Markt & Meinung

Das Gen-Gespenst geht um


Eigentlich sollte man meinen, dass das Thema gegessen ist. Die Verbraucher haben in Umfragen und durch Konsumboykott ihre Einstellung dargelegt. Der Einzelhandel hat schon gelistete Lebensmittel wieder aus dem Sortiment genommen. Die Rede ist von Lebensmitteln mit nachweislich genveränderten Bestandteilen. Die Akzeptanz ist praktisch gleich Null. Der Rückzug verständlich. Der Versuch nicht strafbar. Sollte man meinen. Aber trotzdem werden immer wieder Untersuchungen von sogenannten unabhängigen Forschungsinstituten zitiert, die die Harmlosigkeit, Unbedenklichkeit und den Nutzen dokumentieren sollen: Die grüne Gentechnik ist und bleibt ein groß angelegter menschlicher Tierversuch. Und komme mir jetzt ja niemand mit Entideologisierung der Debatte. Es gibt keine Langzeitversuche. Erbgutverändernde Kettenreaktionen können auf Dauer nicht ausgeschlossen werden. Das gesundheitliche Risiko ist nicht abzuschätzen. Und auch die Abhängigkeit von der Saatgutmafia kann nicht gesund sein.

Was soll das also für eine Ideologie sein, die Genfood vor diesem Hintergrund ablehnt? Ich glaube eher, dass Kapital- und Finanzideologen ihre Felle davon schwimmen sehen. Denn setzt sich der Saatgutkommunismus nicht durch, droht das ganz große Geschäft der Agrarindustrie zu platzen. Aber was schreibe ich da? Die Genfoodlobby arbeitet weiter erfolgreich an der flächendeckend Einführung transgener Kultur- und Nutzpflanzen (Bericht auf S. 2). Das Gen-Gespenst geht weiter um. Vor allem in den USA und in Entwicklungsländern werden immer mehr Flächen umgestellt. Aber auch in Europa fällt grüne Gentechnik auf fruchtbaren Boden. Ob wir wollen oder nicht. Quasi durch die Hintertür werden uns nach und nach Substanzen aus der Retorte untergejubelt. Soja und Mais z.B. sind Produkte, die es, wenn es so weiter geht, fast nur noch genmanipuliert zu kaufen gibt. Schon deshalb muss das Bäckerhandwerk eindeutig Flagge zeigen im Sinne von: Genfoodfreie Zone. Mit der Aktion „Ährensache“ (ABZ 10, Seite1) wurden jedenfalls Zeichen gesetzt. R. Wolf


Artikel vom 04.04.2007
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