Aktuell
Der ABZ-Monitor: Erstes Branchenbarometer
Positive Umsatzerwartung und hohe Investitionsbereitschaft / Optimistische Stimmung der Betriebe / Geteilte Meinung zum Thema Teiglinge
Stuttgart (kh). Die ABZ hat es, das neue Branchenbarometer mit aktuellen Zahlen und Auswertungen zu Umsatz, Perspektiven, Investitionsplanung, Kosten und Kostenentwicklung der Backbranche.
Achtmal im Jahr werden wir in Kooperation mit einem renommierten Marktforschungsinstitut den Puls der Backbranche abbilden und ein detailliertes Kardiogramm erstellen. Wir kratzen mit unserer Befragung nicht an der Oberfläche, wir fragen auch nach Markteinschätzungen und Perspektiven. Die wichtigsten Ergebnisse der ersten Befragung finden sie auf dieser Seite und es zeigt sich eines ganz deutlich, die Branche ist deutlich vitaler und agiler als es das Jammern und Zähneknirschen der letzten Jahre vermuten lässt. Es geht nicht allen gut, doch die Zahl der Betriebe, die positiv in die Zukunft blicken, ist deutlich größer, größer auch als ein Vergleich mit üblichen Handwerksbefragungen oder der ifo/Konjunkturtest vom Februar vermuten lässt.
Die hohe Zahl der befragten Backbetriebe – hier wollen wir noch einmal allen, die mitgemacht haben, Danke sagen – ermöglicht es uns, von einem gesicherten Trend als Quintessenz der gewonnenen Zahlen zu sprechen. Wir haben die Betriebe auch nach Größe/Filialzahl und dem Jahresumsatz gefragt, nicht weil wir diese Zahlen veröffentlichen wollen, sondern um sicherzustellen, das die Zahlen nicht überproportional stark durch eine Betriebsgröße dominiert werden. Die Betriebe, die mitgemacht haben, bilden eine Gruppe, die nahezu mit dem Größenklassenraster der Bestandserhebungen durch den Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks konform ist.
Die Umsätze des letzten Jahres
Von Stagnation beim Umsatz waren rund 25 % der Backbetriebe betroffen, rund ein Viertel der Bäcker trat also im zurückliegenden Jahr auf der Stelle. Erfreulich dagegen, dass 53 % und damit die absolute Mehrheit, ihre Umsätze erhöhen konnten. Das Plus in den Kassen geht sicherlich zu einem Teil auch auf betriebliches Wachstum durch Neueröffnungen und Zukäufe zurück, dennoch ist ein Umsatzplus immer ein Signal für eine Stärkung der Unternehmensposition am Markt. 37 % schafften ein Umsatzplus von 6 - 10 %, immerhin jeder zehnte Betrieb schaffte deutlich mehr, nämlich bis zu 15 % Umsatzsteigerung. Bei immerhin noch 6 % der Befragten klingelte die Kasse im letzten Jahr besonders häufig. Sie erreichten Umsatzzuwächse von mehr als 15%.
Jetzt fehlen uns noch die rund 20%, deren Kassen nicht so sprudelten:
15% und damit die Mehrheit der Umsatzdiätisten verlor nur leicht, bis max. 5 % ihres Umsatzes. Diesen Verlust, so er denn nicht über Jahre anhält, sollte ein Backbetrieb verkraften können. Schlechter sieht es da schon mit den restlichen rund 6% der Backbetriebe aus. Hier sind die Umsätze um mehr als 6 % gegenüber dem Vorjahr in den Keller gefallen, ganz arg ist die Situation natürlich für die 2,5%, deren Umsätze um mehr als 10% gefallen sind. Für diese Betriebe geht es um die Existenz in den kommenden Monaten. Für alle wichtig, aber überlebenswichtig für die, deren Umsätze in den Keller gefallen sind, ist eine selbstkritische Ursachenforschung, damit es in Zukunft aufwärts gehen kann.
Hier bieten sich neben professionellen Beratern vor allem auch die betriebswirtschaftlichen Berater der Innungsverbände als Fachleute zur Problemlösung an. Das Tal der Tränen scheint durchschritten, das muss man zumindest glauben, wenn man auf die Umsatzperspektiven der Branche schielt. 67 % der Betriebe geht von einem Umsatzwachstum in den nächsten Monaten aus, dass sind deutlich mehr als dieses Ziel in der Vergangenheit erreicht haben. Carpe diem – nutze den Tag.
Investitionen
Es war lange Zeit der gordische Knoten der Backbranche. Von Investitionsstau sprach man wohlwollend, von leeren Kriegskassen böswillig. Unsere Umfrage belegt: Der Wille für Investitionen ist da, sogar massiv. Die Maschinenbauer und die Ladenbauer können sich auf eine deutliche Zunahme der Inlandsnachfrage einstellen. Was lange, teilweise auch schon zu lange, als Investitionsstau vor sich her geschoben wurde, gilt es nun abzuarbeiten. Die Nachfrage nach hochwertigen Investitionsgütern in der Branche liegt dabei deutlich über den Werten für reine Ersatzinvestitionen. Hierzu ein Rechenbeispiel: 15% der Betriebe wollen in neue Ofentechnik investieren. Geht man davon aus, dass ein Ofen 10 Jahre lang hält (die meisten werden deutlich älter) würden in 10 Jahren – den gleichen Nachfrageindex vorausgesetzt – alle Öfen in der Produktion 1,5 mal ausgetauscht. Der Investitionsstau der letzten Jahre führt somit in den kommenden Monaten zu einer deutlich über der reinen Ersatzinvestition liegenden Nachfrage.
Schöne neue Verkaufswelten
48% aller Betriebe wollen in Ladeneinrichtungen investieren, würden die Betriebe das umsetzen und dieser Trend auch im nächsten Jahr anhalten, hätten wir eine komplett erneuerte Bäcker-Laden-Landschaft. Die Zurückhaltung der letzten Jahre gerade beim Ladenbau scheint inzwischen für viele Betriebe so schmerzhaft zu sein, dass Investitionen einfach nicht länger aufschiebbar sind.
Duftmarketing und Show
Beeindruckend ist auch der Wille von mehr als einem Drittel der Befragten, in Ladenbacköfen zu investieren. Duftmarketing und dessen Erfolg, davon lassen sich nicht nur die Kunden, sondern auch die Bäcker immer mehr überzeugen. Vielleicht zeigen auch die Anstrengungen der Hersteller im Bereich Frontbaking und Frontfinishing, also die vermehrte Darstellung des Selberbackens vor den Augen der Kunden, Wirkung. Action im Verkauf ist sicher ein zusätzlicher Kaufanreiz. Die Zahl der Betriebe, die mit einer gläsernen Backstube oder eine Schaubackstube an exponierten Standorten um die Gunst der Kunden werben, scheint somit eine Zukunft zu haben.
Langfristig geplant
Des deutschen liebstes Kind hat immer noch vier Räder und steht auch bei den Bäckern relativ oben auf der Wunschliste. 40 % aller Backbetriebe planen Investitionen in den betrieblichen Fuhrpark, das wird die Autobauer freuen.
Aber auch in die Produktion wird investiert. Kältetechnik, Backöfen, Teigaufbereitung und Logistik/EDV stehen auf den Wunschlisten vieler Backbetriebe. Mehr als jeder vierte Bäcker will in EDV und/oder Logistik investieren. Da die Zahl der Betriebe, die über logistische Lösungen verfügen im Branchenvergleich noch relativ gering ist, handelt es sich bei den Betrieben, die hier investieren wollen, wohl um eine große Zahl von Neu- bzw. Erstkunden.
Teiglinge spalten die Branche
Das Thema Teiglinge spielt besonders im Vorfeld von Fachausstellungen, wie aktuell der Internorga, eine Rolle. Pünktlich zu den Messen stellen die Teiglingshersteller ihre neuesten Kreationen vor. Was für knapp die Hälfte der Betriebe eine willkommene Abwechslung im Bereich der Sortimentsabrundung gern genommen wird, wird von etwas mehr als der Hälfte der Betriebe kategorisch abgelehnt.
Teiglinge mit ihrem hohen Conveniencegrad schränken die Kreativität der Bäcker dann ein, wenn es darum geht, individuelle Produkte mit eigener Optik und vor allem mit eigenem Geschmack anbieten zu können. Auf der anderen Seite sind Teiglinge einfach im Handling und lassen sich zur Sortimentsabrundung nutzen, diese Meinung vertreten immerhin 88 % der Teiglingsanwender. Dass immerhin noch 13 % der Betriebe Teiglinge aus purer Bequemlichkeit einsetzt, ist ein Wert, der zum Nachdenken anregen sollte. Etwas einfach aus Bequemlichkeit zu tun, setzt einen gewissen Grad von Gedankenlosigkeit voraus und die ist für ein Unternehmen selten ein guter Ratgeber.
Dass immerhin 46 % der Betriebe, die sich gegen den Teiglingseinsatz aussprechen, weil diese nicht ihren Qualitätsanforderungen entsprechen, ist verwunderlich, angesichts der guten und sehr guten Qualitätsprüfungen beispielsweise durch die DLG oder auch den Croissanttest der ABZ.
Qualität scheint doch deutlich subjektiver in ihrem Empfinden zu sein und nur schwer durch standardisierte und objektivierte Raster fassbar und messbar. So gesehen ein gutes Ergebnis, denn die Vielfalt und Individualität macht eine lebendige Backbranche aus. Lassen Sie sich vom Optimismus anstecken!
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