Markt & Meinung

Die dicken, dummen Deutschen


Die Deutschen sind zu dick – diese Botschaft geisterte wieder durch die Medienlandschaft und etwa zeitgleich legte die EU-Kommission einen neuen Vorschlag zur Nährwertkennzeichnung vor. Das passt gut. Viele Verbraucher seien außerdem zu dumm, heißt es, um bei einer „Mantaplatte“ und einem gemischten Salat den Beitrag zur gesunden Ernährung richtig einzuschätzen. Das mag sein, aber ich bin mir da nicht so sicher, ob es nicht eher das Lustprinzip als die Unwissenheit ist, was in den meisten Fällen zu Übergewicht führt. Egal. Nicht zuletzt jedenfalls ist auch die deutsche Diskussion um das Wohlergehen der Bevölkerung Wasser auf den Regulierungs-Mühlen der EU-Kommission. Die zwingende Kennzeichnung der Nährwerte muss her. Wegen der erwähnten Volksdummheit empfehlen viele Experten und Politiker die Kennzeichnung per Ampel, damit sofort auf den ersten Blick deutlich wird: „Pommes-Mayo“ sind böse, Salat ist gut. Jetzt hat EU-Kommissar Kyprianou die Ampel aber abgelehnt, denn „dann hätten wir den Europäern gleich ein Tagesmenü vorgeben können“, hieß die Begründung. Wieso denn nicht? Die Zeit ist eigentlich reif, uns Deutschen ein Tagesmenü vorzuschreiben, das mit der Tagespost ins Haus gebracht wird. Vielleicht als chilled food oder besser schon gleich warm: „Essen auf Rädern für alle“. Convenience ist ja eh Trend und kochen kann von den unter 30-jährigen ja auch keiner mehr. Das überlässt man lieber den TV-Köchen und lässt sich beim Zuschauen zwei Chipstüten schmecken. Schließlich kann man ja nicht wissen, dass die dick machen. Steht ja nicht drauf. Weil sich die gleiche Klientel aber auch nicht zu schade ist, „Deutschland sucht irgendeinen Superstar“ zu gucken, gerät man ins Grübeln. Ist vielleicht doch ein großer Teil der Bevölkerung im Land der Dichter und Denker bis unter die Schmerzgrenze verdummt? Muss man das Volk per Gesetz vor seiner Dummheit schützen? Was passiert, wenn einer die Nährwertangaben nicht verstehen kann? Dann bleibt nur noch frei nach Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ Werner Kräling



Artikel vom 07.02.2008
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