Markt & Meinung
Brot gelungen emotionalisiert

Fastfood tendiert immer mehr zu Fastgood. Das ist einer von vielen Ernährungstrends, der nichts anderes besagt, als dass Fastfood-Ketten verstärkt auf gesunde und ökologisch unbedenkliche Rohstoffe und Angebote setzen. Schließlich will man vom Image als Dick- und Krankmacher der Nation wegkommen. Hier soll der Wandel vom gastronomischen Übel- zum kulinarischen Wohltäter vollzogen werden. Schnelles Speisen und gesunde Ernährung schließen sich nicht mehr aus, so die werbewirksame Botschaft. Und da spielt offenbar das gute alte Brot wieder vermehrt eine Rolle. Wie anders ist zu erklären, dass immer mehr sogenannte Systemgastronomen ihren Job quasi als soliden Brotberuf interpretieren. Hier wird der Mythos von der archaischen Kraft des Brotes bedient (siehe auch ABZ 9, Seite 1), ist keimende Kornkraft die Basis für modernen Lifestyle und das Versprechen für eine langes und vitales Leben. Es wird ein ehrliches und hochwertiges Produkt mit Feinkostcharakter als Zugpferd präsentiert. Brot nährt demnach in idealer Weise die Sehnsucht nach schmackhaften, gesunden und ehrlichen Lebensmitteln. Das hat man offenbar erkannt. Und so könnte man werbetechnisch von der gelungenen Emotionalisierung des Allerweltsbrotes sprechen. Imagemäßig kann das dem Bäckerhandwerk nur recht sein. Nur sollte darauf geachtet werden, dass man bei diesem Geschäft nicht nur die Brosamen abbekommt. Denn wer nur das altbackene Image des Brotes bedient, schaut künftig in die Röhre. Was die Kunden wollen, ist gebackene Gesundheit, Geschichte und Begeisterung. Dann noch ein Schuss Kaffee „ans“ trendige Ambiente mit pfiffigen Snacks ... so lautet das Erfolgsmenü vieler Mitbewerber. Aber auch einige Bäcker haben die Kaffeekultur und die Gastronomie als Erfolgsrezept für sich entdeckt. Wer es dann noch schafft, das Brotangebot zu emotionalisieren, ist eindeutig im Vorteil. Denn die Coffee-Shops und Fastfood-Ketten kochen nur mit Wasser – aber sie machen es mit System. Diesbezüglich kann man sich auf der Internorga (ab Seite 9) vielfältige Anregungen holen. Reinald Wolf
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