Aktuell
Den Verbraucher nicht bevormunden
BLL erteilt „Ampelkennzeichnung“ eine klare Absage / „Vorsorge statt Verbote“
Bonn (age). Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) hat sich klar gegen die Verwendung von Ampelsymbolen ausgesprochen, mit denen Verbrauchern eine Hilfestellung beim Kauf von Lebensmitteln gegeben werden soll. Mit einer signalhaften Ampelkennzeichnung werde dem Verbraucher suggeriert, sich – ohne weiteres Nachdenken – gesund ernähren zu können, wenn er nur Produkte mit vielen grünen Punkten auswähle, kritisierte BLL-Präsident Dr. Theo Spettmann am vergangenen Freitag in Bonn beim Neujahrsempfang des Verbandes. Damit werde letztlich eine politisch leicht verkaufbare Scheinlösung angeboten, die außer Acht lasse, dass es nicht auf das einzelne Lebensmittel, sondern auf den Lebensstil insgesamt ankomme, zu dem auch eine ausgewogene Ernährung gehöre. Der Europaparlamentarier und Vorsitzende der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas, Martin Schulz, hält eine „Verzichtsethik per Verordnung“ grundsätzlich für falsch. „Vorsorge statt Verbote“ sei im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung das eigentliche Gebot der Stunde. Das Erlernen der richtigen Ernährung sei möglich, und an diesem Punkt müsse die Politik ansetzen. Die „Verordnungspolitik“ werde von Politikern gemacht, die es durchaus gut meinten, betonte Schulz. Allerdings sei „gut gemeint“ nicht immer gleich „gut gemacht“.
Dr. Spettmann machte deutlich, dass die Ampellösung wissenschaftlich nicht gerechtfertigt werden könne und letztlich der untaugliche Versuch eines politischen Befreiungsschlages sei, der das Problem nicht löse. Zudem sei dieses Instrument nichts anderes als eine Bevormundung der Verbraucher. Statt an den wirklichen Ursachen des gesellschaftlichen Problems der zunehmend verbreiteten Übergewichtigkeit anzusetzen, werde eine Symbolpolitik betrieben, die auf Werberestriktionen, Reformulierung von Produkten und signalhafte Kennzeichnung setze.
Um die unmittelbar produktbezogene Information über die Nährwerte von Lebensmitteln flächendeckend auszuweiten, habe das Kuratorium des BLL Ende Januar beschlossen, den Mitgliedsunternehmen zu empfehlen, ihre Lebensmittel - soweit wie möglich und praktikabel - mit einer freiwilligen Nährwertkennzeichnung zu versehen, erklärte Dr. Spettmann. Generell könne das Problem „Übergewicht“ nicht durch staatliche Eingriffe, sondern nur durch Aufklärung, Bildung und Hilfestellung langfristig gelöst werden.
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