Trends & Märkte

Die sechs wichtigsten Konsumenten-Trends

Neue Konsumentenbedürfnisse, wie die Sehnsucht nach Unterstützung, Entspannung, Gemeinsinn und Nevolution prägen den Einkauf


Kelkheim (p). Die Frage, wie Verbraucher wieder dazu gebracht werden können, Geld auszugeben, ist derzeit in aller Munde.

Doch wer nach Antworten sucht, muss sich zunächst mit der Tatsache abfinden, dass der Markt nie wieder so übersichtlich und fassbar sein wird, wie er es noch Mitte und Ende des 20. Jahrhunderts war: Überfülle, Über-Knowhow, Überlastung und Überreaktionen bestimmen derzeit das Verbraucherverhalten. Neue Konsumentenbedürfnisse, wie die Sehnsucht nach Unterstützung, Entspannung, Gemeinsinn und Nevolution, prägen die Konsumententrends von morgen. Konsum avanciert zu Hyper Consumption und verändert dadurch auf langfristige Perspektive die Märkte.

In der „Hyper Consuming 2010“-Studie des Zukunftsinstituts (siehe auch Auszüge auf dieser Seite) haben die beiden Autoren Andreas Steinle und Thomas Huber die 15 wichtigsten Konsumententrends der nächsten fünf bis zehn Jahre definiert. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle sechs der wichtigsten Konsumententrends präsentieren, die in Zukunft für Ihr Business entscheidend sein werden:

1. Cool Convenience:

Fast Good und Chilled Food

Der Faktor Bequemlichkeit bekommt in Zeiten, in denen Mobilität und Flexibilisierung omnipräsent sind, einen immer höheren Stellenwert. Speziell in der Lebensmittelbranche sind On-the-run, Out-of-home und Ready-to eat schon jetzt aus dem Nahrungsmittelsektor nicht mehr wegzudenkende Angebote.

Und obwohl es bei Tiefkühlpizzen 2004 ein ungebremstes Wachstum von mehr als 10 % gab, ist insbesondere der Markt an Frische-Convenience die Branche der Zukunft: Während der Chilled Food Anteil am Sortiment heute rund 3 % ausmacht, schätzen Einzelhändler, laut CMA, dass er in drei Jahren auf bereits 10 % angewachsen sein wird. Denn statt Fast Food verlangen Konsumenten immer stärker Fast Good.

Produkte: Der Außer-Haus-Markt beginnt sich mit Suppenbars, Sushi-Circles und Veggie-Diners langsam, aber sicher sich auf diesen Trend einzustellen – die Industrie reagiert mit „Reinheitsgebot“ (www.frosta.de), Schon-Gar-Prinzip (www.erasco.de) und „Gemüse satt“ (www.knorr.de).

2. Neo Nature:

Urban Gardening

Einst dienten sie der Subsistenzwirtschaft, dann waren sie der Inbegriff des spießigen Kleinbürgertums – derzeit feiern die Schrebergärten ein hippes Comeback. Es ist der Wunsch nach Entschleunigung und Entspannung, der die jungen, besser verdienenden Städter in die Kleingartenkolonien treibt. Verbunden mit einer Revolution der Lauben und Parzellen: Neue Architektur und eine subversive

Auslegung der Gesetze unterscheiden die Neo Natures von den Laubenpiepern. Anders als früher möchten die neuen Naturschwärmer nicht mehr mühevoll auf ein Häuschen im Grünen sparen, sondern bevorzugen das schnell ermöglichte Paradies vor der Haustür.

Produkte: Neben Gärten, Terrassen und Balkonen boomen grüne Urlaubsangebote, wie Regenwald-Resorts

(www.salvefloresta.de) oder Natur auf dem Teller. Wildkräuter und vergessene Gemüse haben Hochkonjunktur, Ananassalbei und Zitronenthymian verzieren jede Fensterbank.

3. Creative Consumption: Kreative Angebote für kreative Köpfe

Mit dem Transformationsprozess hin zur Wissensgesellschaft entwickeln sich auch neue Gesellschaftsschichten,

beispielsweise die der Kreativen Klasse. Die Rede ist von dem Heer der Entwickler, Designer, Werber, Coaches, Berater, Texter und Grafiker, die meist autonom an zeitlich begrenzten Projekten arbeiten. Eine Lebens- und Arbeitspraxis, die sich nach und nach auch auf andere Berufsgruppen überträgt und veränderte Bedürfnisse mit sich bringt. Eine Vielzahl von Dienstleistungen, etwa kostenlose Girokonten bei einem monatlich garantierten Geldeingang oder ortsgebundene Angebote, ist für diese Berufsgruppe nicht attraktiv.

Produkte: Die Kreative Klasse verlangt nach flexiblen Services, wie etwa der weltweiten Nutzung von FitnessStudios (www.fitcom.de) oder Sprachkursen (www.wall streetinstitute.de), sowie nach besonderen Finanz- und Business-Dienstleistungen, beispielsweise variable Sparpläne oder Versicherungen fürs geistige Eigentum.

4. Downshifting:

Das Prinzip der Schlichtheit

„Less is more“ löst die „More for less“-Mentalität ab: Nach dem Überfluss der letzten Jahrzehnte und der Überfülle, die uns die „Geiz ist geil“-Welle in Haus und Keller geschwemmt hat, ist ein Trend zur Einfachheit, zur Reduziertheit und zum Purismus erkennbar. Nicht mehr All-Inclusive und möglichst viele Features sind angesagt, sondern die Überschaubarkeit und die eigentliche Funktion von Produkten werden gewünscht. Gerade beim Wohn-Design ist dieser Trend bereits seit längerem erkennbar: Bei der japanischen Muji-Kette gilt das Prinzip der Schlichtheit, Produkte werden nur an ihrer Funktionalität gemessen. Das Highlight sind CDBoxen aus Pappe zum Selberbauen.

Produkte: Mobilfunkanbieter, die ihren Schwerpunkt nicht auf die neuesten Designer-Handys, sondern auf einen Rund-um-die-Uhr-Tarif legen (www.simyo.de), oder Kreuzfahrtgesellschaften, die auf Captain’s Dinner und Edel-Ambiene verzichten, dafür flexible Zu- und Aussteigmöglichkeiten anbieten und ihre Kabinen minimalistisch einrichten (www.easycruise.com).

5. Female Shift:

Weiblicher Konsum

Wenn mittlerweile selbst die christlich-konservative Partei eine Kanzlerkandidatin ins Rennen schickt, dürfte eines belegt sein: Frauen sind einfach in. Doch Frauen erobern sich nicht nur langsam die letzten Nischen im Arbeitsleben, sondern nehmen auch auf dem Gebiet der Konsumentscheidungen immer mehr das Zepter in die Hand. So ist die finanzielle Unabhängigkeit für neun von zehn Frauen das erklärte Lebensziel schlechthin – wichtiger noch als Kinder und Partner. Für Produzenten und Dienstleister eine neue Herausforderung, denn weibliche Bedürfnisse unterscheiden sich von denen der Männer – Atmosphäre,

Service und Ästhetik sind beim Kauf maßgeblich mitentscheidend. Verbunden mit dem Female Shift ist auch ein Wandel des männlichen Selbstverständnisses: Ursprünglich weiblich assoziierte Sparten wie Kosmetik oder Aussehen werden von Männern immer stärker besetzt.

Produkte: Wichtig für Frauen sind Angebote, die die LifeWork-Balance unterstützen und die Doppelbelastung

Familie und Beruf vereinfachen, wie etwa Ganztagsschulen oder flexible Kinderbetreuungsangebote.

6. Retro:

Früher war alles besser...

Mit dem Spruch „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ trifft der Versandhandel Manufactum den Retro-Trend mitten

ins Herz: Tradition, Qualität und Originalität versprechen die Produkte (www.manufactum.de) – Werte, die zwischen Discount- und Schnäppchenmärkten auf der Strecke geblieben sind. Das Geheimnis ist die Zusage der Beständigkeit, welche wir in unserem Alltag so schmerzlich vermissen: Noch nie hat sich die Welt so schnell gedreht wie derzeit. Der Blick zurück beruhigt, erzählt von klaren Strukturen, als Renten noch Sicherheit garantierten und Familien Generationen überdauerten. Produkte, die dieses Gefühl der Dauerhaftigkeit vermitteln, sind daher so erfolgreich. Ein Blick in den Keller so mancher Unternehmen, fördert mit Sicherheit noch so einige alte Rezepte zu Tage. Produkte: Auch Schiesser hat erfolgreich an alte Rezepte angeknüpft und das lange als spießig verurteilte Doppelripp wiederbelebt (www.schiesser.de).

Konsequenzen für Ihr Geschäft

„Geiz“-Parolen werden langweilig: Ein Discount-Überdruss sowie übersättigte Märkte ermöglichen eine Renaissance der Mitte jenseits der Extreme von Luxus und Discount. „Geiz ist

geil“ als Kaufmotiv wird langfristig eine geringere Rolle spielen.

Individualisierung: Einer der bedeutendsten Trends, der sich in der Konsumlandschaft entwickelt. Für Produzenten, Retailer und Dienstleister bedeutet das, ein verstärkter Fokus auf persönliche Services und situativ-angepasste Produkte mit modularen

Angeboten, Nischenprodukte, individuelle Beratung und 24 x 7-Service.

Neue Welle des Wohlfühlkonsums: Ob Kreative Klasse, Frauen oder die Neo Natures – der Wunsch nach Support, Community, Nevolution und Entspannung steht bei den neuen Konsumen ganz hoch im Kurs.


Artikel vom 05.01.2006
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