Meinung
Die Landesinnung bietet eindeutig Synergieeffekte
LIM Schaefer zur Strukturveränderung im saarländischen Verband
Roland Schaefer ist seit 11 Jahren Landesinnungsmeister des Bäckerinnungsverbands Saarland, mit 218 Mitgliedern einer der kleineren Verbände in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden die vier verbliebenen Innungen zur ersten Landesinnung der Branche vereint. Ein Schritt, der sich durch die kurzen Wege und die besonderen Strukturen im Saarland angeboten hat. Anlässlich der ersten Mitgliederversammlung der ersten Landesinnung des deutschen Bäckerhandwerks (siehe Bericht Seite 10) sprachen wir mit Roland Schaefer über die Aufgaben der Berufsorganisation und die Chancen von größeren Einheiten.
ABZ: Was sind die Vorteile einer Landesinnung?
Roland Schaefer: Ich sehe eindeutige Synergieeffekte in organisatorischer, kommunikativer und finanzieller Hinsicht. Wir haben jetzt nur noch einen Vorstand und die Zahl der Versammlungen reduziert. Dadurch können wir auf direkterem Weg agieren und erhöhen die Effizienz. Das wiederum gibt Geschäftsführung und Ehrenamt Freiräume, um wesentliche Aufgaben mit mehr Nachdruck angehen zu können. Bei der Bildung der Landesinnung kamen uns natürlich die kurzen Wege und übersichtlichen Strukturen im Saarland entgegen, die durch das Fehlen der Kreishandwerkerschaften, einer Zweisäulenorganisation geprägt sind. So gesehen war es ein konsequenter Schritt, als letztes Gewerk im Saarland eine Landsinnung zu bilden.
Zur ersten Mitgliederversammlung der neuen Landesinnung sind zu wenige Mitglieder gekommen. Woran lag's?
Schaefer: Das ist schwer zu sagen. Tatsache ist, dass auch die Beteiligung bei den bisherigen Innungsversammlungen zu gering war. Ich denke nicht, dass es an den teils längeren Anfahrtswegen lag. Vielleicht ist es einfach noch nicht bei allen angekommen, dass auf der Mitgliederversammlung alle Mitglieder gefragt sind und dass man auf einer Mitgliederversammlung auch etwas für den betrieblichen Alltag mitnehmen kann.
Wie kann man das Interesse der Mitglieder an der berufsständischen Arbeit und hinsichtlich einer Versammlungsbeteiligung stärker wecken?
Schaefer: Diesbezüglich sind wir in der Pflicht, die neuen Strukturen auch mit Leben zu füllen. Das heißt, dass wir die Kollegen noch besser über unsere Aktivitäten informieren und die Attraktivität der Veranstaltung weiter erhöhen müssen. Mit dem Auftritt von hochkarätigen Referenten, die über aktuelle Themen informieren und fachliche Impulse bieten sind wir eigentlich auf dem richtigen Weg. Das wollen wir im Sinne eines Fortbildungsangebots im Rahmen der Versammlungen stärker kultivieren. Denkbar ist, mit der Mitgliederversammlung abwechselnd in die einzelnen Regionen zu gehen und damit eine Betriebsbesichtigung bei Kollegen zu verbinden. Überhaupt ist es wichtig, dass die bewährten regionalen Veranstaltungen von den betreffenden Kollegen weiter gepflegt werden, um auch den lokalen und regionalen Gegebenheiten gerecht zu werden.
Was sind die Arbeitschwerpunkte der Verbandsarbeit einer Landesinnung?
Schaefer: Die Aus- und Weiterbildung ist momentan ein vordringliches Thema. Hier müssen wir alles dransetzen, um jungen Menschen ein modernes Bild des Bäckerhandwerks zu vermitteln und attraktive Arbeitsplätze zu bieten. Zum Beispiel geht es auch darum, flexible Jobs einzurichten und dem Dienstleistungsaspekt des Lebensmittelhandwerks gerecht zu werden. Ich denke da speziell an das Geschäft rund um das gastronomische Angebot. Das muss sich dann auch in der Ausbildung niederschlagen. Diesbezüglich werden wir die Weiterbildung forcieren und entsprechend investieren.
Wie geht es weiter? Ist schon an größere Einheiten gedacht?
Schaefer: Die nächsten 3 bis 5 Jahre ist das sicher kein Thema. Aber wenn der Abschmelzungsprozess weiter geht, wird eine Kooperation oder Fusion mit anderen Verbänden immer interessanter – vielleicht sogar notwendig, um seitens des Verbandes adäquate Dienstleistung im Sinne der Unternehmen bieten zu können. (wo)
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