Meinung
Bio-Markt: Zielgruppen differenziert analysieren
Bio-Brote und Brötchen stehen hoch im Kurs / Kaufmotive für Bio unterschiedlich
Auf dem Schreibtisch von Holger Knieling, geschäftsführender Vorstand der BÄKO-Zentrale Süddeutschland eG, laufen alle wichtigen Informationen über Daten, Fakten und Trends am Bio-Markt zusammen. Die ABZ sprach mit dem Kenner des Marktes und seine Einschätzungen der zukünftigen Entwicklung.
ABZ: Herr Knieling, der Bio-Bereich scheint in diesem Jahr leicht rückläufig zu sein. Welche Erfahrungen haben Sie im Verlauf dieses Jahres gemacht?
Holger Knieling: Der Bio-Bereich hatte es in der ersten Hälfte 2009 nicht leicht, denn die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen drückten auf die Grundstimmung der Verbraucher. Allerdings ist eine differenzierte Betrachtung der Situation notwendig.
Bio entwickelt sich wieder mehr zum echten Fachthema, denn die Rückgänge, die von Marktforschern gemeldet werden, beziehen sich insbesondere auf die Umsätze der Discounter, wobei die Umsätze der Fachanbieter – und dazu zählen auch die Bio-Bäcker – weniger oder gar nicht leidend sind. Das setzt natürlich die konsequente Umsetzung des Themas Bio im Backbetrieb voraus.
Warum ist Bio für Bäckereien und Konditoreien weiterhin ein wichtiger Faktor?
Knieling: Es war zu erwarten, dass in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen auch Marktsegmente wie Bio leiden können. Zudem hat sich die Begeisterungswelle von 2006 langsam verflacht und es zeigt sich eine leichte Konsolidierung zu einem stabilen Kernmarkt. Und genau deshalb bin ich mir sicher: Bio etabliert sich weiterhin langfristig als attraktives Marktpotenzial für die Backbetriebe. Viele Zukunftsforscher belegen diese These durch die differenzierte Betrachtung von Verbraucherverhaltenstrends.
Woran denken Sie im Speziellen?
Knieling: Zum Beispiel an die sogenannten LOHAS. Um sich über diese wachsende Zielgruppe schlau zum machen, brauchen Sie nur kurz ins Internet zu gehen.
LOHAS ist eine Abkürzung für „Lifestyles of Health and Sustainability“ und bedeutet etwa „Ausrichtung der Lebensweise auf Gesundheit und Nachhaltigkeit“. Das sind top-moderne Menschen und weit entfernt von der alten Bio-Szene. Dabei handelt es sich häufig sogar um Personen mit überdurchschnittlichem Einkommen. In Deutschland sollen ungefähr 15 Prozent der Verbraucher diesem Typ entsprechen. Untersuchungen zeigen, dass die LOHAS typische Bio-Kunden sind. Ein weiteres Beispiel ist die Generation 60plus, welche im Konsum von Bio-Backwaren ebenfalls aktiv und stark vertreten ist. Natürlich gibt es diese Kunden nicht überall. Das ist standortabhängig.
Ist „Bio“ für den Konsumenten das entscheidende Kriterium für den Kauf eines Bio-Produktes oder ein zusätzliches, gern mitgenommenes Leistungsversprechen?
Knieling: Das ist genau die Frage nach den unterschiedlichen Konsumentenzielgruppen. Die wirklichen Bio-Überzeugungskäufer sind weiterhin ein kleiner Teil der Konsumenten. Diese wählen Bio, weil es Bio ist. Der viel größere Teil der Bio-Konsumenten, zum Beispiel die LOHAS; kaufen Bio-Produkte aus zahlreichen und unterschiedlichen Motiven. Hier spielt auch Genuss eine große Rolle und das ist eine der entscheidenden Herausforderungen an den Bio-Bäcker.
Was gibt es Neues bei BÄKO BiO?
Knieling: Wir haben unser Bio-Sprossen-Sortiment mit den neuen BÄKO BiO Weizensprossen qualitativ ausgebaut. Unsere Rohstoff-Spezialisten haben die Ware gründlich getestet und kamen zu erfreulichen Ergebnissen. Die BÄKO BiO Weizensprossen schmecken mildaromatisch und sind so für viele Rezepturen ideal als Beimischung geeignet. Die Sprossen führen zudem zu einer höheren Feuchtigkeitsbindung im Brot. Die Backware bleibt spürbar länger frisch.
Das Produkt bringt viele qualitative Vorteile, aber was genau so wichtig ist: Sprossenprodukte liegen voll im Trend und erfreuen sich großer Beliebtheit, übrigens auch bei den geschilderten Zielgruppen.
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