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Dioxin gelangte in Lebensmittelkette

Behörden geben aber Entwarnung für Verbraucher: Nur „geringe“ Mengen in Endprodukten enthalten


Stuttgart (wkr). Nachdem bekannt wurde, dass über die Schweizer Firma Unipektin mit Pentachlorphenol (PCP) und Dioxin belastetes Guarkernmehl (E 412) der indischen Firma India Glycol Ltd. in Lebensmittel gelangt ist, wurden über das europäische Frühwarnsystem auch die deutschen Überwachungsbehörden informiert.

Nach ersten Ermittlungen bestätigte sich in Rheinland Pfalz bei zwei Lebensmittelherstellern, verunreinigtes Guarkernmehl der Schweizer Firma erhalten und in einem der Fälle auch 1600 kg verarbeitet zu haben.

Es wird zur Zeit noch geprüft, ob und in wieweit die hergestellten Zwischenprodukte belastet seien. Der zweite Betrieb konnte etwa die Hälfte der erhaltenen Charge von 1500 kg zurückhalten, allerdings wurden 190 kg an Kleinabnehmer ausgeliefert und wieder zurückgerufen, sofern die Ware noch nicht verarbeitet und verkauft war, so das rheinland-pfälzische Verbraucherministerium.

Gegenwärtig liegen dem Landesuntersuchungsamt 17 Proben vor; zunächst keine Endprodukte, sondern „Lebensmittelvormischungen“ wie Backmischungen, Speisebindemittel oder Geschmackszubereitungen für Eis.

Nach den gefundenen Importen in Rheinland Pfalz meldeten auch die zuständigen Länderbehörden aus Brandenburg (mindestens 100 Tonnen), Hessen und Baden Württemberg, dass verseuchtes Guarkernmehl und auch Guarkernmehl in Produkten zur Lebensmittelherstellung (z. B. Fruchtzubereitungen) gefunden wurde.

In Hessen wurde bereits am 1. August kontaminierter Joghurt, hergestellt in Frankreich, aus dem Handel zurückgerufen. Nach weiteren möglichen Verunreinigungen wird intensiv gesucht. Fünf Tonnen des dioxinverseuchten Guarkernmehls konnte eine hessische Firma zurückhalten, belieferte aber Abnehmer in Bremen, Niederlande, Belgien, Österreich und Luxemburg mit insgesamt 240 Tonnen. „Die Untersuchungen, ob belastetes Guarkernmehl in Endprodukten vorkommt, laufen derzeit. Ergebnisse liegen derzeit noch nicht vor“, heißt es in der Pressemitteilung des hessischen Verbraucherministeriums.

50 Tonnen Guarkernmehl rief eine Firma aus Nauen (Brandenburg) erfolgreich zurück, das brandenburgische Ministerium überwacht nun die Rückführung in die Schweiz. In Baden-Württemberg gab Ernährungsminister Peter Hauk Entwarnung, es bestehe keine Gesundheitsgefahr, auch wenn die zugelassenen Höchstmengen von PCP deutlich überschritten werden: Die ersten Untersuchungsergebnisse der Ämter Stuttgart und Freiburg bestätigen die Ergebnisse Unipektins: In sieben von neun Proben lagen die PCP-Gehalte zwischen 2,13 und 33,4 Milligramm pro Kilogramm. Der Dioxingehalt des Guarkernmehls lag zwischen elf und 438 Nanogramm pro Kilogramm. Bei sichergestellten Funden in Hessen wurden sogar 80 Milligramm PCP festgestellt. Die gesetzliche Höchstmenge liegt bei 0,01 Milligramm.

Durch das schnelle Eingreifen der Behörden konnten nahezu alle gelieferten Chargen lückenlos zurückverfolgt werden. Das Bundesverbraucherministerium (BMELV) geht davon aus, „dass keine weiteren Chargen mit belasteten Lebensmitteln mehr im Verkehr sind“, so Ministeriums Sprecherin Ursula Huber gegenüber dem Tagesspiegel. Während in Ungarn die Meldungen über mit Dioxin verunreinigtes Guarkernmehl hohe Wellen schlugen, bemühen sich die deutschen Behörden um sachliche Aufklärung. „Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat festgestellt, dass keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher besteht, weil Guarkernmehl nur in sehr geringen Mengen in Lebensmitteln eingesetzt wird, teilte das Bundesverbraucherministerium mit.


Artikel vom 16.08.2007
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