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Dem Denunziantentum aufs Pferd helfen

Bundesamt für Verbraucherschutz: Hotline auch für anonyme Anzeigen bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht


Bonn/Berlin/Stuttgart (age/kh). Vor dem Hintergrund der Skandale um verdorbenes und umetikettiertes Fleisch hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Internet eine Seite eingerichtet, auf der Verstöße gegen das Lebensmittelrecht gemeldet werden können.

Internet plus Hotline

Unter www.bvl.bund.de/tipp werden Hinweise vertraulich entgegengenommen. Außerdem schaltete das BVL am vergangenen Mittwoch die Telefonnummer (01888) 413-3555 frei, unter der der Behörde zum Ortstarif ebenfalls Tipps zu unhygienischen Zuständen oder illegalen Praktiken gegeben werden können.

Personen, die persönliche Nachteile befürchten müssen, können ihre Informationen laut BVL sowohl über das Internet wie auch unter der Servicenummer anonym geben. Bereits in der Vergangenheit hatte das Bundesamt Beschwerden über angebliche Verstöße gegen das Lebensmittelrecht und unhygienische Zustände in gastronomischen Betrieben beziehungsweise in der Lebensmittelwirtschaft erhalten.

Mit der Einrichtung der Internetseite und der Hotline sollen solche Informationen künftig gezielter und schneller bearbeitet werden können. Die Hinweise sollen unverzüglich an die für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Landesbehörden weitergegeben werden. Außerdem will das BVL die Informationen für die Früherkennung von Problemen und Krisen einsetzen.

Hexenjagd befürchtet

Einige Verbände befürchten nun eine Art Hexenjagd in Betrieben. Unzufriedene Mitarbeiter können ihren Chef anschwärzen, Mitbewerber die Kontrollbehörden auf den Konkurrenten hetzen. Die Gefahr des Missbrauchs zu persönlichen Rachefeldzügen oder zum Schaden des Wettbewerbs sind zweifelsohne vorhanden.

Als Fachmann in Rechtsfragen sieht der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Großbäckereien, Helmut Martell, die Schaltung einer Hotline eher gelassen. „In vielen anderen Bereichen, beispielsweise beim Korruptionsverdacht gibt es ähnliche Instrumente zur Unterstützung der Behörden. Grundsätzlich besteht natürlich die Gefahr des Missbrauchs. Man kann den Betrieben nur dringend raten, sich bei der Herstellung von Lebensmitteln an die Vorschriften zu halten. Wer das macht, dem droht auch durch vermeintliche Denunzianten keine Gefahr.“

Modererscheinung

Helmut Martell sieht die Schaffung von Hotlines zu allen möglichen Themenfeldern auch als eine Art Modeerscheinung. Aus Sicht der Politik scheint diese Maßnahme zur Verbesserung des Verbraucherschutzes ein probates Mittel zu sein.


Artikel vom 09.02.2006
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