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Brot und Salz, Gott erhalt's

ZK-Pressekonferenz: Etappensieg bei Lebensmittelinformations-VO / Stabile Entwicklung der Branche


Berlin (schl). Zwei Kernaussagen standen im Mittelpunkt der vom Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks einberufenen Jahrespressekonferenz. Erstens: Die Qualität traditionell hergestellter Backwaren haben für Verbraucher weiterhin einen hohen Stellenwert. Und zweitens bilanzierten die etwa 15.000 Betriebe mit rund 292.000 Beschäftigten eine stabile wirtschaftliche Entwicklung.

Bäckerzunft hat Zukunft

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat den Handwerksbäckern weniger zugesetzt als den Industrieunternehmen oder Banken. Für 2009 konstatierte die Zunft einen Umsatz von 12,86 Mrd. Euro. Ein Ergebnis, das in etwa dem Vorjahresvolumen entsprach. Die Mitarbeiterzahl konnte sogar um 4100 leicht gesteigert werden. Ebenso erfreulich ist die konstante Entwicklung im Ausbildungssektor mit rund 36.000 Lehrverhältnissen für den Bäcker- und Verkäuferbereich. Auch beim Marktanteil von 50 Prozent hatten die Handwerksbetriebe wacker ihre Stellung gegen Backindustrie und Discounter verteidigt.

Der heftige Streit um den Salzgehalt im Brot auf EU-Ebene erhitzte die Gemüter. Hintergrund sind die Diskussionen um die Nährwertprofile, die künftig Auskunft darüber geben sollen, ab wann ein bestimmter Gehalt an Zucker, Fetten oder Salz nicht mehr als gesund betrachtet werden kann. Bei der von Bürokraten geforderten Absenkung auf 1,3 Prozent Salz auf Mehl befürchten Handwerksbäcker, Ernährungswissenschaftler und Konsumenten zurecht ein fades Einheitsbrot statt traditionelle Produktvielfalt. Ein „absurder Angriff der EU-Regulierungswut“ auf die Rezepturfreiheit des Bäckerhandwerks und eine unzulässige Bevormundung des Konsumenten, kritisierte ZV-Präsident Peter Becker auch die aufwendige Kennzeichnung loser Ware mit Nährwert-Etikett. Stattdessen plädierte er für den Erhalt nationaler und regionaler Lebensmittelvielfalt in Deutschland und Europa.

Schützenhilfe erhielt er von dem Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Hans-Joachim Zunft aus Bergholz-Rehbrücke. Explizit verwies er auf den nachweisbaren Gesundheitseffekt der Vitamin- und Ballaststoffreichen deutschen Brotauswahl.

Bei der am 16. März 2010 stattgefundenen Tagung des EU-Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit hatten die deutschen Parlamentarier in Brüssel für eine praxisgerechte Lebensmittelinformations-VO plädiert. Ein Etappensieg, aber noch keine Entwarnung für das deutsche Backhandwerk.

Abgeordneter Dr. Peter Liese, Sprecher der Christdemokraten im Ausschuss, sprach sich auf der ZK-Pressekonferenz für eine sachliche Diskussion um die Novellierung der Health Claims aus. Als Mediziner aus einer Bäckerfamilie machte er deutlich, dass die traditionell hergestellte, geschmacklich vielfältige und ernährungsphysiologisch gesunde Brotvielfalt auch in Zukunft erhalten bleiben soll. Bleibt abzuwarten, ob das EU-Plenum im Mai/Juni den Anträgen entspricht.


Artikel vom 24.03.2010
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