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Bei Mohnprodukten Genuss ohne Reue

Morphingehalte inzwischen im Griff / Kontrollen der Importeure und Verarbeiter bieten Sicherheit


Stuttgart (kh/p). Speisemohn steht seit geraumer Zeit in der Diskussion. So warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Pressemitteilung bereits am 27. Dezember 2005 vor möglichen gesundheitlichen Schäden. Mohnsamen stammen vom Schlafmohn, also von der gleichen Pflanze, von der auch Opium gewonnen wird. Kritischer Hintergrund ist dabei der Nachweis unterschiedlich hoher Mengen der Alkaloide Morphin und Codein im Speisemohn oder präziser formuliert: Am Speisemohn. In den reifen Mohnsamen sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Regel keine Alkaloide bzw. nur sehr geringe Mengen enthalten.

Allerdings können die Mohnsamen insbesondere während der Ernte mit alkaloidhaltigen Pflanzenteilen, beispielsweise den Mohnkapseln in Berührung kommen und so durch den Kontakt mit Morphin kontaminiert werden.

Morphingehalte

Untersuchungen, die sowohl von den Lebensmittelüberwachungsbehörden, als auch von der Zulieferindustrie und dem Großhandel (Bäko) zum Alkaloidgehalt von Speisemohn gemacht wurden, zeigten, dass die Mengen je nach Provenienz der Rohware und Herstellungsverfahren stark variieren können. So untersuchte Prof. Dr. Bärbel Kniel im Auftrag des Backmittelinstituts 34 Proben Rohmohn. Dabei zeigte sich, dass die mittlere Belastung der Proben bei 7,9 mg/kg Rohware lag, allerdings gab es hier einen Ausreißer mit Werten von 39 mg/kg.

Die Convenienceindustrie verarbeitet in Deutschland rund 7000 t Mohn zu Mohnfüllungen und Mohnzubereitungen für die Bäcker und die Lebensmittelindustrie.

Insgesamt wird der Absatz von Mohn in Deutschland auf rund 12.000 t geschätzt.

Verarbeitung senkt Belastung

Die Convenienceanbieter stellten in der Untersuchung von Prof. Kniel auch fest, dass durch die traditionellen Verarbeitungsschritte wie reinigen, kochen und mischen mit anderen Zutaten der Morphingehalt um bis zu 85 Prozent gesenkt wird. Sicher ein Argument für die Verwendung von Convenienceprodukten, da diese auch kontinuierlich auf ihren Morphingehalt hin untersucht werden. Aber das Argument pro Convenience ist nicht gleichzeitig ein Argument gegen die Verwendung von Rohmohn und dessen Verarbeitung im eigenen Betrieb, denn auch die Importeure von Rohmohn sind nicht tatenlos geblieben und haben, allen voran die Bäko Zentrale-Süddeutschland, eine ganze Reihe von Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt, um den Rohstoff Mohn sicher zu machen.

So beteiligte sich die Bäko an einer gemeinsamen Studie mit dem Backmittelinstitut. Aber auch umfangreiche eigene Initiativen führten letztendlich zum gewünschten Erfolg. So suchte und fand die Bäko-Zentrale Süddeutschland auf dem internationalen Beschaffungsmarkt Mohnproduzenten, die in der Lage sind, den Morphingehalt des Speisemohns nach vorgegebener Herstellungspraxis zu minimieren.

Sicherheit bei Rohware

Zurück in Deutschland, initiierte die Zentrale gemeinsam mit dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart eine Studie zur Qualitätssicherung des Speisemohns. Im Rahmen einer Homogenitätsuntersuchung konnte dabei festgestellt werden, dass es gelungen ist, aufgrund der veranlassten modifizierten Herstellungspraxis im Ursprungsland einwandfreien Speisemohn zu importieren.

„Natürlich werden wir auch weiterhin jede Charge Blaumohn, die wir importieren, exakt untersuchen lassen, damit wir auch langfristig Sicherheit schaffen. Für unsere Ware halten wir entsprechende Zertifikate vor und können daher jederzeit Auskunft über die Parameter der Ware geben“, erläutert Holger Knieling, geschäftsführender Vorstand der Bäko-Zentrale Süd.

Lesen Sie dazu auch Bericht auf S. 9.


Artikel vom 21.12.2006
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