Aktuell
Die Position des Handels wird stärker
Wettbewerb um die Beschaffung von Bio-Lebensmitteln nimmt zu / Auf bewährte Lieferbeziehungen setzen

Die Experten erwarten ein anhaltendes Nachfragewachstum bei Bio-Lebensmitteln. Ob und wie sich das auf die Preise auswirkt, bleibt abzuwarten. Foto: Siebrecht
Nachdem für 2007 alle Anzeichen darauf hindeuteten, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten weiter stark stiegen, das Angebotswachstum zumindest in Deutschland jedoch hinterherhinken werde, verbessere sich die Position der Anbieter. Deshalb bleibe es aus ihrer Sicht abzuwarten, ob es zu spürbaren Engpässen im Angebot von Ökoprodukten kommt. Allerdings gebe es erste Anzeichen, dass der Wettbewerb um die Gunst der Bio-Verbraucher im Handel nicht mehr wie bei konventionellen Lebensmitteln fast ausschließlich über den Preis ausgetragen werde, sondern zunehmend über ein attraktives Sortiment ohne zeitweise Lücken.
Damit werde deutlich, welche starken Veränderungen vom Bio-Markt für den gesamten Sektor ausgingen. Nicht mehr nur Öko-Landwirte und Verarbeiter hätten ihre Produktionsweisen umstellen und neue Wege gehen müssen; inzwischen müsse vielmehr auch der Lebensmittelhandel umdenken. Das Jahr 2007 werde zeigen, wie der allgemeine Lebensmittelhandel in Deutschland diese Herausforderung annehme und wie er mit der für ihn ungewohnten Situation von Angebotsengpässen umgehe. Der Fachhandel müsse dabei aufpassen, dass er beim ungewohnten Wettbewerb um den Rohstoff Bio-Lebensmittel seinen strategischen Vorteil der langjährigen Lieferbeziehungen nicht abgebe und weitere Marktanteile verliere, warnten die beiden Bio-Experten.
Nach Angaben von Prof. Hamm und Rippin war der Bio-Lebensmittelmarkt ohne Genussmittel und Außer-Haus-Verzehr in Deutschland bereits im Jahr 2005 um mehr als 11 Prozent auf 3,9 Mrd Euro gewachsen. Im vergangenen Jahr hätten die starke Nachfrage der Verbraucher und der Wettbewerb um die Gunst des Bio-Kunden im Handel dann dazu geführt, dass dieses starke Wachstum nochmals übertroffen worden sei. Schätzungen beliefen sich auf ein Plus von 15 bis 18 Prozent beim Gesamtumsatz mit Bio-Lebensmitteln, der nunmehr 4,5 Mrd. Euro bis 4,6 Mrd. Euro betrage.
Beigetragen zu dem starken Umsatzanstieg im Jahr 2006 habe nicht nur eine große Mengenausweitung, sondern auch ein deutlicher Preisanstieg für viele Bio-Lebensmittel insbesondere im Frischebereich, betonten Prof. Hamm und Rippin. So sei es in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der starken Nachfrage und einer unterdurchschnittlich ausgefallenen Ernte verbreitet zu Angebotsengpässen gekommen. Ohne diese Angebotsengpässe bei einer Reihe von Bio-Produkten hätte das Umsatzwachstum im Jahr 2006 den Experten zufolge sogar noch deutlich größer ausfallen können. Der mit Abstand größte Umsatzzuwachs entfalle aber auf die Discounter, die sich mittlerweile mit einem umfangreicheren Bio-Sortiment präsentierten. Zweistellige Umsatzzuwächse habe es darüber hinaus im allgemeinen Lebensmitteleinzelhandel gegeben und aufgrund zahlreicher Neueröffnungen auch in den spezialisierten Bio-Supermärkten.
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