Trends & Märkte

Brot als gesunden Hochgenuss in Szene gesetzt

Grüne Woche in Berlin: Regionale Backwaren und Ernährungstipps im Angebot / Back- und Kochshows setzten Trends pro gesunde Kost


Berlin (schl). Der Dauerdiskussion um sinkende Kaufkraft zum Trotz: Mit ihrer grenzenlosen Vielfalt rangierte die Grüne Woche auch in diesem Jahr wieder ganz oben in der Verbrauchergunst. Auf der weltgrößten Schlemmerschau hatten die Messegäste die Qual der Wahl zwischen exotischen, heimischen oder innovativen Geschmackserlebnissen. Zum Erfolg des kulinarischen Stelldicheins unterm Funkturm hatten Ernährungsindustrie, Landwirtschaft und Nahrungsmittelhandwerk gleichermaßen beigetragen.

Bestes vom Bauern ergänzte das Berliner und Brandenburger Backhandwerk durch Bestes vom Bäcker. Stets dicht umlagert waren vor allem die Schaubackstuben, wo duftende Brote, Brötchen und Feingebäcke hergestellt wurden. Am Hauptstadt-Stand in Halle 20 waren Mitarbeiter der Berliner Bäckerinnung und der Karl-Grüsser-Fachschule unermüdlich im Einsatz, um Butterkuchen, Quarkbällchen, Minipfannkuchen, Wurzelstangen und Topinamburbrote herzustellen.

Nebenan in der stets stark frequentierten Brandenburg-Ausstellung hatten quasi die Branchenkollegen vom Lande Quartier bezogen. Die Bio-Backhaus GmbH von Hans-Jürgen Leib trumpfte mit zwei neuen Programm-Highlights auf. Das „Falken“, der Messeklassiker von 2006, wurde den Besuchern in diesem Jahr auf mediterrane Art als „Der Helle Falken“ angeboten. Einen echten Hit für Kids kreierte Bäckermeister Leib zudem mit seinem „Schulbrot“. Statt Fast Food und Süßigkeiten zu tolerieren, sollten Eltern aus ernährungsphysiologischer Sicht auf gesunde Pausensnacks achten. Die von ihm kreierte Brotsorte, ein geschmackvoller Mix aus Dinkel, Roggen, Hafer und Buttermilch mit hohem Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen, steigert nicht nur Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit sondern stärkt des weiteren Knochenbau und Nervensystem.

Denkanstöße für gesundes Essen vermittelten auf der Grünen Woche in diesem Jahr auch Deutschlands TV-Starköche. Auf der Bühne im Ausstellungsteil Erlebnisbauernhof demonstrierten sie, dass Selber-Kochen auch Spaß machen kann. Dabei standen vorrangig regionale Gerichte aus heimischen Erzeugnissen auf der täglich wechselnden Menükarte. In den Pausen servierte Promi-Koch Ralf Zacherl dem vorzugsweise jugendlichen Publikum zudem immer wieder „lecker belegte Schnittchen“. Das gemeinschaftliche Plädoyer für gesunde Kost ist bitter nötig. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland schon 1,9 Mio. Heranwachsende, d.h. 15 Prozent, übergewichtig und adipös.

Mit langer Teigführung

Zum neunten Mal war auch die Bäckerei und Konditorei Fahland aus Wilhelmshorst bei Potsdam vor Ort, um mit aus regionalen, ursprünglichen und sorgfältig ausgesuchten Rohstoffen hergestellten Brot-, Brötchen- und Kuchensorten zu verwöhnen. Bäckermeister Frank Fahland, der in diesem Jahr auf 55 erfolgreiche Unternehmensjahre blicken kann, hatte als Messe-New Dinkelhanf-Vollkornbrot mitgebracht. Er bekennt sich explizit zum traditionellen Backen, das sich durch handwerkliche Herstellung mit langer Teigführung auszeichnet. Auch Fertigmischungen und Vorprodukte sind tabu.

Hochbetrieb herrschte vor der Ausbildungsbackstube des Bäckerhandwerks in Halle 3.2. Familien mit Kindern und vor allem viele Schulklassen nutzten die Gelegenheit, den Bäcker- und Verkaufsazubis beim Mischen, Teigkneten und Backen zuzusehen. Neben den süßen Sachen erwiesen sich auch hier die Backwaren mit Topinambur als Verkaufshits.

In der Bio-Halle offerierte die seit 1981 ökologisch backende Märkisches Landbrot GmbH den ernährungsbewussten Kunden eine Auswahl ihres Sortiments. Das in Berlin-Neukölln ansässige Unternehmen bezieht seine Rohstoffe, insbesondere Getreide und weitere Zutaten, aus biologisch-dynamischen Demeter-Anbau auf kurzem Wege aus dem Umland. Zum Repertoire zählen ca. 40 verschiedene Sorten Brot, knusprige Brötchen und schmackhafte Gebäcke. Unter dem Slogan „Alte Getreidesorten – neuer Geschmack“ setzte der Betrieb in diesem Jahr vor allem mit seinem Emmer-Brot Akzente. Die nussig, würzigen Backwaren aus Emmer sorgten für neue Genusserlebnisse. Auch die Inhaltsstoffe sind überzeugend. Emmer hat ein gutes Verhältnis von Kohlenhydraten zu Eiweiß, einen hohen Gehalt an essentiellen Aminosäuren und gegenüber dem herkömmlichen Weizen nahezu die doppelte Menge an Mineralstoffen, darunter Zink, Eisen, Magnesium und Calcium.

Etwa 100.000 Fachbesucher nutzten die weltgrößte Ernährungsschau zudem als wichtige Kommunikations- und Informationsplattform – Anregungen für die eigene Arbeit inklusive. Nicht zuletzt deshalb fand die turnusmäßige Vorstandssitzung der Bäckerinnung Berlin-Brandenburg im Rahmen der Grünen Woche statt. Dabei erläuterte Geschäftsführer Nikolaus Junker den Mitgliedern die aktuellen Branchentrends. Exklusiv erhielten sie zudem die in der Fachschule entwickelten Rezepte für Topinambur-Backwaren und Longfinger, einem auf der Messe ebenfalls mit großem Erfolg verkauften Weizenmischbrötchen.


Artikel vom 16.02.2007
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