Meinung

(Berufs-)Kleider machen Leute


Was stört mich mein Geschwätz von gestern!“ sprach einst Konrad Adenauer. Daraus wurde eine blumige Redewendung für all diejenigen, die ihre ehemals hochheiligen Prinzipien problemlos über den Haufen werfen. Nicht nur für Politiker passt dieser Spruch, sondern auch für Leute, die gestern ihre abfällige Meinung über „Dienstuniformen“ zum Besten gaben und sich heute plötzlich selbst in solche Kleider zwängen müssen. Bei einem Flugzeugkapitän, der gestern im Sportdress aus dem Cockpit grüßte, hätte man als Fluggast panikartig die Maschine verlassen. Und auch einem Pfarrer, der seine gestrige Predigt mit lässiger Lederjacke hielt, hätte man geraten, beim nächsten Gottesdienst doch lieber wieder im Talar zu erscheinen.

Saubere, korrekte und vollständige Dienstleistung wurden gestern für ganz selbstverständlich gehalten, es gab keinerlei Diskussion. Aber heute, wenn man selbst als Dienstleister tätig ist, da hat sich die Sicht der Dinge leicht verändert. Zum Beispiel, wenn man als Verkaufspersonal tätig ist: Saubere Kleidung solle man tragen, ein wenig verstaubte Klamotten tun es doch auch! Ein weißes Polo-Shirt – sauber und auch noch zugeknöpft muss es ja nicht unbedingt sein!? Einen Vorbinder solle man tragen, den hat man aber leider in der Waschmaschine vergessen. Und eine Schirmmütze solle man tragen, das macht man aus Prinzip nicht, weil man sich nicht zum Affen macht. Und sonntags wegen der drei Stunden arbeitet man ganz in zivil.

Danach gefragt, wo in Anbetracht all der Flugkapitäne und Pfarrer von gestern die heutige Konsequenz geblieben ist, verbleibt solchen halbherzigen Dienstleistern nur noch eine letzte Erklärung: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern!“

Tel. 07143 961411

www.us-beratung.de


Artikel vom 02.04.2008
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