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Bits, Bytes und Brezeln
Der Online-Händler Amazon will Verbraucher von der Bäckerei ins Internet locken / Sogar Bio-Brot gibt es per Mausklick
Stuttgart (mfi). Es funktioniert – sagen Nutzer. „Kaum war das Paket offen, zog ein unbeschreiblicher Duft durch unsere Wohnung“, schwärmt „Josefine“ vom Roggenfladen mit Gewürzkruste. Eine andere Nutzerin hätte den Demeter-Krustenfladen am liebsten sofort ganz verspeist. Seit Anfang des Monats verkauft der Online-Händler Amazon Lebensmittel und mischt im Brotgeschäft mit. Mehr 47.000 Produkte locken in der virtuelle Theke, darunter 1700 Brot- und Backwaren. Frische Ware ist rar – bis jetzt.
Amazon bindet nach und nach Verkaufspartner wie den fränkischen Brotboten ein. Fünf handwerkliche Bäckereien backen einmal pro Woche für den Boten. Und der sorgt dafür, dass Ware wie der Demeter-Krustenfladen binnen 24 Stunden beim Kunden sind. Ein anderer Amazon-Partner ist „Amorebio“. Der Logistiker kooperiert mit einem Bio-Bäcker und versendet neben Brot auch Brötchen und Brezeln.
Bäckermeister Raimund Licht kann der Idee wenig abgewinnen. Wer auf seiner prämierten Website „Online-Shop“ anklickt, bekommt zu lesen: „Nicht mit uns!“ Seine Frischware auf eine lange Reise zu schicken, kommt für den Unternehmer in Lieser nicht in die Tüte. Licht: „Im Nahbereich könnte ein Online-Bestelldienst vielleicht funktionieren.“ Doch der Service in der näheren Umgebung klappt auch so. „Wir haben Dauerkunden, die bestellen hin und wieder kurzfristig per E-Mail.“ Das Web als Vertriebskanal nutzt Licht nur für seinen Weihnachtsstollen. „Der kann und soll reifen.“
Auch Amin Werner hält wenig von der Idee. „Das Internet vermittelt keine Frische“, betont der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands. Für den Online-Handel mit frischem Brot sieht er kein großes Potenzial. Marktforscher beurteilen das ähnlich. Chancen im Online-Geschäft hätten vor allem Händler, die Spezialsortimente ohne Frischwaren anbieten, heißt es. Als erfolgversprechend gelten zum Beispiel Spezialnahrungsmittel für Allergiker oder exotische Feinkost – also hochpreisige Produkte.
Noch dümpelt das Online-Geschäft dahin. 150 Mrd. Euro geben die Deutschen im Jahr für Lebensmittel aus. Magere 0,5 Prozent entfallen auf Waren aus dem Internet. Am Gesamtumsatz mit Online-Waren machen Lebensmittel gerade einmal drei Prozent aus. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels aber rechnet damit, dass das Geschäft anzieht. Die Aussichten seien „besser denn je“, heißt es.
Schon jetzt über ein kräftiges Wachstum freut sich der Frühstücksdienst Morgengold. Das Unternehmen zählt bereits 270.000 Kunden in Deutschland und Österreich. Das Web ist ein wichtiger Erfolgsbaustein. 60 Prozent der Kunden ordern Backwaren per Mausklick. Umsatzplus im ersten Halbjahr: 13,4 Prozent.
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