Markt & Meinung

Die Berufsorganisation als Sanierungsfall?

Podiumsdiskussion im Bäko-Haus: Situation zwingt zum schnellem Handeln


Oldenburg (lic). Das Innungs-Forum bei der Bäko Weser-Ems mit 300 Gästen (siehe auch Bericht auf Seite 15) zeigte deutlich die fatale Situation im Innungsleben des Bäckerhandwerks auf. Es geht ganz klar um die Zukunft der Innungen und die Frage, ob die Berufsorganisation ein Sanierungsfall ist. Schnelles Handeln sei nötig, so das Fazit, will man nicht schon bald vor einem Scherbenhaufen stehen.

Antwort auf die Themen, verbunden mit eigenen Ansichten und Aussichten gaben unter Moderation von Prof. Dr. Felix Osterheider (Kommunikationsberatung Kokos AG) die BIV-Geschäftsführerin Bettina Emmerich-Jüttner (Hannover) sowie Bernd Kütscher, Direktor der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks (Bundesfachschule Weinheim), Hermann Schmitz, Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümling, Josef Bünger vom Steuerbüro Voss, Bünger & Partner in Oldenburg und Dietmar Baalk, Bäckermeister aus Dörverden.

Gleich zu Beginn forderte Bettina Emmerich-Jüttner dazu auf, offener miteinander zu sprechen und die Dinge beim Namen zu nennen. „Mehr Kommunikation ist nötig unter uns allen, nur so können wir doch wirklich etwas in Gang setzen“, war ihr Argument.

Hermann Schmitz nannte 14 Innungen mit 740 Mitgliedern als Ansprechpartner, die „unsere Sprache reden“ und betonte ein doch vorhandenes enormes Leistungsspektrum, das jedes Mitglied nutzen könne. Bäckermeister Dietmark Baalk: „Ich fordere auf, die Organisationen des Bäckerhandwerks zu nutzen. Ich wünsche mir weniger Handwerkskammern, aber schon eine starke Kreishandwerkerschaft. Sieben Handwerkskammern bei uns haben wir nicht nötig.“ Man müsse global denken, es gehe nicht um Postenbesetzung, sondern um die Existenz des Bäckerhandwerks.

So müsse man die Innungen größer machen. Es sei nicht sinnvoll, Innungen mit gerade mal zehn oder zwölf Mitgliedern zu haben.

Prof. Dr. Osterheider stellte die Bäko als wichtiges Informationszentrum heraus. So sei der Bäko-Reisende alle 14 Tage bei dem Bäckermeister und könne dort alles rüberbringen, was man an Informationen benötige. Dann müsse der Bäckermeister nicht – wie jetzt – Berge von schriftlichem Material verkraften.

Akademie-Direktor Kütscher forderte weniger, dafür bessere Schulen, erklärte aber auch die Wichtigkeit der dezentralen Schulen. „Wir als Bundesfachschule sind gestärkt und orientieren uns durchaus auch an ausländischen Schulen.“ Vor Ort müsse die Lehrlingsausbildung erfolgen, zentral in Weinheim die Meisterschulung. Weinheim leiste viel an Öffentlichkeitsarbeit, so würden hier die besten des Berufsstandes präsentiert, das finde auch ein Echo in Presse und Fernsehen.

Josef Bünger vom Steuerbüro bemängelte die äußerst geringe Mitgliederpräsenz bei Innungsversammlungen. „Das ist bitter und klar ist auch, dass auf diese Weise Innungen und KWH nicht aufrecht zu halten sind. Seit 2000 besteht die Krise. Eine Lösung ist doch die gute Ausbildung, aber auch die Chance, riesengroße Events durch die Bäko zu präsentieren.“

Einzelhandelsverband macht nicht Arbeit von Innung und LIV

Die BIV-Geschäftsführerin verwies darauf, dass enge Kontakte zu den Ministerien in der Landeshauptstadt gepflegt werden. „Das ist eine unserer zentralen Aufgaben“, betonte sie, „ da hinein spielt auch die Frage, ob es in Zukunft vielleicht einen Verband für das Ernährungsgewerbe geben wird. Unser Handwerk hat noch eine starke Lobby, z. B. über die Verbandsorganisation. Das gilt es zu nutzen und auszubauen.“

Hier schaltete sich auch LIM Klaus Borchers in die Debatte ein und bemerkte, dass es wichtig sei, die Schlagkraft der Organisation, wie Innung und LIV zu stärken. „Der Einzelhandelsverband macht dieses Geschäft für uns nicht, das gilt es zu bedenken und abzuwägen.“

Die Bäko als Ersatz für die

Innungen?

Hermann Schmitz hob heraus, dass es sicherlich viele Veränderungen gibt, aber es brenne noch nicht alles und die Innung vor Ort habe Bestand, wenn es mehr motivierte ehrenamtliche Mitarbeiter gibt. Auch die KHW sei durchaus in der Lage, gute Fortbildungsmöglichkeiten zu bieten. „Die Innung ist Schnee von gestern und demnächst weg, die Bäko macht das alles – daran glaube ich nicht“ zog er sein Fazit.

Bäckermeister Dietmar Baalk setzte eins drauf: „In fünf Jahren sind 30 bis 40 Prozent aus der Innung raus, also müssen wir zusammenlegen. Unter 30 Personen gibt’s keine Existenz, auch die KHW muss größer werden. Die Bäko ist am engsten mit der Basis verbunden, das ist die Kompetenz die wir brauchen, eine Unterstützung also, die kurzfristig greift.“

Die Bäko Weser-Ems fühlt sich bereits in die Pflicht genommen. Sie bietet Fortbildung und Information an und wird in regelmäßigem Turnus zum „Forum für backende Betriebe“ mit brisanten Themen und hochkarätigen Referenten einladen.


Artikel vom 16.11.2006
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