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Biosprit wird Brot teuer machen

Beimischungspflicht von Bioethanol gilt ab 2007 / Große Teile der Weizenproduktion könnten im Fermenter landen


Stuttgart / Bonn (kh). Regenerative Energie zu fördern, ist prinzipiell positiv zu bewerten, darüber sind sich wohl alle einig. Wenn nun aber regenerative Energie aus Biomassen erzeugt wird, ist das bisweilen ein zweischneidiges Schwert, wie die aktuelle Diskussion, um den vorgeschriebenen Zusatz von Bioethanol zu Ottokraftstoffen belegt.

Gesetz als Zwangskorsett

Ab dem 1. Januar 2007 gibt es die gesetzliche Vorgabe, dass jeder Ottokraftstoff zu 2 Prozent aus Bioethanol bestehen muss. Dazu sind in den letzten Jahren in Deutschland drei große Bioethanol-Anlagen entstanden. Der Verband Deutscher Mühlen rechnet nun vor, dass allein für 2007 ein Getreidebedarf von rund 2 Mio. t Weizen notwendig ist. Der Gesetzgeber schreibt weiter vor, das der Anteil an Bioethanol bis 2010 auf den Wert von 5,75 Prozent gesteigert werden muss. Das entspricht dann einer Menge von 6 Mio. t allein für den deutschen Markt. Geht man von der in diesem Jahr zu erwartenden Erntemenge beim Weizen von rund 20 Mio. t aus, so wird es im Jahr 2010 so sein, dass rund ein Drittel der gesamten Erntemenge an Weizen in die Ethanolproduktion wandert. Diese Fehlmenge für den Futtermittelmarkt wie für die Brotgetreideherstellung würde Weizen zu einem knappen und damit teuren Gut machen.

Preisprognosen

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. hat in mehreren Studien untersucht, ab welchem Preisniveau Biokraftstoffe ohne staatliche Subventionen wettbewerbsfähig sind. Sie schreibt: „Die Wettbewerbsfähigkeit von Biokraftstoffen wird ab einem Rohölpreis von rund 75 $ pro Barrel erreicht.“ Wer die Preisentwicklung beim Rohöl in den letzten Monaten verfolgt hat, dem wird klar, dass wir diese Marke teilweise schon überschritten haben. Damit wird die Bioethanolproduktion sowohl für die Industrie als auch die Landwirtschaft immer lukrativer.

Züchtung und Sortenauswahl

Bislang galt für die Züchtung die Prämisse: Sorten zu generieren, die sich in ihren Eigenschaften beim Getreide weitgehend an den Qualitätserwartungen bzw. -anforderungen der Brotgetreideproduktion orientierten. Ganz vereinfacht gesagt: Alles was sich nicht als Brotgetreide eignet, geht in die Futtermittelproduktion. Für die Bioethanolerzeugung gelten aber andere Qualitätskriterien als für Brotgetreide. Daher ist bei einem so starken Anstieg der Nachfrage davon auszugehen, dass sich auch die Züchtung teilweise in die Richtung Bioethanol-Anforderungen entwickeln wird.

Was die Entwicklung der Getreidepreise angeht, so war es weder dem Mühlenverband, noch dem Bauernverband möglich, eine Prognose abzugeben. Beide waren sich aber darin einig, dass die Getreidepreise in den kommenden Jahren deutlich anziehen werden. Der Hauptgeschäftsführer des Mühlenverbandes, Manfred Weizbauer zeichnet ein für die Mehlpreise eher düsteres Bild: „Die Einkaufspreise für Getreide liegen in diesem Jahr bislang zwischen 40 und 50 Prozent über denen des Vorjahres.“ Wenn man berücksichtigt, das der Getreidepreis rund 25 Prozent des Mehlpreises ausmacht, kann sich jeder Bäcker ausrechnen, in wie weit es in diesem Jahr zu Preissteigerungen kommen wird.

Die diesjährige Preissteigerung ist aber noch nicht mit der Ethanoldisskussion zu begründen, vielmehr hat sie ihre Ursache in den um deutlich mehr als 10 Prozent rückläufigen Erntemengen aufgrund der heißen Witterung.


Artikel vom 01.09.2006
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