INTERVIEW

Dem Preiskampf aus dem Weg gehen


Bäckermeister Jens Hennig hat mit gekonntem Management innerhalb weniger Jahre das Kunststück vollbracht, aus einem kleinen Familienbetrieb „Hennigs Bäckerei GmbH“, ein wachstumsorientiertes mittelständisches Unternehmen zu schaffen. Die Zutaten zu seinem Erfolgsrezept sind eine klare und allen Mitarbeitern bekannte Unternehmensstrategie, offensives Marketing, unverwechselbare Eigenmarken, eine leistungsabhängige Entlohnung und ein gut funktionierendes Kontrollsystem.

ABZ: „Was hat Sie dazu bewogen, in punkto Werbung eigene Wege zu gehen?“

Jens Hennig: „Mein Betrieb befindet sich im Grenzgebiet zwischen Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, so dass es keine sinnvollen Möglichkeiten für die flächendeckende Werbung per Rundfunk oder Zeitung gibt. Aus diesem Grund haben wir in enger Zusammenarbeit mit einer Agentur vor Ort ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt, dass die lokalen Medien durch Werbung in den Geschäften, auf unseren Fahrzeugen und per Internet ergänzt. Teil dieses Konzeptes ist das geschützte Maskottchen „Henni“, das sich in Gestalt eines lustigen Bäckerburschen in allen Filialen, auf Verpackungen und LKW‘s wiederfindet.“

ABZ: „Wie behaupten Sie sich in dem ruinösen Preiskampf, der in der Backwarenbranche tobt?“

Jens Hennig: „Gar nicht, wir gehen ihm aus dem Weg, indem wir uns und unsere Produkte für den Kunden unverwechselbar machen. Hennigs Backstube ist nicht irgendein austauschbarer Anbieter, sondern „Der Pegauer Frischebäcker“. Wer zu uns kommt, tut das nicht wegen des womöglich um zwei Cent billigeren Brotes, sondern weil er sich für Premiumprodukte aus dem Handwerk entschieden hat. Um uns nicht selbst Konkurrenz zu machen, habe ich auch ganz klare Regeln für das Liefergeschäft. Dazu gehören eindeutige Rabattgrenzen, damit unsere Produkte nicht plötzlich unter Wert verkauft werden. Billig backen – das können andere Anbieter besser als wir. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal sind außerdem die beiden Eiscafés, in denen wir selbstgemachtes Eis und Kuchen aus unserer Bäckerei anbieten. Diese Geschäfte laufen sehr gut und vermitteln den Gästen unseren hohen Anspruch. Zahlreiche Gäste dieser Cafés sind inzwischen zu Kunden der Bäckerei geworden.“

ABZ: „Wie gelingt es Ihnen, Ihre Mitarbeiter bei der Stange zu halten?“

Jens Hennig: „Wir haben eine ganz simple Strategie: Wir wollen die Besten werden und uns in Qualität, Kompetenz und Freundlichkeit von anderen abheben. Diesen Anspruch kennen und leben die fast 200 Mitarbeiter von Hennigs Bäckerei. Und natürlich trägt die leistungsabhängige Entlohnung, die seit sieben Jahren in der Produktion ebenso wie im Verkauf zum Tragen kommt, zur Motivation der Mitarbeiter bei. Engagement lohnt sich, Nachlässigkeit bleibt nicht ohne finanzielle Konsequenzen. Damit das funktioniert, setze ich auf ein möglichst lückenloses Kontrollsystem, dessen Kernstück die saubere Erfassung aller Retouren ist. Das hat nichts mit mangelndem Vertrauen zu tun. Ohne Kontrolle von Kasse und Retouren ist unehrliches Verhalten fast schon vorprogrammiert. Doch ich verlange nicht nur Ehrlichkeit, sondern praktiziere sie auch. Gegenüber meinen Mitarbeitern spiele ich deshalb konsequent mit offenen Karten. Bei Betriebsversammlungen erfahren meine Leute, was wir erreicht haben und
wo wir wirtschaftlich stehen. Um-
sätze sind für mich kein Firmengeheimnis.“

ABZ: „Apropos Geheimnis ... Welche Umsätze machen Sie?“

Jens Hennig: „Für das vergangene Jahr war ein Netto-Umsatz von 6,5 Mio. Euro geplant, diese Marke wurde bereits ein Stück vor Jahresende erreicht. Aus meiner Sicht sind einige andere Zahlen jedoch aussagefähiger: Wir erzielen seit mehreren Jahren ein zweistelliges Umsatzplus auf der bestehenden Filialfläche. Zudem hat sich in der Backstube der je Mitarbeiter pro Stunde produzierte Warenwert seit Einführung der Leistungslöhne fast verdoppelt. Er liegt jetzt bei 98 Euro.“

ABZ: „Und wo wollen Sie in den nächsten Jahren noch hin?“

Jens Hennig: „Wie schon gesagt: Wir wollen die Besten werden. Und natürlich auch bleiben. Und ein wenig wachsen, sodass zu den derzeit 27 Filialen sicher einige weitere hinzukommen werden. Zuvor muss der Betrieb jedoch wachsen, denn die Produktion stößt schon seit geraumer Zeit an ihre Grenzen. Nach Klärung noch offener Grundstücksfragen wird im Februar die Entscheidung fallen, wo und in welchem Umfang gebaut wird. Dennoch sollen Hennigs Backstuben kein Industriebetrieb werden, sondern eine handwerkliche Bäckerei bleiben, denn genau hier liegt die Stärke des Unternehmens.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag auf Seite 11. (ad)


Artikel vom 12.01.2006
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