Trends & Märkte
Boomender Functional Food-Markt
Produkte nur erfolgreich, wenn Zusatznutzen für den Endverbraucher erkennbar ist
Tokio (rgb). Über 5.500 neue Functional Food sind seit 1990 auf den japanischen Markt gekommen. Zwar gibt es in Deutschland noch kein solch starkes Segment funktionaler Lebensmittel, aber immerhin 40 Prozent aller Haushalte greifen gelegentlich zu diesen Produkten, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) in Nürnberg ermittelte.
6,5 Mrd. Euro waren den Bundesbürgern 2004 Nahrungsmittel und Getränke wert, die einen zusätzlichen Gesundheitswert versprechen, obwohl diese Lebensmittel um 30 Prozent teurer sind. Hier greift die „Geiz ist geil“-Masche nicht. Aber, und dies räumt man auch bei den Lebensmittelkonzernen ein, wenn die Erklärung um den zusätzlichen Produktnutzen für den Verbraucher nicht greift, wird der Artikel ein Flop. Nestlé nahm den Gemüsedrink „Vega Plus“ und auch einen Müsliriegel wieder vom Markt.
Spitzenreiter sind weiterhin die probiotischen Joghurts, die den Boom auch vor mehr als zehn Jahren auslösten. Hier drängen sich Unilever, Nestlé und Novartis in der Nische, die 1,7 Prozent Marktanteil für sich beansprucht. Angestrebt sind bis 2010 vier Prozent, wobei die Tendenz in anderen EU-Staaten sehr viel ausgeprägter ist. Insbesondere in den Mittelmeerländern, in denen es keinen Vitaminmangel geben sollte, sind die nicht zumindest mit ACE-angereicherten Getränkekartons die Ausnahme.
Der Trend, bereits natürliche Produkte noch natürlicher zu machen, hat in den Labors der Lebensmittelproduzenten wie eine Epidemie um sich gegriffen. Die Rezepturen aller Marken werden dahingehend überprüft, ob sie sich nicht anreichern lassen. Maggi fügte der schnellen Brühe noch Olivenöl und Kräuter hinzu, Unilever seinen Knorr-Süppchen noch einige Vitamine. Glyx-Brote lassen sich recht gut verkaufen, wenn der Zusatznutzen für den Endverbraucher erkennbar ist, wie auch das Omega-3-Brot sich auf dem Markt etabliert hat.
Aber cholesterinfreies Wasser oder durchblutungsfördernde Schokoriegel wecken dann doch die Skepsis, zumal von vielen Wissenschaftlern grundsätzlich die Wirksamkeit in Frage gestellt wird. Sie mutmaßen, dass Rotbusch-Tee mehr der finanziellen Gesundheit der Produzenten dient, als der medizinischen Gesundheit des Genießers. Verbraucherschützer fordern deshalb bereits Kontrollmechanismen und hoffen auf eine EU-Regel, welche die Werbung für Functional Food umreißt. Unterstützung bekommen sie von der Industrie selbst, denn die hofft wiederum auf eine konkurrenzbereinigende Regelung.
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