Trends & Märkte

Brotkonsum im demographischen Wandel

Aktuelle Verbrauchertrends: Veränderte Marktanteile / Brotbackmischungen zugelegt / Beim Backwarenimbiss an erster Stelle


Bergholz-Rehbrücke (schl). Der im ersten Halbjahr 2005 erstmals wieder gestiegene Umsatz im Backhandwerk lässt die Branche hoffen. Für 84 Prozent der Deutschen zählen Brot, Brötchen und Kleingebäck nach wie vor zu den Grundnahrungsmitteln. Täglich werden pro Person durchschnittlich 236 Gramm davon verzehrt. Dennoch unterliegt auch diese durch traditionelle Essgewohnheiten geprägte Branche Veränderungen. Innovative Produkte, neue Verzehrgewohnheiten und sich verschiebende Marktanteile bleiben für den Konsum nicht ohne Folgen.

Auf der 15. Internationalen Tagung des Instituts für Getreideverarbeitung GmbH (IGV), erläuterte Ruth Kirchmann, ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtstelle GmbH), Bonn, den 95 Teilnehmern aus sechs europäischen Ländern die aktuellen Verbrauchertrends. Die diversen Daten basierten auf statistischen Auswertungen aus dem sogenannten GfK-Haushaltspanel, bei dem bundesweit zwischen 8000 und 13.000 Haushalte detailliert über ihre Lebensmitteleinkäufe befragt wurden.

Ältere Mitbürger – kleinere Haushalte

Zwei wichtige Erkenntnisse stellte die Referentin an den Anfang. So wird die Bevölkerung im Lande nicht nur immer älter sondern unterliegt einem Schrumpfungsprozess. Von den 82 Mio. Deutschen in 2001 waren 17 Prozent 65 Jahre und älter. Bis 2050 reduziert sich die Bevölkerung auf schätzungsweise 75 Mio. Dann zählt bereits jeder dritte Bürger zu den Senioren. Entsprechende Veränderungen sind in den Privathaushalten auszumachen. Bereits seit 1990 dominieren die Single-Haushalte mit 35 Prozent. Tendenz bis 2015 auf 37 Prozent steigend. An zweiter Stelle rangierten die 2-Personen-Haushalte, deren Anteil sich in diesem Zeitraum von 30 Prozent auf 33 Prozent erhöhte. Nur noch 15 Prozent der Familien zählten ab 1999 drei Mitglieder. Ausgesprochenen Seltenheitswert mit 5 Prozent Anteil hatten Großhaushalte mit fünf und mehr Personen.

Nachfrage nach frischem Brot um 3,8 Prozent gesunken

Laut Angaben von Ruth Kirchmann ist die Nachfrage nach frischem Brot in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Allein von 2003 zu 2004 wurde ein Minus von 3,8 Prozent registriert. Die Verzehrmenge reduzierte sich von 52,1 kg auf 48,2 kg pro Person und Jahr. Außerdem konstatierte die Referentin eine nicht zu unterschätzende Verschiebung im Markt. Die Haupteinkaufsstätte für Brot mit rund 40 Prozent Anteil ist zwar nach wie vor die Bäckerei inklusive der Vorkassenzone, jedoch haben Aldi, Lidl und Co. mit ihrem durchschnittlich um die Hälfte preiswerteren Angebot in diesem Segment aufgeholt.

Jedes dritte Kilogramm beim Discounter gekauft

In 2004 wurde bereits jedes dritte Kilogramm Brot beim Discounter gekauft. Wie die Datenauswertung weiter ergab, sind die Käuferstrukturen beim Brot alterslastig. 75 Prozent des Produkts wurden von Haushaltsführenden ab 40 Jahren gekauft, obwohl diese Haushalte nur 66 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Einen Grund sah die Datenexpertin darin, dass den Mahlzeiten in den älteren Haushalten ein größeres Zeitdepot eingeräumt wird. Insbesondere Frühstück und Abendessen, bei welchen traditionell Brot eine wichtige Rolle spielt, werden mit zunehmendem Alter häufiger eingenommen. In den jüngeren Haushalten ist zudem der Außer-Haus-Konsum nicht zu unterschätzen, unterstrich die Referentin.

Convenience-Produkte

stark nachgefragt

Die einfache und möglichst bequeme Zubereitungsart von Speisen entspricht bereits seit längerem dem Trend der Zeit. Alternativen im Backwarensortiment wie Cerealien, süße TK-Snacks und Fertigkuchen erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Vor allem aber konnten Brotbackmischungen in den letzten fünf Jahren bemerkenswerte Zuwachsraten verzeichnen: 56 Prozent von 2001 zu 2002 und weitere 59 Prozent bis 2003. Die Verzehrmenge vervierfachte sich von 32.840 Tonnen im Jahr 2000 auf knapp 113.000 Tonnen in 2004. Sowohl Einkaufsfrequenz als auch Käuferreichweite verdoppelten sich.

6, 4 Mio Brotbackautomaten in den Haushalten im Einsatz

Inzwischen backen 30,1 Prozent der im GfK-Haushaltspanel Befragten ihr Brot selbst. Im letzten Jahr verfügten 6,4 Mio. Haushalte in Deutschland über einen Brotbackautomaten. Neben der Produktfrische dürfte laut Einschätzung von Ruth Kirchmann dabei auch der Eventgedanke, z.B. bei Familien mit Kindern, eine große Rolle spielen.

Die Discounter reagierten schnell und haben den Markt für Brotbackmischungen bestens im Griff, konstatierte sie.

Gekühlte Frischteige werden

zunehmend nachgefragt

Auch gekühlte Frischteige, die nur noch belegt und in den Ofen geschoben werden müssen, erfreuten sich eines stetig wachsendes Käuferpotenzials. Während jüngere Konsumenten Backmischungen für Kuchen, Torten und Plätzchen bevorzugten, schätzten ältere Verbraucher besonders Fertigböden oder Backmischungen für süße Gerichte.

Unterschiede waren auch im Geschmack festzustellen. In jüngeren Haushalten und mit Kindern dominierten helle Sorten wie Fladen-, Toast- und Weizenbrot. Spezialbrote wie Kümmel- oder Kürbiskernbrot fanden in den älteren Segmenten ihre Liebhaber.

Teilweise deutliche Unterschiede zeigten sich trotz fast gleicher Menge verzehrten Brotes bei der Betrachtung des Einkaufsverhaltens zwischen deutschen und ausländischen Haushalten. So decken 41 Prozent der deutschen Haushalte ihren Brotbedarf beim Bäcker während in ausländischen Haushalten überwiegend der Preisvorteil beim Billiganbieter wichtig ist.

Bäckereien beim

Backwarenimbiss Nummer 1

In 2004 konnte beim Außer-Haus-Verzehr von belegten Brötchen, Sandwiches, Gebäck und Backwaren wieder ein leichter Zuwachs von 2,5 Prozent analysiert werden, was für eine insgesamt konstante Marktentwicklung in diesem Segment spricht. Dabei nahmen die Bäckereien mit 28 Prozent Verzehranteil eine deutliche Spitzenposition ein. 24 Prozent erzielten Kantinen und Betriebsrestaurants mit ihrer offenbar stark ausgebauten Frühstücksofferte. Lediglich 5,8 Prozent betrug dagegen der Imbiss dieser Produktgruppe beim Metzger.

Wie Ruth Kirchmann abschließend unterstrich, konzentrierte sich die ZMP bei der statistischen Auswertung der Daten vorzugsweise auf Markttransparenz, die Feststellung von Marktveränderungen und Trendanalysen. „Die Wertung und ggf. die Überarbeitung der eigenen Marketingstrategien überlassen wir den einzelnen Unternehmen selbst“, betonte sie.


Artikel vom 01.12.2005
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