Trends & Märkte
Die Nahversorgung verschlechtert sich
Weniger Geschäfte auf dem Land / Betriebe sollen verstärkt auf „Regionales“ setzen
Berlin (rgb). Vor einer schlechten Versorgung mit Lebensmitteln in ländlichen Regionen warnt die Vorsitzende des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Edda Müller. Der Weg zum Supermarkt dauere bereits in einigen Gebieten mit dem Auto eine halbe Stunde oder mehr. Die zentrale Ansiedlung von Discountern trage aber nicht zu Nahversorgung bei, sondern setze nur die teureren Dorfläden unter Druck. Edda Müller: „Die Abwärtsentwicklung bei der Versorgung ländlicher Regionen muss gestoppt werden.“ Selbst aus vielen größeren Gemeinden seien Läden für Lebensmittel und andere Alltagswaren verschwunden. Bis zu acht Mio. Menschen seien bundesweit „unterversorgt“. Als unterversorgt gilt, wer kein Geschäft im Umkreis von einem Kilometer vorfindet. Die Lage verschärfe sich weiter, wobei der Wandel im Handel zum sozialen Problem werde. Vor allem für Ältere, Menschen mit Behinderungen oder kleinem Einkommen heiße es immer öfter: „Wer nicht fahren kann, hat Pech.”
In den vergangenen 40 Jahren sank die Zahl der Lebensmittelgeschäfte bundesweit von einst 160.000 auf nur noch 60.000, wie es in einer Studie des Berliner Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung heißt. Damit die Kaufkraft der Kundschaft stimmt und sich die Kosten rechnen, lautet die Vorgabe vieler Ketten: Mindestens 700 Quadratmeter Ladenfläche, mindestens 6000 Einwohner im Einzugsgebiet. Wurde vor 20 Jahren jeder zweite Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt, ist es jetzt nur noch jeder dritte. Lapidar erklärt hierzu der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE): „Die Kunden im Ort entscheiden, ob ein Geschäft ein Auskommen hat.” Der HDE sieht aber die Versorgung des ländlichen Raumes nicht in Gefahr. Wo Läden geschlossen werden, kämen mehr und mehr mobile Verkäufer in die Siedlungen, zum Beispiel mit Lastwagen als Minimärkten auf Rädern.
Dem vzbv reicht das nicht aus und er empfiehlt, für den Wettbewerb mit der Massenware der Discounter auf regionale Produkte zu setzen und dafür werben. Die vzbv begrüßte es, dass die Deutsche Post ankündigte, für einen Test im Herbst 300 neue Kleinfilialen auf dem Land einzurichten. Für Briefmarken oder Überweisungen an einem Sparkassenschalter lassen sich Kunden auch in Dorfläden locken. Der Einzelhandel biete sich für solche Partnerschaften gut an, so der HDE.
Weitere Nachrichten aus Fokus vom 11.08.2005:
Tiefgekühltes weiter im Trend
Pro-Kopf-Verbrauch auf „Rekordhoch“
Werbung für mehr Lehrstellen
Mehr Durst auf Saft und Wasser
Kein Wachstumsmotor
Weniger Betriebs-insolvenzen
EU-Länder hinken dem Zeitplan hinterher
Bananen in EU wohl zu teuer
Auf ein sinnvolles Snacksortiment setzen
Fußballweltmeisterschaft

RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"