Trends & Märkte

Deutsches Brot in China

Gesteigerte Nachfrage beeinflusst Weltmarktpreise


Peking (p). Der neu erwachte Milchdurst der Chinesen lässt die Preise in Deutschland steigen. Doch auch der Brotkonsum nimmt im Reich der Mitte zu. Und auch das hat Folgen für die Verbraucher in Deutschland. Mehr Nachfrage auf einem riesigen Markt wie China wirke sich schnell auf den Weltmarktpreis aus, sagt Eberhard Gröbel, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks (ZVB). Doch deutschen Bäckern beschert der chinesische Brothunger nicht nur höhere Rohstoffkosten, weshalb sie wohl über kurz oder lang ihre Preise anheben müssen. Das Bäckerhandwerk hofft auch, zu profitieren – und Menschen in China für deutsches Brot zu begeistern, wie net-tribune.de berichtet.

Deutsches Schwarz- und Graubrot komme bei Chinesen heutzutage viel besser an als noch vor zehn Jahren, sagt Lin Quan vom chinesischen Bäckerverband CABCI. Es gebe einen „vielversprechenden Markt mit guten Umsätzen“, der pro Jahr um 20 Prozent zulege. Auch Bäckermeister Alwin Muschel profitiert von diesem Trend. Jeden Tag backt er in seiner Backstube im Osten von Peking rund hundert deutsche Brote und mehrere hundert Brötchen. 70 Prozent seiner Kunden sind Europäer, aber auch Chinesen kommen nach und nach auf den Geschmack, wie der Onlinedienst weiter berichtet. 65 Prozent der Rohstoffe, darunter Mehl, bezieht Muschel aus Deutschland. Auf chinesische Lieferanten will er sich nicht unbedingt verlassen. „Es kommt vor, dass zehn Wochen lang ein Produkt erhältlich ist, und dann taucht es nie wieder auf.“ Das Phänomen kennt er auch von neuen Angestellten, die sich schon nach dem ersten Tag in der Backstube fehl am Platz fühlen und wieder verschwinden. Andere hingegen sind seit Eröffnung des Ladens im Februar 2006 dabei. „Die wollen backen. Die sind zäh“, sagt Muschel.

Auch der chinesische Bäckerverband will helfen, die chinesischen Bäcker von der Produktion von Brot deutscher Machart zu überzeugen. Doch Lin Quan gesteht, dass dies ein hartes Stück Arbeit ist. „Viele Betriebe tun sich schwer, weil sie glauben, ein zu großes Risiko einzugehen“, sagt Lin. Denn geschmacklich widerstrebt deutsches Brot noch vielen Chinesen, die es eher weich und süß mögen. Deshalb braucht Lin bei Werbetouren in Peking für Schwarz- oder Graubrot made in Germany andere Argumente. „Ich mache den Leuten begreiflich, wie nahrhaft deutsches Brot ist. Das ist häufig das beste Argument.“


Artikel vom 13.09.2007
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