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Bio: Die Chance, sich zu profilieren

Oliver Vogt mit einem Vortrag auf der BioFach: Regionalität und Marke sind wichtige Wettbewerbsfaktoren


Nürnberg (buc). Konkurrenz durch die Discounter, steigende Rohstoffpreise und Hygieneauflagen, knausrige Kunden und sinkende Gewinnspannen – „vielen Bäckern steht das Wasser bis zum Hals“. Ein knifflige Lage bescheinigte Unternehmensberater Oliver Vogt dem Handwerk auf der BioFach in Nürnberg. Als Möglichkeit, diesem Dilemma zu entrinnen, sieht er den Bio-Markt. Um hier zu bestehen, müssten die Betriebe aber fit für die Zukunft gemacht werden. Wichtig dabei: Eine klare Strategie, dem Kunden „Mehrwert“ vermitteln und sich vom Mitbewerber abheben. Vogt empfahl die Kooperation mit namhaften Bio-Verbänden und Nutzung ihrer werbeträchtigen Labels.

Dass die Bäcker im Bio-Segment schon jetzt stark sind, untermauerten die Referenten des Vortrags „Bio-Backwaren im Wettbewerb – die Zukunft der Handwerksbäcker“ mit Zahlen. So wurden im Jahr 2005 mit Öko-Brot in Deutschland bereits 250 Mio. Euro umgesetzt, mit Brötchen und sonstigen Backwaren je etwa 30 Mio. Euro und mit Kuchen und Gebäck gut 20 Mio. Euro (Grafik). Und die Bäckereien liegen mit einem Marktanteil von 50 Prozent deutlich vor dem Naturkosthandel (29 Prozent) und dem Lebensmittel-Einzelhandel.

Ein konkurrenzloser Selbstgänger für alle Ewigkeit ist der Bio-Markt deshalb noch lange nicht. Denn: „Hier wird gutes Geld verdient – das reizt auch die Discounter“, warnten Vogt und seine Kollegin Ines Kroggel. Beide sind für die Gehrke Consulting GmbH tätig, die aus der 1956 gegründeten Bäckerbuchstelle Hannover hervorgegangen ist.

Neben grundlegenden kaufmännischen Erfordernissen (exakte Kalkulation und Sortimentsanalyse, regelmäßige Prüfung der Produktqualität und der Verkaufsstandorte) ist bei einer Betonung des Bio-Segments die besondere Kundenpsychologie Chance und Verpflichtung zugleich.

Das Referenten-Duo ließ Umfragewerte sprechen: Demnach legen
55 Prozent der Verbraucher Wert auf gesunde und natürliche Lebensmittel, 79 Prozent lehnen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ab, 62 Prozent wollen ein größeres Angebot aus der Region, angepasst an die Jahreszeit.

All dies und weitere „Mehrwerte“ wie traditionelle Handwerkskunst, hohe Beratungsqualität, Frische und ein angenehmes Shopping-Erlebnis kann der regional ein- und verkaufende Bäcker dem Kunden mit seinen Bio-Broten, Öko-Hörnchen oder Natur-Dinkel-Semmeln bieten.

„Regionalität ist ein wichtiger Werbefaktor“, betonte Oliver Vogt. Immer mehr Menschen wollten wissen, wo ihr Lebensmittel herkommt. Ines Kroggel plädierte für eine Markt-Positionierung mit Unterstützung eines der großen Öko-Verbände: „Die Marke ist Kult. Und die Kunden wissen das zu schätzen.“

Für den Start ins Bio-Business mahnten der Diplom-Kaufmann und die Bilanzbuchhalterin zukunftsorientierte Unternehmensführung und Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten an.


Artikel vom 23.02.2006
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