kolumne

Der Kontrolleur als Partner


Wir lernen in Deutschland gerade mal wieder, wie sich eine Branche selbst die Kunden vergrault. Wenn aufgrund von besonderen Kontrollen immer mehr verdorbenes Fleisch in den Tiefkühllagerstätten gefunden wird, dann versteht der Verbraucher nur, dass er kein Fleisch mehr kaufen darf, weil er doch nur schlechte Ware bekommt.

Das Beispiel Fleisch möchte ich aufgreifen, um auf die generelle Bedeutung des Themas „Überwachung“ hinzuweisen. Die in diesen Wochen veröffentlichten Beiträge bewirken, dass sich die Verbraucher fragen, was sie nun noch bedenkenlos essen können. Zum Glück hat es in der Backwarenbranche in den letzten Jahren keine ähnlichen Vorkommnisse gegeben.

Die Lebensmittelüberwachung wird in vielen Betrieben als eine Polizei verstanden, die geringe Kenntnisse über die tägliche Praxis der Herstellung von Backwaren hat, die sich nur um die wenig wichtigen Dinge der Produktion kümmert. Die Lebensmittelüberwachung wird überhaupt nicht gern gesehen, sie wird als Gegner bei der täglichen Produktion erfahren.

Es gibt sicherlich eine Reihe von Erfahrungen, bei denen man sich fragt, ob die Überwachungsbeamten die täglichen Probleme bei der Herstellung von Backwaren richtig einschätzen und auch die Möglichkeiten der Einhaltung von Hygienegrundsätzen richtig verstehen.

Im Detail muss man sich sicher mit der Behörde auseinander setzen, doch ist das System deshalb grundsätzlich schlecht? Ich bin fest davon überzeugt, dass die Lebensmittelüberwachung eine sehr wichtige Funktion bei der Herstellung von Lebensmitteln hat. Es wird in der öffentlichen Diskussion immer wieder betont, in Deutschland sorgt die sehr strenge Lebensmittelüberwachung für eine große Sicherheit bei den Lebensmitten.

Die Kontrolle der Betriebe soll den Verbrauchern sichere und gesunde Lebensmittel garantieren. Genauso wichtig ist aber der Aspekt, dass die Überwachung die Einhaltung der „Spielregeln“ bei der Herstellung von Backwaren durchsetzt. Somit kann sich nicht der Betrieb mit mangelhafter Hygiene einen Wettbewerbsvorteil erschleichen. Es sollten für alle Hersteller die gleichen Bedingungen gelten. Diejenigen, die sich an die Regeln halten, dürfen nicht die Dummen sein!

Das ist infolge seltener Kontrollen in den Betrieben leider nicht immer der Fall, denn auch bei der Aufsicht über die Betriebe wird – für mich unverständlich – gespart.

Eine kompetente Überwachung und Menschen mit Augenmaß sind in meinen Augen aber nicht der Feind der Produzenten, sondern kann ein Partner sein, der schwarzen Schafen frühzeitig, also einem öffentlichen Skandal, das Handwerk legt. Es soll sogar Betriebe geben, die die Presse über den Besuch der Überwachung informieren, besser kann man das Vertrauen der Verbraucher nicht gewinnen!


Artikel vom 12.01.2006
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