Der ABZ – Tipp der Woche
Das Spiel um Angebot und Nachfrage
Nun gibt es Produkte, die das ganze Jahr über gehandelt werden, nach denen aber die Nachfrage zu ganz bestimmten Zeiten explodiert. Man denke beispielsweise an die berühmten Weihnachtsbäume: Im Mai verkaufen sie sich verhältnismäßig schleppend – im Dezember dagegen erlebt man einen regelrechten Boom.
Ein cleverer Händler muss sich darauf einstellen und für ein ausreichendes Angebot sorgen. Danach kann er sich auf gute Geschäfte freuen. Die hohe Nachfrage erlaubt ihm nämlich, für seine Bäumchen vor Weihnachten noch etwas mehr dafür zu verlangen als in all den übrigen Flauten-Monaten. In Gärtnereien ist es dasselbe: Blumen verkaufen sich das ganze Jahr über. Aber am Valentins- und am Muttertag gehen die Geschäfte noch erheblich besser.
Die Nachfrage und damit die Preise steigen. Auch Treibstoffhändler verfahren so: Benzin ist zu Ferienbeginn, wenn alle fahren wollen, noch ein bisschen teurer als sonst. In allen Branchen läuft das so ab. Nur in Bäckereien nicht! Hier herrschen oft verkehrte Marktgesetze. Nehmen wir einmal das berühmte Fettgebäck: Die „Berliner“, die „Kreppel“ oder die „Ballen“. Auch sie verkaufen sich Tag für Tag. Das ganze Jahr über. Aber in der fünften Jahreszeit, im Fasching und im Karneval – da will sie jeder. Den ganzen Februar über verkaufen sie sich immer besser und besser. Und der Höhepunkt ist dann an den hochheiligen Festtagen erreicht: Am Rosenmontag muss jede Bäckerei Berlineraktionen fahren.
Die Kunden verlangen Berge davon. Die Nachfrage ist gigantisch. Bäcker müssen sich dafür manchmal zusätzliche Fettpfannen ausleihen. Sie müssen dafür Überstunden fahren und ein paar Auslieferungstouren mehr organisieren.
Und womit belohnen sich die Bäcker für diesen Sonderaufwand? Sie machen als Krönung diese Berliner billiger und verschachern am Liebsten 10 Stück für nur noch 3 Euro 99. Verstehen Sie diese Bäcker-Wirtschaftgesetze? Ich nicht!
Weitere Informationen:
Ulrich.Stoekle@t-online.de
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