Markt & Meinung
Bestandsaufnahme und Perspektiven
Die Landesinnungsmeister blicken auf 2006 zurück und wagen eine Prognose für das kommende Jahr / Teil 2 der ABZ-Umfrage unter den LIMs
Stuttgart (p). Wir wollten wissen, wie die Landesinnungsmeister, stellvertretend für die Branche, das Jahr für sich und ihre Betriebe bewerten. Darüber hinaus war es uns wichtig, auch herauszufinden, wie es im jeweiligen Verbandsgebiet aussieht. Was hat die Verbände im zurückliegenden Jahr in Atem gehalten und was konnte erreicht werden? Ein Themenfeld bewegt alle – die Billiganbieter im Backwarensortiment. Wir wollten wissen, wo und wen es am meisten drückt. Und schließlich wollten wir noch wissen, welche Perspektiven, Konzepte und Marketingideen für 2007 aus den meisten Erfolg versprechen.
Bayern
Heinrich Traublinger, LIM in Bayern: „Alles in allem ein Jahr, in dem die Negativentwicklung zum Stehen kam und wir wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Gleichwohl sind damit noch nicht die Negativfolgen überwunden, die uns die Durststrecke der ersten Jahre dieses Jahrtausends beschert hat. Wir werden noch eine Weile brauchen, bis Ruhe an der Front einkehrt.
Für unsere Branche ganz klar die Diskussion um die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten, die wir in Bayern gottlob vorerst verhindern konnten ein wichtiges Thema. Positiv, d. h. mit Kostenentlastungen, konnten die Verhandlungen über einen neuen Manteltarifvertrag abgeschlossen werden. Spuren hinterlassen haben das neue EG-Hygienerecht und die vielen medialen Querschläge im Bereich der Lebensmittelhygiene (vom sogenannten „Gammelfleisch“ bis hin zu Cumarin). Zum Verbraucherinformationsgesetz konnten wir Bundesminister Seehofer auf unserem Verbandstag nochmals unsere Position darlegen und Schlimmeres verhindern. Absolutes Branchen-Highlight des Jahres 2006 und ein voller Erfolg war die iba in München. Für das Gesamthandwerk stand nach innen gerichtet die Fortsetzung der Strukturreform und in Richtung Politik die kritische Begleitung der Reformansätze in den für unser Land maßgebenden Politikfeldern im Mittelpunkt.
Die Marktlage ist nach wie vor eng. Darf man den Auguren glauben, so hat der Verbraucher langsam wieder begriffen, dass Qualität ihren Preis hat. Zumindest befinden sich die Discounter nicht mehr in der Wachstums- sondern klar in der Konsolidierungsphase. Wer sich als Handwerksbäcker auf sein fachliches und unternehmerisches Können besinnt und individuelle Qualität bietet, wird auch künftig am Markt bestehen können.
Wir werden den Fachgeschäftscharakter wieder stärker betonen und dort, wo es geht, auch regionalen bzw. lokalen Spezialitäten mehr Aufmerksamkeit als bisher zuwenden müssen. Das bedeutet zuweilen auch Verschlankung des Sortiments. Wer jedoch „Allrounder-Standorte“ hat, wird seine Nahversorgungsaufgabe stärker kommunizieren müssen – unsere Informationsgesellschaft sucht nach kundenbindenden Argumenten. Wenn Marktforscher in vielen Bereichen eine Rückbesinnung auf alte Tugenden ermitteln, haben unsere Meisterbetriebe eine ideale Ausgangsposition für die Märkte von Morgen.
Mecklenburg-Vorpommern
Thomas Müller, LIM in Mecklenburg-Vorpommern: „Die Situation unserer Mitgliedsbetriebe hat sich für die meisten Betriebe erfreulicherweise nicht weiter verschlechtert, aber von einem großen Aufschwung kann man ebenfalls noch nicht sprechen. Dies liegt einerseits an der weiteren Abwanderung und damit Verlust von Kunden. Andererseits an der weiterhin hohen Arbeitslosigkeit und damit an den fehlenden finanziellen Möglichkeiten, beim Bäcker einzukaufen.
Mitte September fand die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern statt und die Rot-Rote Koalition fand ihr Ende. Ob allerdings dieses Wahlergebnis, mit der nun beschlossenen „Großen Koalition“ die dringend notwendigen Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bringt, gilt abzuwarten. Ein klarer Politikwechsel hätte mit Sicherheit mehr Impulse für Wachstum gegeben.
Bei der Neuwahl des Vorstandes im November 06 löste ich Roland Hatscher nach sechsjähriger Amtszeit als Landesinnungsmeister ab.
Die Unterstützung unserer Mitgliedsbetriebe in der täglichen Arbeit mit einem vielfältigen Dienstleistungsangebot und die intensiven Gespräche mit den verschiedensten Ministerien.
Eine starke Verbandsorganisation von der Innung, über den Landesinnungsverband bis zum Zentralverband wird für unsere meist kleinen Betriebe immer wichtiger.
Die Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern war nicht immer konfliktfrei, wenn man insbesondere an die über die zweijährige Behinderung bei der Fusion der Bäckerinnungen Rostock und Güstrow denkt. Es muss nach wie vor die schlechte Zusammenarbeit der beiden Kammern im Land stark kritisiert werden, was uns in der politischen Arbeit nicht unterstützt. Die seit langem geforderte Zusammenlegung der beiden Kammern ist überfällig.
Auch hier zeigt sich, dass auch im Handwerk eine Organisationsreform dringend notwendig ist. Ich hoffe, dass die Gremien des ZDH die notwendige Reform mit den sinnvollen Veränderungen bald umsetzt.
Die speziellen Backdiscounter sind in Mecklenburg-Vorpommern nicht so ausgeprägt wie in anderen Bundesländern, da unser Land hauptsächlich von einer ländlichen Struktur geprägt ist. Die Angebote von Supermärkten machen uns jedoch genau so zu schaffen wie überall in Deutschland. Da diese Märkte meist in den Randgebieten der Orte erstellt wurden, verlagerten sich gleichzeitig die Käuferströme aus den Orten hin zu den Randlagen. Darunter leiden heute noch alle innerörtlichen Kleinhandelsbetriebe.
Man muss feststellen, dass der Wettbewerb in einem leicht rückläufigen Markt sehr stark ist und von einigen Marktteilnehmern über die Preise geführt wird. Demgegenüber steht das Bäckerhandwerk, welches sich mit seinen qualitativ hochwertigen, individuellen Produkten von den Wettbewerbern abhebt. Angesichts einer ausgeprägten Konsumzurückhaltung müssen gerade die Handwerksbäcker, die sich bisher nicht in ausreichendem Maße auf Spitzenqualität, Kundenservice und Individualität eingestellt haben, mit Umsatzeinbußen rechnen. Die Bäckereien, die sich den neuen Gegebenheiten anpassen, können für ihre bessere Qualität auch höhere Preise am Markt erzielen.“
Thüringen
Wolfgang Laudenbach, LIM in Thüringen: Der Geschäftsverlauf meines Betriebes hat sich weiter positiv entwickelt. Durch weitere Fusionen auf Innungsebene konnte auch die Verbandsarbeit rationeller und effektiver gestaltet werden.
Der Abschluss eines neuen Lohn- und Gehaltstarifvertrages für das Thüringer Bäckerhandwerk, Seminar- und Schulungsangebote für die Mitgliedsbetriebe, die hohen Energiepreise, die neuen Ladenöffnungszeiten, das waren die wichtigsten Themen auf Verbandsebene.
Zur Konkurrenzsituation lässt sich sagen, dass die Backwaren-Discounter in Thüringen nicht in der Fläche vertreten sind, was sicher auf die Überzahl der großen Verbrauchermärkte und Lebensmittel-Discounter zurückzuführen ist. Die meisten Verbrauchermärkte betreiben eigene Backstationen und bieten die dort hergestellten Backwaren zu Dauertiefpreisen an. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen.
Trotzdem hat das Bäckerhandwerk nach wie vor gute Chancen, am Markt zu bestehen: Voraussetzung für den Erfolg sind aber: Höchste Qualität und Frische der produzierten Backwaren, ein reichhaltiges Sortiment unter Einbeziehung der regionalen Spezialitäten, freundliches und geschultes Verkaufspersonal, öffentliche Aktionen auf Innungsebene als auch auf Betriebsebene, die die Vorteile der handwerklichen Qualitätsbäckerei und ihrer Produkte hervorheben.
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