Trends & Märkte

Bezug zur Heimat starkes Kaufargument

Verbraucherinformation und Bildung muss stärker forciert werden


Bonn (age). Wesentliche Ursachen für die in Deutschland seit Jahren stattfindenden Billigpreiskampagnen bei Lebensmitteln sind die extreme Wettbewerbssituation und der wirtschaftliche Druck im Lebensmittelhandel sowie Veränderungen in Lebensstil und Arbeitswelt mit Verlust an traditionellen Ess- und Tischgewohnheiten. Hinzu kommen eine Verschiebung der Werteorientierung in der Bevölkerung und ein zunehmendes Unwissen über die Lebensmittelherstellung. Weil die Lebensmittelpreise seit Jahren eine wesentliche Inflationsbremse sind, geraten Landwirte durch stetig sinkende Erzeugerpreise und der Einzelhandel durch die niedrigste Rendite innerhalb Europas zwischen Null und einem Prozent immer stärker in wirtschaftlich schwierige Ausgangslagen.

Zu dieser Einschätzung gelangte ein Expertengremium, das im Berliner Haus des Handels darüber diskutierte, welche wirtschaftlichen und ethischen Konsequenzen die aufgezeigte Entwicklung hat.

Wie der Bauernverband in einer Presseinformation mitteilte, war sich die Expertenrunde darin einig, dass der mündige Verbraucher in Deutschland an der Ladentheke sehr preisfixiert ist und nicht wie seine europäischen Nachbarn qualitäts- und werteorientiert beim Lebensmitteleinkauf handelt.

Dies zu ändern, gelinge nur durch verstärkte Verbraucherinformation und Bildung, jedoch nicht durch Verbraucherbevormundung. Eine „Umorientierung zu mehr Wertebewusstsein“ erreiche man am ehesten, wenn die Verantwortlichen in Kirche, Politik, Wirtschaft und Verbänden mit gutem Beispiel voran gingen.

Schließlich, so die Expertenrunde, werde eine veränderte Ernährungsethik in der Bevölkerung nicht durch Resignation und einseitige Schuldzuweisung, sondern nur durch größtmögliche Transparenz, aktive Information und Kundenorientierung als Leitbild unternehmerischen Handelns im Lebensmittelsektor erreicht.

Vor allem der Bezug zur Heimat sei für Verbraucher in einer zunehmend globalisierten Welt künftig ein immer bedeutenderes Kaufargument. Informationen über Lebensmittel und Ernährung müssten dabei im Rahmen hauswirtschaftlicher Bildung frühzeitig, das heiße bereits im Kindergarten und in der Schule, in Theorie und Praxis vermittelt werden.


Artikel vom 03.11.2005
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