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Brötchen mit zwei Oberseiten erfunden


Langenhagen (p). Der Streit um Brötchenhälften am Frühstückstisch gehört der Vergangenheit an, wenn es nach Martina Wrede geht. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, hat die 46-Jährige aus Edemissen (Kreis Peine) ein Brötchen mit zwei Oberseiten erdacht und beim Patentamt schützen lassen.

„Da ist noch keiner drauf gekommen“, freut sich ihr Bruder Anton Brtschitsch (51). Der Uelzener hat die spezielle Backform für die Supersemmel entworfen und das Backwerk zusammen mit Bäcker Gerhard Bosselmann (49) aus Langenhagen zur Serienreife gebracht. Bosselmann bietet das konfliktfreie Brötchen ab Ende Juli an. Noch im Herbst rechnen die Teigtüftler mit bundesweiten Lizenznehmern.

„Schon als Kind habe ich darüber nachgedacht, warum ich überhaupt die Unterhälfte essen muss“, erzählt Martina Wrede. Aber erst der Streit am Frühstückstisch der eigenen Familie trieb die dreifache Mutter zum Handeln. Sie erinnerte sich an das Motto „Geht nicht, gibt“s nicht“ ihres Zeit seines Lebens erfinderischen Vaters und setzte ihren Bruder „Toni“ auf die Brötchenmission an. Weil Brtschitsch als selbstständiger Berater Maschinen und Prozesse in der Lebensmittelindustrie optimiert oder erfindet, war er um eine Lösung nicht verlegen.

Neben der Backform mussten aber auch neue Rezepte erprobt werden. „Den normalen Brötchenteig kann man nicht nehmen“, erklärt Bäcker Bosselmann. Im Ergebnis seien die Doppel-Wecken mit 80 Gramm Gewicht rund zehn Prozent schwerer als herkömmliche Brötchen. Deshalb und wegen des Mehraufwandes bei der Herstellung sollen die neuartigen Brötchen 40 Cent kosten – rund 10 Cent mehr als konventionelle Ware. Einigen seiner Berufskollegen hat Bosselmann schon von der Innovation erzählt: „Das Feedback ist gewaltig.“

Einen weiteren Markt für die zwei identischen Brötchenhälften sehen die Erfinder im Catering-Bereich, wo Unterhälften oft erst gar nicht angeboten oder von den Gästen geschmäht würden. „Für mich ist das auch ein Lebensgefühl, nur Oberhälften zu essen“, schwärmt Martina Wrede, die als Coach im Personalbereich arbeitet. „Egal, wie man das Brötchen dreht und wendet, es ist oben.“

Als Wrede beim Deutschen Patent- und Markenamt in München vorsprach, um den Geschmacks- und Gebrauchsmusterschutz zu beantragen, konnte sie kaum glauben, dass sich tatsächlich noch niemand des allgegenwärtigen Hälftenproblems angenommen hatte. „Jetzt freue ich mich, dass die ersten Brötchen aus dem Ofen kommen.“ Mit „Hildes“ hat die Brötchen-Kreation übrigens auch einen Namen – zu Ehren der verstorbenen Mutter von Brtschitsch und Wrede.


Artikel vom 24.06.2008
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