INTERVIEW der woche
Bio-Boom bringt Umsatzsteigerungen
Seine Leidenschaft und Überzeugungskraft in Sachen Bio beeindruckte jüngst die Jury der Mittelstandsinitiative „Mutmacher der Nation“ initiiert als Wettbewerb von Das Örtliche, dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken und dem Magazin impulse. Schomaker wurde zum Landessieger in Nordrhein-Westfalen gekürt.
ABZ: Bio in den 1980er Jahren und heute. Wo sind die Unterschiede?
Andreas Schomaker: Ich war 1979 besonders angetan vom freundlichen Miteinander in den drei Bio-Bäckereien in Berlin. Der Absatz war noch kein Problem. Die Nachfrage nach den wenigen Bio-Brotsorten war enorm. Wichtig war der Umweltgedanke und der faire Handel. Die Anbieter haben die Bio-Normen eher „übererfüllt“. Heute gibt es ein sehr breites Angebot an Backwaren in Bio-Qualität. Am Markt bieten auch Unternehmen an, die rein wirtschaftliche Interessen haben. Sie produzieren und verkaufen Bio nicht, weil sie davon überzeugt sind. Die Kontrolle wird nun wichtiger und die EG-Bio-Normen sollten weiter überdacht werden.
Der Nachfrageboom nach Bio führt auch bei uns zu Mehrumsätzen. Erste Versuche mit Lieferungen an den Lebensmitteleinzelhandel gestalten sich schwierig. Im SB-Regal liegt unser Bio-Brot mit 3,49 Euro neben konv. Brot für 1,69 Euro. Erschwerend hinzu kommt jetzt die Rohstoffsituation. Die Knappheit von vielen Bio-Rohstoffen führt zu enorm gestiegenen Preisen.
ABZ: Wie konnten Sie die Preiserhöhungen an Ihre Kunden weiter geben?
Andreas Schomaker: Die Presse hat umfangreich auf die Thematik hingewiesen. Das hat uns geholfen die Preise bei den Kunden durchzusetzen. Natürlich gab es auch Unmut und wir haben den ein oder anderen Kunden verloren. Leider werden wir bald noch einmal erhöhen müssen.
Neben den Rohstoffen haben wir auch bei Gas, Strom und Diesel mit viel höheren Preisen fertig zu werden. Dies trifft uns sowohl in der Produktion, wie auch bei den Lieferungen. So können unsere neuen Lieferfahrzeuge leider keinen Bio-Diesel mehr fahren. Die Motoren der großen Hersteller haben nun endlich Filter, aber dafür brauchen sie mehr Kraftstoff – und vertragen nur noch normalen Diesel.
Leider haben wir uns vorläufig komplett an Gas gebunden. Alternativen wie Pelletsheizungen für die Öfen bringen für uns noch nicht die gewünschten Leistungen.
ABZ: Sie haben zweimal einen Umweltpreis gewonnen. Wofür wurden Sie ausgezeichnet?
Andreas Schomaker: Ökologie ist für uns Lebenseinstellung. Unsere Betriebserweiterung wurde in nachhaltiger Holz&Lehmbauweise erstellt. In der Backstube arbeiten wir mit 2 Wärmerückgewinnungen. So können wir Heizung und das komplette Brauchwasser damit erwärmen.
Beim Strom setzen wir auf Ökostrom von Lichtblick. Der Strom wird nur mit Wind, Wasser und Sonne produziert. Im Vergleich zum Strom des großen Monopolisten in unserer Region, ist dieser Strom sogar noch günstiger. Ein Teil unseres Mehles wird demnächst in einer holländischen Windmühle vermahlen. Die Filialen fahren wir nur einmal täglich an. Das bringt in der Summe also eine sehr positive CO2-Bilanz.
ABZ: Sie liefern auch Bio-Backwaren in die Niederlande. Wie ist dort der Markt strukturiert?
Andreas Schomaker: Wir beliefern Hollands größte Biobäckerei. In deren
Katalog wird unser Brot als Spezialität im Randsortiment angeboten.
Die Bio-Ware ist dort allgemein etwas teurer. Allerdings geht es hier vor allem um EU-Bio. Verbandsware wie von Demeter oder Bioland bleibt da außen vor.
Der Markt ist ganz anders strukturiert. Er wird besonders von großen Unternehmen bestimmt, die oft zu Lebensmittelkonzernen gehören. Fusionen werden vorangetrieben. Auch die niederländischen Kollegen haben Probleme beim Bezug von Bio-Getreide. Mengen und Qualität sind nicht verfügbar wie benötigt.
ABZ: Wie stehen Sie zu EU-Bio im Vergleich zu Verbands-Bio wie Demeter oder Bioland?
Andreas Schomaker: Die EU-Bio-Norm ist meiner Meinung nach unzureichend. Verbands-Bio hat höhere Anforderungen und oft auch ganzheitliche Ansätze in der Landwirtschaft, die weit über das hinaus gehen, was EU-Bio-Höfe leisten. Auch die Kontrollaktivitäten sind wesentlich umfangreicher. Prinzipiell bevorzugen wir Bauern der Verbände Demeter, Bioland und Naturland, wenn möglich sogar aus der Region.
Im Vertrieb ist es allerdings schwierig, die Unterschiede zwischen Billig-
Bio und Verbands-Bio darzustellen. Wiederverkäufer kennen und schätzen die Unterschiede. Im Laden ist es schwieriger, die Unterschiede aufzuzeigen.
Unsere Verkäuferinnen leisten hier viel Aufklärungsarbeit. Wir haben sie extra mit Filmen, Besichtigungen und Vorträgen geschult, um ihnen die Hintergründe zum Thema Bio und Verbands-Bio darzustellen. (pf)
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