Markt & Meinung
Die Wissenschaft hat festgestellt

Der „gesunde Menschenverstand“, nomen est omen, hat sich wohl endgültig aus unserer Informationsgesellschaft verabschiedet: Ampeln oder ausführliche Nährwertangaben auf Verpackungen sollen uns sagen, dass wir besser 100 Gramm Vollkornbrot als ein Pfund Pralinen zum Frühstück essen sollten. Ich jedenfalls wäre nie drauf gekommen. Die „hilfreiche“ Ampel steht noch in der politischen Diskussionsschleife, jetzt greifen erst einmal die „health claims“. Die Werbung mit gesundheitsbezogenen Angaben ist generell verboten. – Zunächst. „Vollkornbrot, reich an Ballaststoffen“, wird künftig nicht ohne weiteres das Brotregal zieren. Nicht ohne wissenschaftliche Studie, die das Allgemeinwissen zweifelsfrei belegt. „Vollkornbrot ist gesund“, aber erst, wenn es in die Positivliste der europäischen Kontrollbehörde aufgenommen ist – dann ist's nämlich amtlich. Das beruhigt. Vollkornbrot ist ja noch einfach zu „diagnostizieren“, aber was ist mit dem ganzen Functional Food, mit dem wir uns glücklich, gesund und schlank essen sollen? Morgens Diät-Käse angereichert mit Kalzium, abends Chips vorm Fernseher. Mit Fett und Acrylamid – aber lecker. Grün und Rot in Koalition oder das Studieren der Nährwertangaben, „der big eight“- das kann in Zukunft auf den Magen schlagen. Ein hoher Cholesterinspiegel sei nicht gut, hieß es – wissenschaftlich belegt, ich hab's ignoriert. Mir war mein Frühstück am Wochenende mit Ei zu Brot und Brötchen wichtiger. Heuer gibt's Entwarnung: Eier sind wohl nur halb so schlimm. Die Wissenschaft hat's festgestellt: neue Erkenntnisse aus neuen Studien. Mir hat's in den letzten Jahren unterdessen gut geschmeckt. Vielleicht gibt es demnächst auch Hinweise auf Pizzakartons: „Frei Haus gelieferte Pizzen können zu Bewegungsmangel führen“. Oder: „Mehr als sechs angelieferte Pizzen im Monat gefährden ihre Gesundheit.“ Eine Meldung bei der Krankenkasse wäre dann erforderlich. Wer doch was. Toll wären auch Warnschilder vor Konditoreien: Vorsicht, Sie betreten die Welt kulinarischer Genüsse! Wer bei Rot weiter genießt – sofort Verbraucherschein weg. Bei vier Pralinen: einen Monat Essverbot, bei Sieben über der zulässigen Pralinenmenge, muss der „Verbraucherschein“ neu erworben werden. Werner Kräling
Weitere Nachrichten aus Fokus vom 09.08.2007:
Oft schlecht informiert
Wer kauft heute noch ganze Brote?
Keine Zeit zu begrüßen?
Rechtzeitig Beratung in Anspruch nehmen
Die Deutschen im Mittelfeld
Bio: LEH steigert Marktanteil um acht Prozent
Radständer vor den Filialen
Vitalstoffe aus Weintrauben
Weitere Expansion geplant
In Lübeck über 500 Mitarbeiter
Kommentare
Aktuelle Meldungen aus Fokus