Aktuell

Das Handwerk setzt sich in Bewegung

Das Marktforschungsinstitut Creditreform legt Daten zur Wirtschaftslage im Frühjahr 2006 vor


Neuss (p). Die aktuelle Geschäftslage beurteilen die knapp 3600 von Creditreform befragten Handwerksbetriebe deutlich besser als noch im letzten Jahr: 29,1 Prozent vergaben die Noten

sehr gut und gut – im Frühjahr 2005 waren es lediglich 20,4 Prozent. Und nur noch 13,4 Prozent urteilen mit mangelhaft oder ungenügend – das entspricht einem Rückgang um 6,6 Prozentpunkte.

Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen verbesserte sich damit von 0,4 Prozent im letzten Frühjahr auf aktuell 15,7 Prozent.

Umsatztsituation verbessert

Auch die Umsatzsituation verzeichnet eine klare Verbesserung, allerdings nicht so deutlich wie die Geschäftslage. Mehr als jedes vierte Unternehmen (25,8 Prozent) konnte seinen Umsatz innerhalb des letzten Jahres steigern. Im Frühjahr 2005 waren es nur 20,8 Prozent, die Umsatzsteigerungen verbuchen konnten. Noch immer überwiegt aber die Zahl der Handwerksunternehmen, die Umsatzeinbußen verkraften müssen, auch wenn der Anteil im Jahresverlauf von 35,0 Prozent auf jetzt 27,5 Prozent fiel. Die Saldenkennziffer aus Umsatzsteigerungen und -rückgängen liegt mit minus 1,7 Prozent deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (minus 14,2 Prozent).

Probleme zwischen Kosten und Preisen aufgrund der anziehenden Preise für Energie und im Großhandel verbuchten 66,1 Prozent (Vorjahr: 68,1 Prozent) der Unternehmen steigende Bezugspreise. Diese konnten jedoch nur 15,6 Prozent der Handwerker an ihre Kunden weitergeben. Im letzten Jahr waren es noch 18,0 Prozent der Befragten, die ihre Angebotspreise angehoben haben. Allerdings waren nur noch 19,5 Prozent der Unternehmen gezwungen, ihre Angebotspreise zu senken, was einem Rückgang von 5,5 Prozentpunkten im Jahresverlauf entspricht.

Personalsituationunbefriedigend

Die Personalsituation im deutschen Handwerk hat sich im Verlauf des letzten Jahres zwar verbessert, befindet sich aber nach wie vor im roten Bereich: 18,6 Prozent der Befragten haben ihren Personalbestand aufgestockt (Vorjahr: 14,6 Prozent) und 28,7 Prozent mussten sich von Mitarbeitern trennen.

Im Frühjahr 2005 waren es noch 35,0 Prozent. Der Saldo der Personalsituation verbesserte sich von minus 20,4 Prozent im letzten Frühjahr auf aktuell minus 10,1 Prozent. Positiv anzumerken ist die deutliche Verbesserung der Personalsituation in Ostdeutschland: 16,6 Prozent der dortigen Unternehmer konnten ihren Personalbestand aufstocken.

Zukunft in hellerem Licht

Die Umsatzerwartungen im deutschen Handwerk sind von Optimismus geprägt: 26,1 Prozent der Befragten rechnen im kommenden halben Jahr mit Umsatzsteigerungen, das sind 7,3 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Mit Umsatzrückgängen rechnen noch 15,8 Prozent der Unternehmer – ein deutlicher Rückgang um 10,8 Prozentpunkte (Vorjahr: 26,6 Prozent). Die Saldenkennziffer der Umsatzerwartungen liegt aktuell bei 10,3 Prozent und damit so hoch wie in den letzten neun Jahren nicht – selbst im Boomjahr 2000 schaffte es der Saldo nur auf 7,8 Prozent.

Auch die künftige Preisgestaltung zeigt nach oben: 27,5 Prozent der Handwerker wollen ihre Angebotspreise anheben (Vorjahr: 23,2 Prozent), und nur noch 12,5 Prozent werden sie senken – ein Rückgang um 7,2 Prozentpunkte.

Die Gewinnerwartungen im Handwerk sind Anfang 2006 zuversichtlich, für eine positive Saldenentwicklung reicht es indes noch nicht. 22,4 Prozent rechnen mit steigenden Erträgen (Vorjahr: 17,2 Prozent), und 23,4 Prozent befürchten Rückgänge – 9,5 Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr.

Investitionsbereitschaft

Auch die Investitionsbereitschaft im Handwerk verbucht leichte Zuwächse: Konnten im letzten Frühjahr nur 44,4 Prozent Investitionen tätigen, sind es aktuell 2,5 Prozentpunkte mehr.

Erfreulich ist insbesondere, dass die konjunktursensiblen Erweiterungsinvestitionen zugelegt haben: Wollten im Frühjahr 2005 noch 34,8 Prozent in die Erweiterung ihres Betriebes investieren, sind es aktuell 35,8 Prozent. Die notwendigen Ersatzinvestitionen nahmen indes leicht um 1,8 Prozentpunkte auf jetzt 64,8 Prozent ab.

Rationalisieren wollen 23,0 Prozent der Unternehmer (Vorjahr: 26,0 Prozent). Auch das Investitionsvolumen steigt bei mehr Betrieben als noch vor einem Jahr an: 42,0 Prozent wollen künftig mehr investieren.

Dürftige Eigenkapitalquoten

Die Eigenkapitalquoten im Handwerk sind nach wie vor dürftig: Nur 13,9 Prozent verfügen über eine ausreichende Eigenkapitaldecke von mehr als 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme (Vorjahr: 14,0 Prozent), und 38,4 Prozent (Vorjahr: 39,2 Prozent) sind mit weniger als zehn Prozent haftendem Eigenkapital ausgestattet und damit unterkapitalisiert.

Höhere Mehrwertsteuer ist Gift

Welche Maßnahmen halten die Unternehmen zur Stärkung des Handwerks für geeignet, und was sind die Hauptursa chen der Schwarzarbeit? 34,2 Prozent der Befragten gaben an, die Herabsetzung des Mehrwertsteuersatzes könnte für mehr Stabilität im Handwerk sorgen.

Die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen im Haushalt befürworten 32,8 Prozent. Eine Abschaffung der Gewerbesteuer ist dagegen nur für 14,8 Prozent der Befragten geeignet zur Konsolidierung des Handwerks, und den Erlass der Erbschaftssteuer bei Weiterführung des Betriebes sieht noch nicht einmal jedes zehnte Unternehmen (9,4 Prozent) als zweckmäßig an.

Mehr als die Hälfte (57,8 Prozent) der Handwerksunternehmen in Deutschland hält zu hohe Lohnnebenkosten für die Hauptursache der Schwarzarbeit.


Artikel vom 23.03.2006
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