Aktuell
Berufsbildung soll gestrafft werden
Bildungsministerium will bis zu 300 Lehrberufe abschaffen / ZDH pocht auf die Qualifizierung durch duales System

Beim Beruf der Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk wird innerhalb der Gewerke schon Hand in Hand gearbeitet. Hier zeigen Azubis im Backwarenverkauf ihre Qualifikation anlässlich der Nachwuchskampagne „Au Backe – Zukunft?!“
Bei der derzeitigen Vielfalt der Ausbildungsberufe könnten die Berufsschulen kein optimales Angebot sicherstellen, sagte Schavan. Gleichzeitig würden Jugendliche verunsichert, weil die nötige Transparenz fehle und die Berufsfelder kaum noch zu überblicken seien. Wie lange es die deutlich differenzierte Ausbildung einzelner Berufe noch geben wird, ist bislang nicht geklärt. Unklar ist auch, welche Berufsbilder ganz verschwinden und welche in so genannte neue Berufsfelder aufgehen sollen. Bei den Fachverkäufer/Fachverkäuferinnen im Nahrungsmittelhandwerk zum Beispiel findet mangels genügend Auszubildenden an manchen Berufsschulen bereits eine gemeinsame Beschulung von Metzgerei-, Bäckerei- und Konditoreiverkäuferinnen statt – gelegentlich zulasten jeweils der Gruppe mit der geringsten Teilnehmerzahl.
Nach Vorstellung der Ministerin könnten zudem seltene Berufe wie Schirmmacher, Revolverdreher, Schiffszimmerer, Tapetendrucker oder Handschuhmacher völlig wegfallen. Andere Lehrberufe sollen zu gemeinsamen Ausbildungsgängen zusammengelegt werden. Welche Berufe konkret betroffen sind, will die Ministerin mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften im so genannten „Innovationsrat Berufliche Bildung“ festlegen, und gemeinsam mit den Sozialpartner Lösungen erarbeiten. Die für eine Neuordnung notwendige Ausbildungsordnung könnte es dann, so die Bildungsministerin, spätestens in zwei Jahren geben.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Berlin, hatte sein Konzept zur Modernisierung und Flexibilisierung des beruflichen Bildungssystems bereits am 9. Mai auf der Sitzung des Innovationskreises vorgestellt und sich am 15. Mai in Gera öffentlich für eine Neuordnung der beruflichen Bildung ausgesprochen, „um dem absehbaren dramatischen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften im Handwerk entgegenzuwirken und die duale Ausbildung für Unternehmen und Auszubildende attraktiv zu erhalten“. Die Lehre müsse weiterhin ein berufliches Fundament vermitteln, aber auch anschließend vom Markt geforderte Spezialisierung ermöglichen und neue berufliche Entwicklungen schnell in die Ausbildung integrieren. „Es wäre der falsche Weg, die duale Ausbildung zu einem beliebigen Nebeneinander von Einzelqualifikationen verkommen zu lassen“, sagte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer: „Nur die hohe Qualifikation unserer Mitarbeiter begründet die enorme Innovations- und Anpassungsfähigkeit des Handwerks“.
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