Trends & Märkte
Die Esskultur wandelt sich weiter
Champagner an Würstchenbude: Anderen einen Hauch von Kultiviertheit suggerieren
Bonn (rgb). Einen erheblichen Wandel im Essverhalten stellt der Infodienst der aid fest. Besonders geprägt ist dieser Wandel von einem angeblichen Zeitmangel, dem zwar durch die Fast-Food-Industrie und auch dem Snackbereich Abhilfe versprochen wird, aber auch dem üblichen Fast-Food-User ist angesichts seines Essverhaltens nicht wohl. Es wird zu schnell und zu viel gegessen, sagt die innere Stimme des rasenden Essers. Das Motto „Hauptsache, man ist satt“ befriedigt nicht, denn es fehlt der „Wohlfühleffekt“. Zudem wird dieses Essen häufig auch als eintönig empfunden. Dagegen steht die Sehnsucht nach feinen, schmackhaften, gut bekömmlichen Gerichten mit einem hohem Gesundheitswert – genossen in gemütlicher Umgebung an einem aufwändig gedeckten Tisch. Im Zuge dieses täglichen Ringens mit dem Gewissen zwischen Wunsch und Möglichkeit bieten Lebensmittelhersteller gegenwärtig eine Produktpalette an, die Fast Food mit der „Haute Cuisine“ vereinen soll. Neben Tiefkühlpizza haben Gerichte wie „Ente a la Orange“ ihre Plätze in den Supermarktregalen eingenommen und erfreuen sich großer Beliebtheit. Diese Fertigprodukte besitzen Luxuscharakter und geben selbst Konsumenten mit mangelnden Kochkünsten oder überfülltem Terminplan die Chance, sich als anspruchsvolle Genießer mit Sinn für kulinarisch hochwertige Speisen zu fühlen.
Gleiches gilt für Beobachtungen, die an Imbissbuden in Berlin gemacht wurden, wo neben Pommes und Currywurst auch Champagner im Angebot ist. Dadurch wird zwar weder der Nährwert der Mahlzeit gesteigert noch der zu hohe Fettgehalt gesenkt, aber wenigstens kann man sich und anderen einen Hauch von Kultiviertheit suggerieren.
Darüber hinaus haben große Fast Food Restaurants den Zwiespalt der Verbraucher zwischen Zeitnot und gleichzeitig zunehmenden Gesundheitsbewusstsein erkannt und setzen daher immer öfter auf Salataktionen und Fruchtmischungen. Dennoch können derartige Maßnahmen kaum eine Lösung des eigentlichen Problems, nämlich den Verlust von Genuss, Geschmack und Gesundheit in Folge von Zeitmangel sein.
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