Meinung

Das Handwerk muss in der Politik vertreten sein

Nach 24 Jahren im Stadtrat: Nürnbergs Ehren-OM Karl Pabst im Interview


Selbstständige Handwerker haben meist wenig Zeit, sich neben ihren betrieblichen Belangen auch gesellschaftlich zu engagieren. Und doch gibt es zahlreiche Bäcker, die sozial, sportlich oder politisch aktiv sind. Häufig zum Wohle der gesamten Branche. Denn vom berufsständischen beziehungsweise kommunalpolitischen Engagement dieser Aktivisten profitieren eben auch die Kollegen, was oft erst nach dem Rückzug aus entsprechenden Ämtern erkannt wird.

Im neuen Nürnberger Stadtrat zum Beispiel fehlt einer, der hier 24 Jahre lang die Interessen des Handwerks mit Nachdruck vertreten hat und auch die Chance gehabt hätte, Bürgermeister zu werden: Karl Pabst. Der Ehrenobermeister der Bäckerinnung Nürnberg zog sich nach vier Wahlperioden aus der Kommunalpolitik zurück. Im Interview verrät der 73-Jährige, warum mehr engagierte Handwerker der Politik gut täten.

ABZ: Herr Pabst, die Grundsatzfrage: Wie kommt ein Bäcker zur Politik?

Karl Pabst: Das kam wohl daher, dass ich vor meiner Selbstständigkeit stets in Betrieben von Obermeistern gearbeitet habe. Das steckt an. Und schließlich hat mich Hans Baum, der als zielstrebiger und korrekter OM, LIM und Handwerkspräsident immer noch ein Vorbild ist, gefragt, ob ich mitmachen will. Es gab damals noch die schöne Tradition, dass der CSU-Fraktion immer ein Bäcker- und ein Metzgermeister angehören sollten. Der letzte Metzger schied 1978 aus, nun ich als letzter Handwerker.

Kann man denn als einer von vielen etwas für das Handwerk bewirken?

Pabst: Auf jeden Fall! Ich war zum Beispiel Mitglied in den Ausschüssen für Stadtentwicklung, Personal, Recht und Wirtschaft, Stadtwerke, Gesundheit und im Ältestenrat. Zwölf Jahre war ich Vorsitzender im Vergabeausschuss und hatte ein Auge drauf, dass Aufträge an Betriebe in der Stadt bzw. in Mittelfranken gehen. Ich selbst habe übrigens nie an die Stadt geliefert, um den Vorwurf der Bereicherung gar nicht aufkommen zu lassen.

Auf welche Ergebnisse ihrer Ratszeit sind Sie stolz?

Pabst: Zum Beispiel auf die Regelung, Handwerksbetrieben Parkscheine in der Innenstadt zuzubilligen. Oder die Ausstattung der Bäcker-Berufsschule, für die ich mich immer eingesetzt habe, mit neuen Maschinen. Stolz bin ich auch darauf, dass die Partnerschaft unserer Innung mit Versailles und der Jugendaustausch weiterleben.

Und worüber waren Sie eher enttäuscht?

Pabst: Vor allem darüber, dass Anfang der 90er Jahre der Bäko kein genügend großes Grundstück in der Stadt zur Verfügung gestellt werden konnte und sie nach Langenzenn umzog. Und darüber, dass zur Jahrtausendwende der Schlachthof geschlossen werden musste.

Sie wurden 2002 auf CSU-Listenplatz 2 vorgewählt und hätten sogar Bürgermeister werden können. Warum wollten Sie nicht?

Pabst: Das Handwerk ist eher mein Metier, da ist man sich sicher. In der Politik weiß man nie, was kommt.

Die Zahl der Innungsbetriebe in Nürnberg ist von einst 120 auf 65 gesunken. Was fehlt an politischen Weichenstellungen?

Pabst: Der Mittelstand hat es schwer, unter anderem weil zu viele Menschen zu wenig Geld in der Tasche haben. Wir brauchen eine Steuersenkung für die kleinen Leute.

In Ihrer Zeit als Stadtrat und OM hatten Sie acht bis zehn Ehrenamts-Termine pro Woche. Würden Sie jungen Bäckern so ein Engagement empfehlen?

Pabst: Ja. Es geht natürlich nur mit einer Frau, die einem den Rücken freihält und guten Mitarbeitern. Aber eine Umsatzeinbuße wird durch das Wissen und die Freude aufgewogen, etwas erreicht zu haben.

Das Handwerk muss einfach vertreten sein in der Politik – wir können doch nicht alle Entscheidungen den anderen überlassen! (buc)


Artikel vom 06.05.2009
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