Meinung
Der Trend geht zu hochwertigen Spezialitäten
Das Netzwerk „Genussregion Oberfranken“ unterstützt bei Marketing und Vertrieb
Dr. Bernd Sauer ist Hauptabteilungsleiter bei der Handwerkskammer für Oberfranken. Sein Aufgabengebiet umfasst auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Neben dem „Bierland Oberfranken“ hat er die Aktion „Genussregion Oberfranken“ wesentlich mit initiiert.
ABZ: Was steckt hinter der Idee von der „Genussregion Oberfranken“?
Dr. Bernd Sauer: Der Regierungsbezirk Oberfranken ist, was regionale Spezialitäten betrifft, ein Schatzkästchen, auch wegen seiner höchsten Bäckerei- und Metzgereidichte und der sehr kleinteiligen, historisch gewachsenen Strukturen. Dies bildet die Basis für eine außergewöhnliche Vielfalt an regionalen Spezialitäten, die bisher nur Insidern bekannt sind. Nur was hilft es, wenn dies keiner weiß, und viele Anbieter sich schwer tun, ihre Köstlichkeiten zu vermarkten? Hier setzen wir mit dem Verein „Genussregion Oberfranken“ an.
Was sind die Vereinsziele?
Sauer: Wir wollen ein übergreifendes Servicenetzwerk für Anbieter hochwertiger regionaler Spezialitäten entwickeln, das diese in allen Phasen der Produktion und Vermarktung unterstützen soll.
Parallel dazu wollen wir Stück für Stück die Vielfalt der oberfränkischen Delikatessen systematisch erfassen und beschreiben. Besonders stolz sind wir auf die vielen Partner und Institutionen, die im Verein Genussregion Oberfranken zusammenarbeiten.
Die Mitglieder bekommen fachliche und wissenschaftliche Unterstützung. Was kann ein Handwerksbetrieb erwarten?
Sauer: Ein richtiges Dienstleistungsnetzwerk. Jeder Anbieter von Spezialitäten ist auf der Suche nach neuen Kunden und neuen Vermarktungswegen.
Der Verein Genussregion Oberfranken bietet seinen Mitgliedern zunächst an, die jeweils angebotenen Spezialitäten fachlich und wissenschaftlich zu prüfen und daraus eine anerkannte Spezialität mit Qualitätssiegel zu machen. Dazu gehört auch eine saubere fachliche und werbliche Beschreibung der Spezialität, denn viele Betriebe tun sich auch schwer, ihre Spezialitäten so zu beschreiben, dass der Verbraucher auch etwas damit anfangen kann.
■Der Verein vergibt auch ein Prüfsiegel. Was muss gemacht werden, um dieses zu erhalten?
Sauer: Das Prüfsiegel – wir sagen Qualitätssiegel – wird zweigeteilt sein. Zum einen durchläuft der Gesamtbetrieb eine Prüfung, danach werden die angemeldeten Spezialitäten extra geprüft.
Welche weiteren Aktionen plant der Verein?
Sauer: Der „Verein Genussregion Oberfranken“ wurde ja erst vor kurzem gegründet. Im Schwerpunkt geht es 2008 um die Entwicklung der Qualitätskriterien für das neue Qualitätssiegel. Parallel dazu werden wir damit fangen, oberfränkische Spezialitäten Stück für Stück zu analysieren und zu beschreiben. Geplant ist auch eine hochwertige Spezialitäten-Datenbank im Internet. Ab Sommer werden wird dann beginnen, gezielte Imageaktionen durchzuführen. Was konkret durchgeführt wird, hängt natürlich von den beteiligten Spezialitätenanbietern ab.
Ähnliche Regionalkonzepte gibt es bereits. Würden Sie auch empfehlen, derartige Aktionen ins Leben zu rufen?
Sauer: Auf jeden Fall und zwar aus mehreren Gründen:
1. Bei den meisten Spezialitätenanbietern handelt es sich um kleine Familienunternehmen, die oft nicht in der Lage sind, alles, was das Thema Vermarktung von Spezialitäten betrifft, alleine in der heute geforderten Qualität umzusetzen.
2. Nach wie vor gilt: jede Region in Deutschland hat eine unverwechselbare Identität und eigene regionale Spezialitäten. Diese müssen wieder stärker heraus gearbeitet werden. Das gelingt nur durch eine konzertierte Aktion aller Akteure in einer Region. Und zwar übergreifend, über das Handwerk hinaus. Regionale Marken können nur zusammen gebildet werden.
3. Es gibt einen verstärkten Trend zurück zu den regionalen Spezialitäten und hin zu qualitativ hochwertigen Produkten. Diesen Trend müssen wir aktiv nutzen, von selbst geht da leider nichts.
Bericht Seite 27. (pf)
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