 Standorten. Die Nummer drei (44 Standorte) ist das „Mr. Baker“-Konzept von DEH (Doris Entrup-Haselbach). Das besondere des drittplatzierten Konzeptes ist: Hinter DEH steht der Teiglingsfabrikant, der nahezu die gesamte Discountbäckerei mit Produkten aus seinen Werken in Heiden (NRW) und Nagyatad (Ungarn) mit Backwaren versorgt. Die Kundenliste von DEH entspricht dabei ziemlich genau der Zahl der Discountbäcker in Deutschland. Die beiden größten Discounter operieren inzwischen bundesweit. „Mr. Baker“ beschränkt sich bisher auf die Regionen NRW und Südwest. Die Nummer vier im Markt firmiert unter „Baking Friends“ und gehört zur Bäckerei Wilhelm Middelberg aus Glandorf mit 33 Outlets. Middelberg fährt zweigleisig, neben der Discountschiene betreibt er auch eine konventionelle Filialbäckerei. Sein Verbreitungsgebiet liegt im nördlichen NRW und im südlichen Niedersachsen. Die Nummer fünf bringt es immerhin noch auf 31 Filialen und firmiert unter dem Label „Billy Back“. Dahinter verbirgt sich die Bäckerei Brinker, Herne. Das Verbreitungsgebiet liegt überwiegend in NRW.
Wachstumsbranche
Während sich Branchenprimus „Backwerk“ in nur einem Jahr zahlenmäßig bei den Filialen verdoppeln konnte, wächst der Rest langsamer und hat zudem auch nahezu ausnahmslos auch Tote im Sinne von Standortschließungen auf dem Weg zum Discountolymp zu beklagen. Selbst die „Backfaktory“ von Harry schloss drei Standorte in 2005, „Mr. Baker“ (DEH) musste viermal den Schlüssel für immer umdrehen. Dennoch wachsen die Billigbäcker weiter. Roland Berger dürfte am Ende mit seiner Prognose von 2000 Standorten recht behalten. Allerdings werden diese dann zu einem Drittel bis zur Hälfte wohl von den großen Playern der Branche besetzt sein. Die besten Karten haben dabei die, deren Konzept auch für die Franchisenehmer am erfolgversprechendsten ist.
Ein gutes und faires Konzept rechnet mit Jahresumsätzen von 500.000 Euro pro Standort. Die sind auch nötig, wenn der Franchisenehmer – wie in der Werbung versprochen – Umsatzrenditen von satten 10 Prozent und damit ein Einkommen von bis zu 5000Euro im Monat erzielen soll.
Es funktioniert bei den Großen offensichtlich recht gut. Andere hatten wohl kein so gutes Konzept und sind inzwischen vom Markt verschwunden. Vor allem regionale oder gar lokale Billigkonzepte, die sich zudem noch in Randlagen und nicht in den Hochfrequenzlagen tummeln, schließen oft genau so schnell wie sie aufgesperrt haben. Nicht selten wird die Chance „Discount“ dann zur Kostenfalle für den Betrieb. Vor allem dann, wenn ein Bäcker schon finanziell angeschlagen ist, stellt der Einstieg in den Discountbereich kaum eine Lösung für den Betrieb dar. Alle Analysten, sowohl von Seiten der Verbände als auch von Seiten unabhängiger Betriebsberater, warnen dringend davor, in den Preiskampf einzusteigen.
Preisanpassungsbremse
Eines hat der Discount im Backwarenbereich zusammen mit den „In-Store“-Backstuben in den Supermärkten auf jeden Fall geschafft: Für Standardprodukte ist der Spielraum für Preiserhöhungen nicht nur gering, sondern schlicht nicht vorhanden. Für den Brotbereich gehen Untersuchungen der ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtstelle) sogar von sinkenden bzw. schon gesunkenen Preisen für Brot sowohl bei der Regalware als auch beim Bäckerbrot aus.
(siehe Interview und Tabelle auf S. 3)
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